Bundesgericht entscheidet über ein Bordell beim Opernhaus

Im Seefeld ist der grösste Sexclub der Zürcher Innenstadt geplant – mit dem Segen von Stadt und Gerichten. Doch die Nachbarn geben nicht auf.

In den Büroliegenschaften im hinteren Teil der Hufgasse soll das 750-Quadratmeter-Bordell entstehen.

In den Büroliegenschaften im hinteren Teil der Hufgasse soll das 750-Quadratmeter-Bordell entstehen. Bild: Google Streetview

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Im obersten Stock eines Bürogebäudes an der Hufgasse 10, nahe des Opernhauses, ist ein Etablissement der Luxusklasse geplant – mit über 750 Quadratmetern das grösste Bordell der Zürcher City. Das passt mehreren Liegenschaftsbesitzern und einem Mieter am geplanten Standort gar nicht. Sie fechten ein Urteil des Verwaltungsgerichtes an, das die Umnutzung der heutigen Bürofläche zum exklusiven «Blue Velvet» gutgeheissen hat, wie die NZZ schreibt.

Die Rekurrenten befürchten, dass Bordellgäste Lärm machen und Quartierbewohner belästigen, was zu einem «Gefühl des Unbehagens» führe, und damit zur Abwertung ihrer Liegenschaften. Das Verwaltungsgericht hielt jedoch fest, dass sich in der Nähe mehrere Restaurants und Bars befänden, die regelmässig bis spät in die Nacht geöffnet hätten. Eines bis 2 Uhr unter der Woche und gar bis 4 Uhr früh am Wochenende. Zudem lege die Kundschaft eines Bordells, das sich als «Wellness-Resort der gehobenen Klasse» positioniere, Wert auf Diskretion.

Bordellbetreiber zuversichtlich

Die Gegner des Bordells argumentieren mit dem Wohnanteil in der Umgebung. Dieser liege effektiv bei über 50 Prozent, was die Umnutzung der Büroflächen verunmögliche. Die Bausektion des Stadtrats und dann das Baurekurs- und folgend das Verwaltungsgericht stellten sich auf den Standpunkt, dass der Wohnanteil in der betroffenen Zone 0 Prozent betrage und damit sexgewerbliche Salons nach der Bau- und Zonenordnung zulässig seien. Auch die übrigen Beschwerdepunkte lehnte das Verwaltungsgericht ab.

Der Bordellbetreiber, der momentan noch einen anderen Sexklub in Zürich führt, lässt sich vom Rekurs nicht beirren. Dieser könne den Start zwar hinauszögern, aber er zweifele nicht daran, dereinst eröffnen zu können, sagt er der NZZ. Das Bundesgericht hat nun zunächst zu entscheiden, ob der Rekurs überhaupt eine aufschiebende Wirkung für den Bauentscheid hat. Erst dann wird es sich mit dem Inhalt des Baugesuchs beschäftigen. (lop)

Erstellt: 23.06.2016, 09:11 Uhr

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