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«Blocher hau ab!»

Draussen Proteste, drinnen Reduit-Stimmung: In Uster gedachte Christoph Blocher der Soldaten, die 1918 gegen Streikende marschierten.

Anti-Blocher-Demo in Uster: Rund 150 Personen protestieren gegen die Rede von Christoph Blocher. Der Alt-Bundesrat spricht über 100 Jahre Generalstreik. (Video: Tamedia)

Schon auf der Zugfahrt hatte man das Gefühl, dass sich in Uster etwas zusammenbraute. «Blocher hau ab!» hiess es an einer Lärmschutzwand in farbigen Grossbuchstaben. Grund für den Protest war ein Vortrag, den Alt-Bundesrat Christoph Blocher zum 100-Jahr-Jubiläum des Landesstreiks gestern Abend im Stadthofsaal hielt. Blocher wollte die Ereignisse ins rechte Licht rücken und den Soldaten danken, dass sie im November 1918 eine «Diktatur des Proletariats nach russischem Vorbild» verhindert haben. Und vor allem wollte er den Zürcher Oberländer Sozialdemokraten Robert Grimm demaskieren, den damaligen Anführer des Landesstreiks.

Bildstrecke: Demonstration gegen Landesstreik-Rede

Rund 150 Personen versammelten sich vor dem Bahnhof Uster. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Rund 150 Personen versammelten sich vor dem Bahnhof Uster. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Stefan Hohler
In einschlägigen Online-Plattformen wurde zuvor zu einer Demonstration mit dem Titel «Blocher hau ab! Uster bleibt solidarisch» aufgerufen.
In einschlägigen Online-Plattformen wurde zuvor zu einer Demonstration mit dem Titel «Blocher hau ab! Uster bleibt solidarisch» aufgerufen.
Stefan Hohler
Blocher spricht über den Generalstreik in der Schweiz, der vom 12. bis zum 14. November 1918 dauerte.
Blocher spricht über den Generalstreik in der Schweiz, der vom 12. bis zum 14. November 1918 dauerte.
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Für das anonyme linke Komitee, das mit Spraydosen und übers Internet zur Kund­gebung am Bahnhof Uster aufgerufen hatte, betreibt Blocher Geschichtsklitterung und rechte Hetze: «Blocher legitimiert auch heute Gewalt gegen soziale Bewegungen, wir überlassen ihm aber weder die Geschichte noch Uster.»

Von der Polizei eingekesselt

Diesem Aufruf sind rund 150 Personen gefolgt. Am Bahnhof wurden sie von einem grossen Polizeiauf­gebot empfangen. Obwohl die Demonstration nicht bewilligt war, griffen die Polizisten auch nicht ein, als sich die Demonstranten Richtung Stadthofsaal in Bewegung setzte. Dieser war hingegen weiträumig abgesperrt, sodass der Protestzug nicht bis zum Eingang vordringen konnte.

Rund 150 linke Aktivisten folgten dem Aufruf zur unbewilligten Demonstration. Bild: Dominique Meienberg
Rund 150 linke Aktivisten folgten dem Aufruf zur unbewilligten Demonstration. Bild: Dominique Meienberg

Einer der Demonstranten hielt deshalb etwas abseits eine Gegenrede. Seine Worte wurden mit grossem Applaus der Aktivisten quittiert. Die drei Soldaten vor dem Stadthofsaal, die mit einer Schweizer Fahne und in alten Helmen Wache gestanden hatten, waren ins Innere beordert worden. Draussen verblieben nur noch die Polizisten in modernen Helmen und die privaten Sicherheitsleute.

Hinter den Eingangstüren war von den Vorgängen draussen nichts zu spüren. Auf der Bühne spielte die Grenadiermusik Zürich, und die rund 600 Plätze füllten sich zusehends – vorwiegend mit älteren männlichen Zuhörern. Unter sie hatte sich auch einige SVP-Prominenz gemischt. Allen voran Parteipräsident Albert Rösti aus Bern.

Reduit-Stimmung im Saal

Nach dem Fahnenmarsch und der Landeshymne betrat Blocher die Bühne und wurde der Bezeichnung Volkstribun vollauf gerecht. Innert weniger Minuten herrschte Reduit-Stimmung im Saal. Auf die Kritik der Strasse ging er mit keinem Wort ein. Dass es 1918 nicht zum Sturz der bürgerlichen Gesellschaftsordnung gekommen sei, wie es sich die Streikführer unter Robert Grimm gewünscht hätten, sei insbesondere den Behörden und eben den Soldaten zu verdanken. Grimm war für Blocher ein gefährlicher Marxist und ein sehr guter Redner. Vielsagend meinte er: «Von den guten Rednern müsst ihr euch wahnsinnig in Acht nehmen.»

Auf die Kritik der Strasse ging Christoph Blocher im Stadthofsaal nicht ein. Bild: Dominique Meienberg
Auf die Kritik der Strasse ging Christoph Blocher im Stadthofsaal nicht ein. Bild: Dominique Meienberg

Am Ende erhoben sich die Leute, um der Soldaten zu gedenken, die 1918 an der Spanischen Grippe gestorben waren. Dass nach dem Landesstreik die AHV eingeführt und die Rechte der Arbeitnehmer stark verbessert worden waren, erwähnte Blocher nur am Rand.

Zum Schluss übte er heftige Kritik an der von «Linksintellektuellen» gestalteten Landesstreik-Ausstellung im Landesmuseum. Als Blocher das letzte Wort gesagt hatte, waren die Demonstranten bereits weg. Meldungen über Verletzte oder Sachbeschädigungen lagen keine vor.

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