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Christoph Blochers Highrisk-Manöver

Eine neue Parteileitung soll die SVP retten. Sie hat gerade mal sechs Monate Zeit.

Konrad Langhart, Kantonsrat und seit 2016 Präsident der SVP Kanton Zürich, gibt sein Amt nach der Wahlschlappe vom vergangenen Sonntag ab.
Konrad Langhart, Kantonsrat und seit 2016 Präsident der SVP Kanton Zürich, gibt sein Amt nach der Wahlschlappe vom vergangenen Sonntag ab.
Dominique Meienberg
Auch Partei-Vize Gregor Rutz, Nationalrat, gibt seinen Posten frei. Die Zürcher SVP hat 5,6 Prozent Wähleranteile verloren.
Auch Partei-Vize Gregor Rutz, Nationalrat, gibt seinen Posten frei. Die Zürcher SVP hat 5,6 Prozent Wähleranteile verloren.
André Springer
Nationalrat Alfred Heer (rechts), der auch der Wahlkampfleiter war.
Nationalrat Alfred Heer (rechts), der auch der Wahlkampfleiter war.
Reto Oeschger
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Zwar versteht sich die SVP als unbeugsame Garde der Demokratieverteidiger. Im Innern der Partei scheinen allerdings quasimonarchische Sitten zu herrschen. Wenn Übervater Blocher den Daumen senkt, dann ist das Schicksal der Betroffenen besiegelt. So geschehen in der Zürcher Partei­leitung. Nach dem Fiasko bei den Zürcher Kantonsratswahlen müssen der Parteipräsident, die beiden Vizepräsidenten, der Parteisekretär und dessen Vize ihre Posten räumen.

Blocher ist ein Patron alter Schule. In seiner Generation galt die Armee als bevorzugte Führungsschule. Blocher selbst stieg bis zum Oberst auf. Zackig, unzimperlich und autoritär: So hat er die Ems-Chemie geführt. Und so hat er nun in die SVP eingegriffen, die nach wie vor «sein» Reich ist, auch wenn dort inzwischen formell andere das Sagen haben.

Die Wählergunst muss sich eine Partei mit geduldiger, glaubwürdiger Überzeugungsarbeit erkämpfen.

Blochers Analyse, dass es in der Zürcher SVP Sofortmassnahmen brauche, wenn es bei den nationalen Wahlen im Herbst kein Debakel absetzen soll: Diese Analyse ist fraglos richtig. Erstaunlich ist dagegen der Zeitpunkt seiner Intervention: Warum erst jetzt? Dass es in der Partei nicht gut läuft, weiss man spätestens seit den kommunalen Wahlen vor einem Jahr. Der Zeitpunkt ist umso erstaunlicher, als das Manöver mit viel Risiko verbunden ist. Parteien sind keine Unternehmen. Es mag dem Aktienkurs eines schlingernden Konzerns helfen, wenn die Spitze ausgewechselt wird. Die Wählergunst ist hingegen eine kompliziertere Sache. Diese muss sich eine Partei mit geduldiger, glaubwürdiger Überzeugungsarbeit erkämpfen. Die neue Parteileitung hat dazu gerade mal ein halbes Jahr Zeit.

Und wenn Christoph Blocher selber Präsident würde? Möglich, dass er mit seiner Aura das scheinbar Unmögliche schaffen und den Negativtrend kehren könnte. Doch ebenso möglich ist, dass der 78-Jährige die Kraft dazu nicht hätte und das Publikum auf offener Bühne Blochers Entzauberung erleben würde. Das wäre dann die schlechtestmögliche Variante für die SVP.

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