Botschafter intervenieren wegen Lohndumping-Plakat

Polen, Bulgarien und Rumänien werfen dem Arbeitgeber-Komitee gegen Lohndumping Fremdenfeindlichkeit vor.

«Fremdenfeindliche Klischees»: Botschafter von drei Ländern stören sich an der Abstimmungswerbung.

«Fremdenfeindliche Klischees»: Botschafter von drei Ländern stören sich an der Abstimmungswerbung. Bild: PD

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«Bulgarische Löhne gehören nach Sofia. Polnische Löhne gehören nach Warschau. Rumänische Löhne gehören nach Bukarest.» Mit diesen Sprüchen wirbt das Arbeitgeber-Komitee «Stopp Lohndumping» für die kantonale Volksini­tiative, die am 28. Februar zur Abstimmung kommt. Dem Arbeitgeber-Komitee gehören weit über 100 Gewerbe­betriebe an, darunter viele Gipser und Maler. Der kantonale Gewerbeverband dagegen bekämpft die Initiative.

Fremdenfeindliche Klischees

Das Arbeitgeber-Komitee erhält jetzt überraschend Post aus Bern: Meglena Plugtschieva, Botschafterin der Republik Bulgarien, Jaromir Sokolowski, Botschafter der Republik Polen, und Anca Elena Opris, Botschafterin von Rumänien, fühlen sich betroffen: Mit Ton und Wortwahl dieser Slogans nehme das Komitee billigend in Kauf, dass Animositäten und fremdenfeindliche Klischees verursacht werden, die auch völlig unbeteiligte Menschen betroffen machen und stigmatisieren. «So verlässt Ihre Kampagne die sachliche Ebene und droht in der Öffentlichkeitswahrnehmung fremdenfeindliche Ressentiments zu provozieren.»

Die zwei Botschafterinnen und der Botschafter fordern das Komitee auf, diese Flyers und Plakate zurückzuziehen. Als fremdenfeindlich empfinden sie, dass nur gerade ihre Länder in ein schlechtes Licht gestellt würden, wo doch die Löhne auch in vielen anderen Ländern tief seien. Sie fühlen sich an die Negativmeldungen vor der Abstimmung über die Masseinwanderungsinitiative erinnert.

Hinweis auf erhebliche Lohndifferenzen

Der Brief geht an die meisten Gewerkschaften und linken Parteien und auch an Bundesrat Didier Burkhalter. Martin Brägger, Komiteemitglied und Geschäftsführer der Holz-Montage-Genossenschaft Homoz in Regensdorf, kann mit dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit gar nichts anfangen: Die Slogans würden sich doch nicht gegen Menschen richten, sondern einzig auf die erheblichen Lohndifferenzen hinweisen. Auch die Gewerkschaft Unia, die diese Slogans allerdings nicht verwendet, sieht darin kein Problem: Sie seien nichts anderes als eine Beschreibung der Realität.

Erstellt: 10.02.2016, 10:11 Uhr

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