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Carlos soll in Zürcher Fitness-Center randaliert haben

Der jugendliche Messerstecher habe sich seit November nichts mehr zuschulden kommen lassen, sagen Anwalt, Thaibox-Trainer und Jugendanwaltschaft. Dem widerspricht nun ein Fernsehbericht.

Carlos (vorne), ein 18-jähriger Gewaltstraftäter seit früher Jugend, wird mit Sondermassnahmen unterstützt, die ihn resozialisieren sollen. Darunter fallen eine 4,5-Zimmer-Wohnung und eine Rundumbetreuung durch Sozialarbeiter.
Carlos (vorne), ein 18-jähriger Gewaltstraftäter seit früher Jugend, wird mit Sondermassnahmen unterstützt, die ihn resozialisieren sollen. Darunter fallen eine 4,5-Zimmer-Wohnung und eine Rundumbetreuung durch Sozialarbeiter.
Screenshot SRF
Wurde bereits als 11-Jähriger verhaftet: Carlos (r.) mit seinem Thaibox-Trainer.
Wurde bereits als 11-Jähriger verhaftet: Carlos (r.) mit seinem Thaibox-Trainer.
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Wegen der Entrüstung der Bevölkerung wird der Fall Carlos nun auch Sache der Politik. Regierungsrat Martin Graf (Grüne, Bild) hat einen internen Bericht angefordert und will sich Anfang September zum Fall äussern.
Wegen der Entrüstung der Bevölkerung wird der Fall Carlos nun auch Sache der Politik. Regierungsrat Martin Graf (Grüne, Bild) hat einen internen Bericht angefordert und will sich Anfang September zum Fall äussern.
Nicola Pitaro
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Der jugendliche Messerstecher Carlos habe sich in den letzten Monaten nichts mehr zuschulden kommen lassen, sagen dessen Anwalt, sein Thaibox-Trainer und die Jugendanwaltschaft. Ein Bericht des Fernsehsenders «Tele Züri» bestreitet diese Darstellung nun. Laut zwei nicht namentlich genannten Zeugen sei es im Frühling in einem Fitnesscenter in Zürich-Affoltern zu einem Zwischenfall gekommen.

Die Geschichte spielte sich laut dem Bericht folgendermassen ab: Carlos rastet beim Trainieren plötzlich aus, lässt Hanteln fallen und kickt übermässig aggressiv gegen einen Boxsack. Kunden beschweren sich über ihn beim Leiter des Fitnesscenters, welcher Carlos zurecht weist. Daraufhin stösst Carlos massive Drohungen aus. «Ich bringe dich um», «Ich schlage dich zusammen», «Du kannst mir nichts machen», «Was denkst, du wer du bist», sagte Carlos laut einem Augenzeugen, der im Beitrag anonym gefilmt wird.

Offenbar gelang es dem Leiter danach aber, Carlos aus dem Fitnesscenter zu weisen. Das Fitnesscenter habe den Vorfall nicht kommentieren wollen, heisst es im Bericht.

Richter rechtfertigen sich

Heute Nachmittag hatte sich das Zürcher Bezirksgericht in einer Mitteilung für die Massnahmen rechtfertigt, die für den jugendlichen Straftäter Carlos beschlossen worden waren – und in den vergangenen Tagen für Entrüstung gesorgt hatten. Erst dieses Setting mit begleitetem Wohnen und Thaiboxtraining habe bei ihm Verbesserungen gebracht.

Schon früher seien für den Beschuldigten die verschiedensten Massnahmen angeordnet worden. Dazu gehörten mehrmonatige Gefängnisaufenthalte und mehrere Unterbringungen in geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen, schreiben Rudolf Kieser, Präsident des Zürcher Bezirksgerichts, und Jugendgerichtspräsidentin Kathrin Bretschger in einer Mitteilung von heute Donnerstagnachmittag.

Fortschritte habe man damit aber keine erzielen können. Auch die Rückfallgefahr sei nicht kleiner geworden. Aufgrund dieser Erfahrungen und entsprechenden Fachberichten habe das Gericht davon ausgehen müssen, dass Carlos (Name geändert) in einer geschlossenen Massnahme nicht therapierbar sei.

Erstmals therapeutische Erfolge

Dem Gericht blieb damit die Wahl: Entweder ganz auf freien Fuss setzen oder das heute kritisierte Massnahmenpaket anwenden. Wegen der Rückfallgefahr für neue gravierende Delikte entschied sich das Gericht für das Massnahmenpaket – also begleitetes Wohnen, Training und die Begleitung durch verschiedene Fachpersonen.

Gemäss Angaben des Gerichtes mit Erfolg: Erstmals seien bei Carlos therapeutische Erfolge festgestellt worden. Es sei deshalb angemessen gewesen, diese Massnahme weiterzuführen.

Strafe abgesessen

Carlos wurde im November 2012 wegen schwerer Körperverletzung und Unterlassung der Nothilfe schuldig gesprochen, ein Tötungsversuch war nicht angeklagt worden. Er hatte einen Jugendlichen mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Dazu kamen mehrere frühere Delikte.

Carlos wurde zu 9 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, wobei er diese Monate beim Zeitpunkt des Urteils bereits abgesessen hatte. Der Schweizer Jugendliche wurde verpflichtet, dem niedergestochenen Jugendlichen eine Genugtuung von 20'000 Franken zu zahlen. Er wurde zudem zu einer Schadenersatzzahlung in unbekannter Höhe verpflichtet.

SDA/pu/mw

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