Buben brauchen keine Kompensation

Weniger Buben machen die Gymnasial-Matur – das muss kein Nachteil sein.

Heute braucht man keinen Gymi-Abschluss mehr, um zu studieren: Schüler verlassen den Unterricht. <nobr>Foto: Keystone</nobr>

Heute braucht man keinen Gymi-Abschluss mehr, um zu studieren: Schüler verlassen den Unterricht. Foto: Keystone

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Weil sein Sohn eine Klasse wiederholen muss, ist ein Vater und Rechtsanwalt bei der Zürcher Bildungsdirektion vorstellig geworden, berichtete die «NZZ am Sonntag». In seinem Brief kritisiert der Vater zuerst die Prüfung, dann holt er zum bildungskritischen Rundumschlag aus.

Buben würden an den Gymnasien diskriminiert, denn dort würden Tugenden wie Fleiss und Anpassungsfähigkeit zu hoch bewertet. In diesem Alter sei das ein Vorteil für die angepassten Mädchen, die genetische und hormonelle Entwicklung benachteilige die Knaben. Deshalb fordert der Vater für sie einen Nachteilsausgleich.

 Gewisse Eltern glauben immer noch, dieser Abschluss sei der einzige Weg für ihren Götterknaben.

Seine These belegt er mit der gymnasialen Maturitätsquote: 1990 lagen die Geschlechter schweizweit mit je 13 Prozent Maturanden gleichauf, 2016 gab es 43 Prozent Maturandinnen und nur 33 Prozent Maturanden.

Doch taugen diese Zahlen als Argument? Der Verweis auf die Maturitätsquote lässt ausser Acht, dass man heute keinen Gymi-Abschluss mehr braucht, um zu studieren. Beim Modell Lehre plus Berufsmatur gibt es Vorteile, etwa Lohn und Berufserfahrung. Bei den Abschlüssen sind hier jedenfalls die praktisch orientierten Buben in der Mehrzahl.

Vielleicht liegt der Fehler also weniger darin, dass Knaben im Gymi benachteiligt werden, als dass gewisse Eltern immer noch glauben, dieser Abschluss sei der einzige Weg für ihren Götterknaben.

Erstellt: 03.09.2019, 06:52 Uhr

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