Angreifer hielt Beat Schlatter für einen bösen Mann

Der Mann, der den Komiker und Schauspieler vor einem Jahr zusammengeschlagen hat, hat heute vor Gericht erklärt, wie es dazu kam.

Für ihn bestand laut dem Staatsanwalt «konkrete Lebensgefahr»: Schauspieler Beat Schlatter, einen Monat nach dem Angriff.

Für ihn bestand laut dem Staatsanwalt «konkrete Lebensgefahr»: Schauspieler Beat Schlatter, einen Monat nach dem Angriff. Bild: Ayse Yavas/Keystone

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«Ich habe ihn nicht gekannt», sagte heute Dienstag vor dem Bezirksgericht Meilen jener 42-Jährige, der vor Jahresfrist Beat Schlatter niedergeschlagen und schwer verletzt hat. Durch seine psychische Krankheit habe er die Realität nicht richtig einschätzen können. Er habe gedacht, bei Schlatter handle es sich um einen bösen Mann. Deshalb habe er ihn angegriffen.

«Für mich ist der Vorfall eine Katastrophe», betonte der Angeklagte. Er habe sich bei Schlatter entschuldigt. Ihm sei bewusst, dass er sein Opfer nur dank Glück nicht noch gravierender verletzt habe. Zudem beteuerte er, dass er nun verstehe, welche Wahnvorstellungen die Krankheit in ihm auslöse und dass er niemanden mehr schlagen werde.

«Ich war vom Leben überfordert»

Seinem Mandanten sei bewusst, dass er Verantwortung für sein Leben übernehmen müsse, sagte der Verteidiger. Er habe ihm gegenüber versichert, dass er sein Leben in den Griff bekommen wolle. Die Probleme des gelernten Elektronikers fingen mit seiner Scheidung im Jahr 2005 an. Sein Leben geriet danach aus den geordneten Bahnen. Er begann Drogen wie Kokain und Heroin zu konsumieren. «Ich war vom Leben überfordert», sagte er.

Neben Schlatter hat der Mann letztes Jahr innerhalb von drei Tagen noch zwei andere Personen attackiert. Er war schon mehrfach wegen psychischen Störungen in Behandlung, brach diese jedoch jeweils nach kurzer Zeit wieder ab. Heute nehme er keine Drogen mehr und trinke auch keinen Alkohol, versicherte er dem Bezirksgericht.

Zuvorkommend und anständig

Für den Staatsanwalt ist der Beschuldigte aufgrund seiner psychischen Probleme nicht schuldfähig. Er habe zwar gewusst, was er getan habe und vorsätzlich gehandelt. Er sei aber nicht fähig, das Unrecht zu erkennen. Die Anklage fordert deshalb eine zweimonatige Einweisung in eine stationäre Einrichtung und im Anschluss daran eine langfristige ambulante Behandlung des 42-Jährigen. Das Hauptgewicht liege dabei bei der medikamentösen Behandlung, die seine «schizoaffektive Störung» heilen soll.

Der Verteidiger unterstützte diesen Antrag. Es gehe darum, einen Rückfall zu verhindern.Die stationäre Behandlung hat der Beschuldigte, der seit Anfang Februar in einem betreuten Wohnheim lebt, praktisch schon hinter sich. Sein Betreuer erklärte vor Gericht, dass der Beschuldigte sich zuvorkommend und anständig zeige und sich sehr gut ins Wohnheim integriert habe.

Das Bezirksgericht Meilen fällte noch kein Urteil. Es will erst einmal die weitere Entwicklung des Beschuldigten abwarten und das Urteil dann im Juni eröffnen. (hub/sda)

Erstellt: 22.03.2016, 08:37 Uhr

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