Sturmböe dreht Flugzeug um 90 Grad

Am Flughafen Zürich hat sich am Mittwochmorgen eine stehende Helvetic-Maschine ungewollt in Bewegung gesetzt. Gleichzeitig sind Gepäckwagen ins Flugzeug geprallt. Grund war Burglind.

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Ausserordentlich war der Sturm namens Burglind. Noch ausserordentlicher war ein Vorfall an diesem Mittwochmorgen auf dem Flughafen Zürich. Kurz nach 10 Uhr, als die ersten richtig starken Böen über Kloten fegten, hat ein kräftiger Windstoss eine Fokker 100 der Helvetic Airways erfasst. Die Maschine befand sich auf dem offenen Standplatz «India 01» zwischen dem Dock A und der Piste 28.

Die Wucht des Sturms hat die Maschine, die mit der Nase nach Norden ausgerichtet war, um etwa 90 Grad gedreht, so dass die Flugzeugnase danach nach Westen zeigte, wie Flughafensprecher Philipp Bircher bestätigt. Von der Böe erfasst wurde vor allem die Heckflosse.

Doch damit nicht genug: Zum gleichen Zeitpunkt haben sich ebenfalls durch die Kraft des Windes zwei Gepäckwagen gelöst und sind in den Rumpf der Maschine gedonnert. «Es gab einen Sachschaden am Flugzeug, die Höhe ist aber noch unbekannt», wie Bircher sagt.

Flughafen untersucht intern

Wie diese unglaubliche Verkettung von Vorfällen in unmittelbarer Nähe einer Flughafenpiste geschehen konnte, wird nun intern vom Safety Office des Flughafens abgeklärt.

Zu diesem Zeitpunkt startete eine Maschine nach der anderen teils unter prekären Bedingungen nach Westen. Das Wetter und die Sicht waren alles andere als optimal. Nicht gemeldet wird der Vorfall der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), weil keine in Betrieb stehende Maschinen involviert war. «Es bestand keine unmittelbare Gefahr für den Flugverkehr, und es handelte sich nicht um einen meldepflichtigen und für die Flugbetriebssicherheit relevanten Vorfall», sagt Bircher.

Sust-Leiter Daniel Knecht bestätigt die Aussage: «Ein schwerer Vorfall liegt dann vor, wenn eine hohe Unfallwahrscheinlichkeit bestand», sagt er. «Nur Unfälle und schwere Vorfälle müssen der Sust gemeldet werden.»

Niemand wurde verletzt

Die Fokker 100 ist eine zweistrahlige Maschine mit einer Länge von 35 Metern und einem Gewicht von maximal 44 Tonnen. Sie kann bis zu 122 Passagiere transportieren. Die Destination war Venedig gewesen, die Unfallmaschine flog an diesem Tag aber nicht mehr. Der Italien-Flug wurde am Abend mit einer anderen Maschine abgewickelt.

Zum Zeitpunkt des Drehers war niemand an Bord. Auch auf dem Standplatz befand sich zum fraglichen Zeitpunkt niemand, hält Flughafensprecher Bircher fest. Es gab keine Verletzte.

Zehn Trolley-Vorfälle in sechs Jahren

Der Flugzeug-Dreher ist ein äusserst seltener Vorfall. Gepäckwagen-Rallys auf dem Flughafengelände sind nicht so selten. Der Vorfall vom Mittwoch war der zehnte bekannte seit dem Jahr 2012. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat in einem Bericht zu einem «schweren Vorfall» im Februar 2016 acht Fälle aufgelistet. Im März 2017 kam es gemäss «Sonntags-Zeitung» erneut zu herumirrenden Gepäckwagen, worauf ein Swiss-Airbus A320 seine Fahrt auf dem Rollweg stoppen musste.

Der spektakulärste Fall war sicherlich jener vom 9. Februar 2016. Eine Kolonne von sieben Gepäckwagen rollte unkontrolliert über die Landepiste 28. Nur zwei Minuten vorher war dort ein Airbus A320 der Finnair gelandet. Und eine Minute später landete ein Swiss-Jumbolino nur wenige Meter davon entfernt.

Die Sust gab Sicherheitsempfehlungen heraus, die vor allem den Unterhalt und die Kontrolle der Fahrtauglichkeit der 3000 Wägelchen im Visier hatten. Verantwortlich sind die Abfertigungsfirmen. Gemäss Flughafen sind die Sust-Empfehlungen umgesetzt worden. Einmal im Jahr findet zudem eine umfassende Kontrolle statt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.01.2018, 17:33 Uhr

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