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Carlos kommt nach Uitikon

Der jugendliche Straftäter Carlos wird in das Massnahmezentrum Uitikon verlegt. Sein Anwalt hält das für «pädagogisch nicht nachvollziehbar» und warnt vor den möglichen Folgen.

Carlos auf seinem Bett in der betreuten Wohnung in Reinach. (Screenshot SRF)
Carlos auf seinem Bett in der betreuten Wohnung in Reinach. (Screenshot SRF)
Keystone
Justizdirektor Martin Graf (Grüne) nimmt zum zweiten Mal vor den Medien Stellung zum Fall Carlos. Erstmal äusserte er sich am 6. September (Bild), nachdem er bei der Oberjugendanwaltschaft einen Bericht zum Fall angefordert hatte.
Justizdirektor Martin Graf (Grüne) nimmt zum zweiten Mal vor den Medien Stellung zum Fall Carlos. Erstmal äusserte er sich am 6. September (Bild), nachdem er bei der Oberjugendanwaltschaft einen Bericht zum Fall angefordert hatte.
Sophie Stieger
Boxer mit «All for Brian»-T-Shirt setzt ein Zeichen
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Kostas Maros
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Der junge Straftäter Carlos, dessen teure Sonderbehandlung nach einem Bericht im Schweizer Fernsehen SRF Schlagzeilen machte, wird ins Massnahmenzentrum Uitikon verlegt. Das teilte sein Verteidiger Stephan Bernard am Dienstag mit. Ihren Entscheid begründe die Jugendanwaltschaft mit Sicherheitsüberlegungen. Eine Weiterführung des so genannten Sondersettings lehnte sie ab.

Die Versetzung von Carlos in die geschlossene Einrichtung sei «pädagogisch nicht nachvollziehbar» und stelle « eine massive Verschärfung der Schutzmassnahme dar», schreibt Bernard. Und dies, obwohl sich der Jugendliche im Sondersetting und auch in den letzten Wochen im Gefängnis Limmattal «tadellos» verhalten habe.

«Gravierende Folgen»

Laut dem Verteidiger haben mehrere mit dem Fall sehr vertraute Fachleute die Jugendanwaltschaft eindringlich gewarnt, den jungen Straftäter ins MZU zu versetzen. In diesem Fall sei die ansonsten sehr gute Institution dafür «schlicht nicht geeignet». Bernard warnt, die Folgen seiner allfälligen Versetzung «könnten gravierend sein».

Er schlägt vor, Carlos wie früher bei der bisherigen Institution Riesen-Oggenfuss in Obhut zu geben. Sie hatte eine neue Betreuung zu tieferen Kosten vorgeschlagen. Das lehnte die Jugendanwaltschaft offenbar ab.

Carlos war seit seiner Kindheit immer wieder mit den Behörden in Konflikt gekommen. Die folgenschwerste Tat war eine Messerattacke auf einen anderen Jugendlichen, der schwer verletzt überlebte. In einer SRF-Reportage schilderte der damals zuständige Jugendanwalt den speziellen Fall.

Erfolglos Beschwerde eingelegt

Der Jugendliche war im Laufe der Jahre erfolglos in verschiedensten Institutionen untergebracht worden. Erst eine 1-zu-1-Betreuung rund um die Uhr – ein so genanntes Sondersetting – zeitigte Verhaltensänderungen.

In der Öffentlichkeit stiess diese teure Massnahme allerdings auf Empörung: Für gut 29'000 Franken pro Monat wohnte Carlos mit einer Betreuerin in einer grosszügigen Wohnung und besuchte auf Staatskosten täglich ein Thai-Box-Training.

Am 30. August wurde der junge Mann in Zürich auf offener Strasse festgenommen und vorübergehend ins Gefängnis Limmattal eingewiesen – offiziell zu seinem eigenen Schutz. Dagegen reichte sein Anwalt beim Obergericht erfolglos Beschwerde ein. Die Jugendanwaltschaft entschied am Dienstag, Carlos nach Uitikon zu verlegen. Dagegen wird er sich laut seinem Anwalt vor Gericht wehren. (sda/ep)

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