Nur auf eine Frage weiss der Dalai Lama keinen Rat

Der Dalai Lama besucht die Schweiz. Als erstes trat er am Flughafen auf, lachte viel und kam nur einmal ins Stocken.

Der Dalai Lama spricht und strahlt am Freitagmorgen vor Journalisten.
Video: Stefan Hohler

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Früher als angekündigt öffnet sich die Tür zum Konferenzzimmer im Hilton-Hotel am Flughafen Zürich. Männer in schwarzen Jacketts treten zur Seite, ein dunkelrotes Gewand wird sichtbar. Mit kleinen Schritten und leicht gestützt betritt der Dalai Lama den Saal. Für die beiden Stufen auf die Bühne braucht der 83-Jährige etwas mehr Hilfe, und er weist seine Assistenten gleichzeitig an, den Polstersessel auf der Bühne durch einen einfachen Stuhl zu ersetzen. Der Dalai Lama setzt sich und strahlt, wie er es immer tut.

Das geistige und weltliche Oberhaupt der Tibeter weilt dieser Tage in der Schweiz. Anlass ist das 50-Jahr-Jubiläum des Tibet-Instituts in Rikon im Zürcher Oberland. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist eine Zeremonie am Freitagmorgen, an der auch der Dalai Lama teilnehmen wird. Das Medieninteresse bei seinem ersten Auftritt ist gross.

Weltschatz tibetische Kultur

Rudolf Högger, Vizepräsident des Stiftungsrats des Tibet-Instituts, ergreift auf der Bühne das Wort. Weit kommt er aber nicht. Der Dalai Lama übertönt ihn mit einem lauten «Good Morning» und beginnt zu reden. Ohne Punkt und Komma.

Er redet vom inneren Frieden und bewusst von reichen Menschen. Ihnen, so der Dalai Lama, nütze alles Geld nichts, wenn sie innerlich nicht zufrieden seien. Er redet aber auch vom religiösen Frieden. Aus seiner Sicht bergen alle Religionen, nicht nur der Buddhismus, grosses Potenzial, die Menschen zufrieden zu machen. «Die tibetische Religion und die tibetische Kultur an und für sich bergen einen Weltschatz», sagt seine Heiligkeit. Einzig die unvermittelten Lacher zwischen den Sätzen unterbrechen den Redefluss.


Lamas im Exil Der Dalai Lama besucht heute Zürich. Wir besuchten sein Zuhause Dharamsala – wo sich an Tibet nur noch Alte erinnern. (Abo+)


Dem Dalai Lama ist es ein Anliegen, den Schatz seiner Kultur weiterzugeben. Seinen Landsleuten in der ganzen Welt und vor allem der jungen Generation. Deshalb reist er, solange es seine Kräfte noch zulassen. In den letzten Tagen war er bereits in Schweden, den Niederlanden und Deutschland.

Kein Sinn für Technik

Das Tibet-Institut in Rikon hat das tibetische Oberhaupt bereits vor zwei Jahren eingeladen und den Besuch seither vorbereitet. Für die Tibeter in der Schweiz – mit 7500 Personen stellen sie die grösste Diaspora in Europa – ist jeder Besuch ein Ereignis. Der Dalai Lama hat das Institut bereits fünfzehn Mal besucht. Vor drei Jahren weilte er das letzte Mal in der Schweiz.

Auf der Bühne antwortet der Dalai Lama auf alle Fragen der Journalisten gewohnt philosophisch eloquent. In einem Fall weiss er jedoch keinen Rat. Inwiefern der Buddhismus im Umgang mit der Digitalisierung eine Hilfe sei, wollte eine Person wissen. «Dazu kann ich nichts sagen, ich habe kein Wissen in Technik, kann mit diesen Geräten nichts anfangen», sagt das tibetische Oberhaupt. Nach einer Stunde beendet er seinen Auftritt, lässt sich von der Bühne hinunterhelfen und verabschiedet sich von den Medienleuten – bei jedem Einzelnen persönlich mit Handschlag.

Am Samstag wird der Dalai Lama in den Eulachhallen in Winterthur auftreten, am Sonntagmorgen empfängt er im Hallenstadion zu sogenannten Unterweisungen. Zuletzt wird er am Montag an einem Symposium an der ZHAW in Winterthur teilnehmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2018, 10:42 Uhr

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