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Bonstetten: Was die «Forensikexpertin» über Gustav G. sagt

Erstmals legt die Gemeinde Bonstetten dar, was sie im Fall des getöteten Florian alles unternommen hat. Am Tag der Tat hat sie vom Vater noch Post erhalten.

Trauer um das getötete Kind: Die Mutter von Fabio bei der Beerdigung.
Trauer um das getötete Kind: Die Mutter von Fabio bei der Beerdigung.
Markus Heinzer, Newspictures

Am Abend des 26. Februar hat der 60-jährige G. aus Bonstetten seinen Sohn in einem Hotelzimmer in Winterthur getötet und sich selbst umzubringen versucht. Florian wäre tags darauf fünf Jahre alt geworden. Was genau die Tat ausgelöst hat, ist weiter unklar. «Es war keine neue Situation eingetreten und es stand auch kein spezieller Entscheid zum Sorgerecht an», sagt Thomas Poledna, der Rechtsvertreter der Gemeinde Bonstetten. «Es ist für alle unverständlich, weshalb es passiert ist.»

Die Mutter wirft der Vormundschaftsbehörde vor, am Tod des Buben mitschuldig zu sein (TA vom 9. März). Die Behörde habe ihre Befürchtungen zu wenig ernst genommen, ihr Ex-Mann könnte wieder gleich handeln wie vor 20 Jahren. Damals hatte er einen Sohn aus erster Ehe beinahe getötet, nachdem sich seine Frau von ihm getrennt hatte. In ihrem gestern Abend versandten Communiqué nimmt die Gemeinde Bonstetten erstmals detailliert Stellung zu den Vorwürfen.

«Fürsorglicher Vater»

Die Vormundschaftsbehörde habe die Befürchtungen ernst genommen und «rasch verschiedene Abklärungen» unternommen. «So wurde der Vater mit seiner Vergangenheit konfrontiert und gab hierzu bereitwillig und umfassend Auskunft. Die Nachforschungen über seine seitherige Vergangenheit und sein Verhalten ergaben ein positives Bild. Der Vater wurde im Dorf als fürsorglicher Vater wahrgenommen. Im seinerzeitigen Strafurteil wurde eine Rückfallgefahr ausgeschlossen, dies aufgrund einer sehr umfassenden gerichtspsychiatrischen Analyse. Zum selben Befund kamen zwei von der Vormundschaftsbehörde in Auftrag gegebene psychologische Begutachtungen.» Dabei handelt es sich laut Poledna einerseits um ein Gutachten des Marie-Meierhofer-Instituts zu den Bedürfnissen des Kindes und anderseits um ein Kurzgutachten einer Psychologin, die der Vater von sich aus aufgesucht hatte. Diese «Forensikexpertin», wie sie im Communiqué genannt wird, habe acht Sitzungen mit ihm abgehalten und die Akten studiert.

Die Gutachten seien aber nicht allein entscheidend gewesen, schreibt die Behörde. Sie selber stellte beim Vater «nie ein Anzeichen dafür fest, dass er gewalttätig werden könnte». Er habe im Verlauf der Auseinandersetzungen um das Kind mehrfach mit Belastungen zu tun gehabt, welche er «mit Ruhe und Anstand erledigte». Der Entscheid, das Kind dem Vater anzuvertrauen, sei vom Bezirksrat gestützt worden, auch die Beiständin habe es so empfohlen.

Der Bub war krank gewesen

Die Vormundschaftsbehörde hatte die Familie intensiv betreut. Für sie war es ein «besonders schwieriger Fall». Die Eltern hatten sich vor gut zwei Jahren getrennt und stritten um das Sorgerecht. «Die beiden nahmen über weite Strecken unversöhnliche Positionen ein», schreibt die Gemeinde. «Keiner der beiden Elternteile erschien als die ideale Wahl.» In zahlreichen Sitzungen seien Lösungen gesucht und Angebote unterbreitet worden, die jedoch meistens scheiterten. Viele Entscheidungen der Behörde seien rechtlich angefochten worden. Vater wie Mutter hatten sich Anwälte genommen, die Mutter im Verlaufe der Zeit «nicht weniger als vier, was eine Konsenssuche zusätzlich erschwerte».

Florian war seit gut einem Jahr in der Obhut des Vaters, nachdem er zuvor bei einer Pflegefamilie in der Nähe untergebracht war. Diese hatte ihr Mandat wegen Problemen mit den Eltern abgegeben. Zur Zeit der Tat hätte der Bub eigentlich bei seiner Mutter in den Ferien weilen sollen, sagt Thomas Poledna. Doch weil er krank geworden sei, blieb er beim Vater. Laut Poledna hatte der Vater der Behörde bei Ferienbeginn gesagt, die Mutter drohe damit, den Buben in ihr Heimatland Brasilien zu bringen. Das sei eine Stresssituation für den Vater gewesen, aber keine neue: Schon früher habe die Mutter mit der Entführung des Kindes gedroht. Es habe nichts darauf hingedeutet, dass der Mann diesmal nicht damit umgehen könne. Noch am Morgen des 26. Februar habe er der Vormundschaftsbehörde ein Mail geschickt, in dem er zirka ein halbes Dutzend Anträge formuliert habe, wie betreffend Ferienregelung weiter vorzugehen sei. «Das waren konstruktive Anträge und nicht solche eines Querulanten», so Poledna. Für den 2. März sei eine Sitzung terminiert gewesen.

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