Bosnischer FCZ-Schläger darf hierbleiben

Das Migrationsamt entzog ihm die Niederlassungsbewilligung. Das Verwaltungsgericht stösst den Entscheid nun um.

Wegen einer Schlägerei im März 2016 beim Bahnhof Enge musste der Bosnier vor Gericht.

Wegen einer Schlägerei im März 2016 beim Bahnhof Enge musste der Bosnier vor Gericht. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Prozess gegen den FCZ-Hooligan war im November 2016 in den Medien breit abgehandelt worden. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte damals einen 20-jährigen Bosnier wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten; 10 Monate musste er absitzen.

Der junge Mann, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, geriet im März 2016 beim Bahnhof Enge zusammen mit drei Kollegen in eine wilde Schlägerei. Die gegnerische Gruppe bestand aus drei Männern und einer Frau.

Opfer aus Zufall nicht schwer verletzt

Das gewalttätige Aufeinandertreffen endete damit, dass der Bosnier einem auf dem Boden liegenden jungen Mann etwa fünfmal mit dem Fuss auf den Kopf trat – mit voller Wucht. Es war reiner Zufall, dass das Opfer nicht schwer verletzt wurde, sondern lediglich Prellungen und einen Schneidezahnbruch erlitt.

Es war nicht die einzige Tat, welche sich der FCZ-Schläger hatte zuschulden kommen lassen. Bereits früher hatte er an Fussballspielen Leuchtsignalfackeln in Richtung Spielfeld geworfen. An einem Match in Basel riss er zudem Sitzschalen aus der Halterung und warf sie auf Basler Fans.

Vor allem wegen der versuchten schweren Körperverletzung widerrief das Migrationsamt des Kantons Zürich Mitte 2017 die Niederlassungsbewilligung des Bosniers. Es setzte eine Ausreisefrist bis Ende September fest.

Der junge Mann wandte sich ans Verwaltungsgericht und bekam recht, wie aus einem eben publizierten Urteil hervorgeht.

Seit dem 1. Oktober 2016 gilt – im Zusammenhang mit der Ausschaffungsinitiative – verschärftes Recht, was die Landesverweisung angeht. Weil die Tat aber bereits im März stattgefunden hat, wäre ein Landesverweis aufgrund des neuen Rechts unzulässig. Zuständig ist demnach die Migrationsbehörde.

Biografische Kehrtwende vollzogen

Aus Sicht des Verwaltungsgerichts ist der Widerruf der Niederlassungsbewilligung aber unverhältnismässig. Man müsse dem jugendlichen Alter des Beschwerdeführers Rechnung tragen. Zudem sei er in der Schweiz sozialisiert worden.

Die Tat trage «episodenhaften Charakter», schreibt das Gericht in seinem Urteil. Und der junge Mann habe inzwischen eine «biografische Kehrtwende vollzogen».

Er habe sich von seinem Umfeld in der gewaltbereiten Fussballszene distanziert und seinen Alkoholkonsum reduziert. Ausserdem habe er an Lernprogrammen zur Gewaltprävention und zum Umgang mit Gewalt, Drogen und Alkohol teilgenommen. Im Strafvollzug schliesslich habe sich der Mann korrekt verhalten und positiv entwickelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Video: Gewaltszenen unter Fussball-Hooligans vom März 2018

Im vergangenen Frühling veröffentlichte die Stadtpolizei ein Fangewalt-Video.


Erstellt: 13.09.2018, 08:14 Uhr

Artikel zum Thema

Polizei nimmt gewalttätige FCZ- und GC-Fans fest

Bei einer Schlägerei aufgrund von Fan-Rivalität in Winterthur wurden mehrere Personen verletzt. Auch ein 14-jähriger Nicht-Fan wurde von den Tätern verprügelt. Mehr...

Gewalt gegen YB-Fans: GC-Hooligan muss Geldstrafe bezahlen

GC-Fans ­griffen vor einem Cupmatch YB-Fans beim Stade de Suisse an. Nun hat das ­Gericht einen der Zürcher verurteilt. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Blogs

Mamablog Was Neu-Eltern nie mehr hören wollen
Sweet Home Breiten Sie sich ungeniert aus

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...