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Billiger bauen für die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft

Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) hält die ehrgeizigen Energiesparziele der Stadt für realistisch. Dafür muss beispielsweise dichter und weniger im Untergrund gebaut werden.

«Es gibt Bauten, wo auch mit viel Aufwand nur wenig erreicht werden kann», sagt Hochbauvorstand André Odermatt. Dazu gehört die diesen Sommer frisch renovierte Villa Patumbah im Zürcher Seefeld.
«Es gibt Bauten, wo auch mit viel Aufwand nur wenig erreicht werden kann», sagt Hochbauvorstand André Odermatt. Dazu gehört die diesen Sommer frisch renovierte Villa Patumbah im Zürcher Seefeld.
Dominique Meienberg
Doch bei moderneren Bauten sind energetische Sanierungen sinnvoll, so das Fazit der Stadt. Etwa beim Alterszentrum Dorflinde in Oerlikon, das mit seinen kleine Fenstern und kompakten Volumen zu eine Vorzeigeobjekt geworden ist, was Energiesparen angeht.
Doch bei moderneren Bauten sind energetische Sanierungen sinnvoll, so das Fazit der Stadt. Etwa beim Alterszentrum Dorflinde in Oerlikon, das mit seinen kleine Fenstern und kompakten Volumen zu eine Vorzeigeobjekt geworden ist, was Energiesparen angeht.
Georg Aerni
Die 2000-Watt-Gesellschaft liesse sich auch ohne Einbussen beim Komfort erreichen, so die Aussage der Studie. Ob das die künftigen Bewohner in der Genossenschaft Kalkbreite auch so sehen? Sie müssen auf ein Auto verzichten und die Temperatur in den Wohnräumen wird begrenzt.
Die 2000-Watt-Gesellschaft liesse sich auch ohne Einbussen beim Komfort erreichen, so die Aussage der Studie. Ob das die künftigen Bewohner in der Genossenschaft Kalkbreite auch so sehen? Sie müssen auf ein Auto verzichten und die Temperatur in den Wohnräumen wird begrenzt.
Sabina Bobst
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Die Stadt hat ihr Immobilienportfolio durchleuchtet – Schulen, Altersheime und Wohnbauten – und auf 2000-Watt-Tauglichkeit geprüft. Erstaunliches Fazit der Studie: Wenn billiger gebaut wird, sind die Energiesparziele erreichbar. Am Beispiel des Schulhauses Schauenberg in Zürich-Affoltern haben Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) und Studienleiterin Annick Lalive d’Epinay die Sache gestern für die Medien durchgespielt.

Ursprünglich sahen die Planer einen grosszügigen Neubau mit viel unterirdischen Volumen vor. Als sie die Pläne im Hinblick auf die Kosten ein erstes Mal überarbeiteten, rückten sie die Gebäude näher zusammen und bauten höher, damit der Flächenbedarf um 15 Prozent sank und damit auch der Energiebedarf im Betrieb und beim Bau. Bei Letzterem fällt der Aushub stark ins Gewicht. Bestellt hat die Stadt dann ein um weitere 15 Prozent flächenreduziertes Schulhaus, was erneut Kosten und Energie sparte.

«Weniger Flächen, weniger Unterirdisches und eine höhere Dichte sorgen nicht nur für eine 2000-Watt-konforme Bauweise», sagte Odermatt, «sie sind auch ein Segen für die Kosten.» Gezeigt hat sich dies nicht zuletzt am «teuersten Schulhaus der Stadt», dem Blumenfeld. 2010 gingen die Wogen hoch, als bekannt wurde, dass es 99 Millionen Franken kosten solle. Das Hochbaudepartement präsentierte darauf eine um 8 Millionen abgespeckte Version mit vermindertem Flächen- und Energiebedarf.

Mehr Geld für Sanierungen

Abgesehen von der Energieersparnis: Die Stadt hat einen weiteren Grund, in Zukunft beim Bau von Schulhäusern und Siedlungen auf die Kosten zu schauen. «Dann steht im städtischen Budget mehr Geld für Sanierungen zur Verfügung», sagte Odermatt. 75 Millionen gibt Zürich im laufenden Jahr für Neu- und Umbauten aus, 100 Millionen für Sanierungen. Das Departement möchte sicherstellen, dass jede städtische Liegenschaft alle 50 Jahre einer Totalsanierung unterzogen wird, um die 2000-Watt-Ziele zu erreichen. «Das ist nicht billig, doch wir dürfen die Fehler der 90er-Jahre nicht wiederholen und unsere Liegenschaften vergammeln lassen», sagte Odermatt mit Blick auf die Budgetdebatte im Gemeinderat. Mit einer hohen Sanierungsrate werde auch Wert erhalten.

Kompakter, höher und weniger im Untergrund bauen – so lässt sich also Geld und Energie sparen. Bei den Schulhäusern Schauenberg und Blumenfeld ging dies allerdings nicht, ohne auch das Nutzungskonzept zu verändern: Die ursprünglich vorgesehenen breiten Gänge hätten für den Unterricht verwendet werden sollen. In den verschmälerten Korridoren liess die Feuerpolizei die nötige Möblierung aber nicht mehr zu.

Der steigende Flächenbedarf für moderne Lernformen sei denn auch das grösste Hemmnis auf dem Weg zu 2000-Watt-kompatiblen Schulhäusern, sagte Lalive d’Epinay. Trotzdem seien die Ziele realistisch, dank verbesserter Wärmedämmung, dem Einsatz von effizienten Geräten und erneuerbarer Energie.

Weniger Platz im Altersheim?

Bei den Wohnbauten ist die Stadt in einer komfortablen Lage: Ihre 53 Siedlungen weisen einen äusserst geringen Flächenbedarf pro Person aus. Mit 32 Quadratmetern liegt er weit unter dem Schweizer Durchschnitt von 45 Quadratmetern. Die städtischen Wohnungen sind auch sparsam mit Badezimmern ausgerüstet, was ebenfalls Ressourcen schont.

Erstaunt zeigte sich Odermatt über den hohen Flächenbedarf der Zürcher Altersheime. Wegen der vielen Gemeinschaftsräume und grosszügiger Entrees verbraucht ein Bewohner satte 80 Quadratmeter. Allerdings zeige gerade das Beispiel Alterszentrum Dorflinde in Oerlikon, in dem die Medienkonferenz stattfand, dass weder der Denkmalschutz noch der hohe Flächenbedarf der Bewohner ein Hindernis auf dem Weg zur 2000-Watt-Tauglichkeit sein müssen. Das Haus wurde kürzlich mit einer Innendämmung versehen und gilt seither als Vorzeigeobjekt, was energetische Sanierungen angeht. Dank kleiner Fenster und kompakter Volumen habe man mit wenig Mitteln sehr viel erreicht, so Odermatt.

Das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft bedeutet, dass der Energieverbrauch auf 2000 Watt Dauerleistung pro Einwohner gesenkt wird. Er liegt derzeit bei rund 6300 Watt. Die Stimmbürger haben sich 2008 deutlich für dieses Ziel ausgesprochen und zudem für die Reduktion des Treibhausgasausstosses pro Person und Jahr auf 1 Tonne bis 2050.

SDA/lop

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