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Bundesrat setzt auf umstrittene Südstarts

Am Flughafen Zürich soll künftig sowohl bei Nebel als auch bei Bise in Richtung Süden gestartet werden: Der Bundesrat erlaubt das definitiv.

Je nach Wetterlage dürfen sie künftig Richtung Stadt Zürich abheben: Flugzeug am Flughafen in Kloten. Bild: Urs Jaudas
Je nach Wetterlage dürfen sie künftig Richtung Stadt Zürich abheben: Flugzeug am Flughafen in Kloten. Bild: Urs Jaudas

Die grösste Herausforderung für den Flugbetrieb in Kloten ist heute laut Bundesrat der Betrieb bei Bise oder Nebel. «Wird bei solchen Wetterlagen mit Südabflügen geradeaus gestartet, kann die Sicherheitsmarge deutlich verbessert werden», heisst es in einer Mitteilung von heute Mittwoch. Der Bundesrat hat deshalb den entsprechend angepassten Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) genehmigt. Die Zürcher Regierung hatte vergeblich gefordert, weniger dieser neuen Südstarts geradeaus zuzulassen.

Im angepassten SIL sind auch die Verlängerungen zweier Pisten aufgenommen worden, die seit langem angedacht sind. Dank der Verlängerung der Ostlandpiste 28 um 400 auf 2900 Meter sollen dereinst sämtliche Flugzeugtypen auch bei schlechteren Bedingungen aufsetzen können. Heute müssen Langstreckenflugzeuge etwa bei Nässe auf den Südanflug ausweichen. Das Umstellen zwischen den verschiedenen Anflugrouten erhöht die Komplexität des Betriebes.

Es dauert, bis die Südstarts kommen

Die im SIL neu vorgesehenen Massnahmen tragen gemäss Bundesrat insbesondere dazu bei, die Sicherheitsreserven zu erhöhen. Es liessen sich zudem gewisse Kapazitätseinbussen kompensieren, welche in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen eingetreten sind. Gestützt auf das heute bewilligte SIL-Objektblatt kann die Flughafen Zürich AG nun ein entsprechendes Betriebselement ausarbeiten und beim Bund zur Genehmigung vorlegen.

Bis die Südstarts geradeaus kommen, dürfte es noch einige Zeit gehen: «Erfahrungsgemäss ist bis zur Einführung des neuen Betriebsreglements mit einem Zeithorizont von mehreren Jahren zu rechnen», schreibt der Bundesrat.

Enttäuschte Betroffene

Schwer enttäuscht gibt sich nach dem Entscheid das Fluglärmforum Süd. «Der Bundesrat fährt mit der Dampfwalze über eine ganze Region und stellt sich damit nicht nur gegen uns, sondern auch gegen den Regierungsrat des Kantons Zürich», wird Lothar Ziörjen, Stadtpräsident von Dübendorf, in einer Mitteilung zitiert. Er ist zudem Präsident des Fluglärmforums Süd, das rund 300’000 Menschen vertritt, die von den Südanflügen betroffen sind. «Offensichtlich hat der Bundesrat keine politische Güterabwägung gemacht», sagt Ziörjen, denn die Chancen für den Flughafen, bei den geplanten Pistenverlängerungen eine Mehrheit des Zürcher Stimmvolks zu gewinnen, seien mit diesem Entscheid stark gesunken.

Auch die Zürcher Grünliberalen kritisieren den Entscheid des Bundesrates. Er sei einseitig zu Lasten der Umwelt und der Zürcher Bevölkerung. «Der Bundesrat ignoriert mit diesem Entscheid seine eigenen Klimaschutzziele», schreiben sie in einer Mitteilung. Er wolle dem subventionierten Flugverkehr ein ungebremstes Wachstum in Zürich ermöglichen, zu Lasten der lärmgeplagten Bevölkerung Zürichs und der Umwelt.

«Beschiss wie gehabt»

In die gleiche Kerbe schlagen die Grünen: «Einmal mehr zeigt sich das gleiche Bild: der Luftverkehr hat Priorität, der kantonale Richtplan und die Bevölkerung hat sich dem anzupassen», schreibt die Partei in einer Mitteilung. «Einmal mehr Beschiss wie gehabt.»

Auch die Region Ost, ein Zusammenschluss der Exekutiven von 77 Gemeinden im Osten des Flughafens Zürich, äussert in einer Medienmitteilung Vorbehalte. Sie bergrüsst zwar die Südstarts, um Verspätungen abzubauen, kritisiert aber die Pistenverlängerungen. Sie nimmt dem Bundesrat nicht ab, dass sie aus Sicherheitsgründen verlängert werden sollen, sondern befürchtet, dass damit «die Voraussetzungen für einen ungesteuerten Kapazitätsausbau geschaffen werden».

SDA/hub

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