Atommüll: In Bülach haben die Bohrarbeiten begonnen

Die Region Nördlich Lägern ist einer von drei Standorten, der in die engere Auswahl für ein Endlager kommt. Eine Bohrung dauert etwa ein Halb- bis Dreiviertel Jahr.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Regionen, in denen in der Schweiz ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle gebaut werden könnte, sind bekannt. Um aber den sichersten Standort wählen zu können, hat die Nagra am Montag in der Region Nördlich Lägern begonnen, in die Tiefe zu bohren.

Der Bohrplatz befindet sich im Zürcher Unterland, ausserhalb von Bülach ZH auf einer sonst landwirtschaftlich genutzten Fläche von nicht einmal einer Hektare. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) will mit dieser ersten Serie von Tiefenbohrungen das Bild des geologischen Untergrundes ergänzen.

«Wir sind nach jahrelanger Arbeit langsam auf der Zielgeraden», sagte Maurus Alig, Gesamtprojektleiter bei der Nagra, vor den Medien. «Die Daten, die wir jetzt mit diesen Bohrungen erheben, dienen uns, den besten und sichersten Ort für ein geologisches Tiefenlager zu finden.»

Erste Messungen hatten in der Vergangenheit gezeigt: In den Regionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost ist ein Lager für radioaktive Abfälle grundsätzlich möglich. Wie 3D-seismische Messungen zeigten, ist dort der Untergrund ideal und hat es ausreichend Platz.

Beschaffenheit des Opalinustons

Nun soll aber an diesen Standorten noch genau geprüft werden, wie das Gestein in der Tiefe beschaffen ist. Der Bohrkopf, der am Montag in Betrieb genommen wurde, wird nun sechs bis neun Monate lang rund um die Uhr in Betrieb sein. In einem ersten Schritt gräbt er sich nun mehrere hundert Meter in die Tiefe.

Der Opalinuston, das Wirtgestein, in welchem das Tiefenlager gebaut werden soll, liegt etwa 900 Metern unter der Erdoberfläche. Mit den Bohrungen sollen aber auch die darüber- und darunterliegenden Gesteinsschichten untersucht werden, wie Alig erklärte. «Wir suchen in den Proben die wichtigen Eigenschaften, die für ein Lager erfüllt werden müssen.»

So geht es etwa darum, die Mächtigkeit, die Durchlässigkeit und die Zusammensetzung des Wirtgesteins und der angrenzenden Gesteine genau zu untersuchen. «Wichtig ist auch der Tongehalt», sagte Alig. Je höher dieser ist, desto sicherer werden Abfälle eingeschlossen.« Man werde so lange bohren, bis man den sichersten Ort gefunden habe.

Nächste Bohrungen in Trüllikon

Insgesamt hat die Genossenschaft für die drei möglichen Regionen beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) 23 Gesuche für Bohrungen eingereicht. Wie viele wirklich durchgeführt werden, hängt von den Ergebnissen ab. Pro Standort werden es gemäss Alig rund zwei bis drei sein. Eine Bohrung kostet 15 Millionen Franken.

Die Nagra erhofft sich, durch die Tiefenbohrungen «das geologische Gesamtbild der Standortregionen zu vervollständigen.» Dieses soll dann ermöglichen, dass eine wissenschaftlich begründete Wahl der sichersten Tiefenlagerstandorte getroffen werden kann. «2022 sollten wir wissen, wo das Lager gebaut werden könnte», sagte Alig.

Dann werden die entsprechenden Rahmenbewilligungsgesuche ausgearbeitet und eingereicht. Nach Planung der Nagra wird es 2031, bis das Volk darüber entscheidet, und 2050 bis gebaut wird. Als nächstes wird jetzt aber im Sommer die zweite Tiefenbohrung durchgeführt, im Standortgebiet Zürich Nord in Trüllikon. (nag/sda)

Erstellt: 15.04.2019, 16:31 Uhr

Artikel zum Thema

Im Labyrinth des Atommülls

Reportage Wohin mit den hoch radioaktiven Abfällen aus Kernkraftwerken? Finnland baut das erste Endlager, das 100'000 Jahre bestehen soll. Doch wie warnt man zukünftige Generationen vor der Gefahr? Mehr...

Hier haben die Menschen das Interesse am Widerstand verloren

Reportage Seit Jahrzehnten sucht der Bund Endlager für radioaktive Abfälle. Jetzt fährt in Bülach ein Bohrer auf – das scheint aber keinen zu stören. Mehr...

Der Mann, der Atommüll anders lagern will

Porträt Marcos Buser war Experte für das nukleare Entsorgungskonzept in der Schweiz. Seit Jahren kritisiert er die offizielle Strategie. Und schlägt einen anderen Weg vor. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Studentinnen suchen nach schnellem Sex
/sales/publireportagen/Schweizer-Studentinnen-auf-der-Suche-nach-schnellem-Sex/story/24704622

Die Schweizer Studentinnen haben längst herausgefunden, wie man an scharfen Sex für zwischendurch kommt. Viele von ihnen suchen auf TheCasualLounge.ch unverbindlichen Sex.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Er braucht ein gutes Gleichgewicht: Ein Gaucho reitet in Uruguay ein Rodeo-Pferd. (17. April 2019)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...