Zum Hauptinhalt springen

«Coop und Migros verkaufen unseren Pak Choi»

Markus Meier baut den asiatischen Kohl im Zürcher Unterland an. Die Pestizidfälle im ausländischen Gemüse verwundern ihn nicht.

Gibt es auch in der Schweiz: Pak-Choi-Feld. Foto: Premium UIG (Getty Images)
Gibt es auch in der Schweiz: Pak-Choi-Feld. Foto: Premium UIG (Getty Images)

Ein Gerichtsfall wirft ein Schlaglicht auf Importgemüse aus Asien. Beim Pak Choi ist die Pestizidbelastung teils sehr hoch. Sie bauen diese Kohlsorte auf Ihrem Hof in Dällikon auch an. Ist das bloss Liebhaberei, oder ist einheimische Ware eine echte Alternative?

Bei Kohlsorten wie Pak Choi oder auch bei Chili wundere ich mich, ehrlich gesagt, dass die überhaupt noch importiert werden aus Ländern wie Thailand oder Vietnam. Dort haben sie ganz andere Normen als wir in der Schweiz.

Aber gibt es bei uns genug Pak Choi?

Ja, bei uns oder wenigstens in Mittel- und Südeuropa, wo die Produktionsbedingungen ebenfalls deutlich zivilisierter sind als im asiatischen Raum.

Sind Sie als Zürcher Anbieter ein Exot?

Gar nicht. Im Kanton Zürich sind wir zwar die einzigen Produzenten von Pak Choi, aber in der Schweiz gibt es noch drei weitere. Es gibt in Zürich auch einen Betrieb, der Chili anbaut.

«Ich behaupte nicht, dass wir gar nie ein Problem haben. Aber wenn, ist es im Vergleich geringfügig.»

Finde ich Ihren Kohl im Laden? Oder ist das ein Nischenprodukt, für das ich nach Dällikon fahren muss?

Überhaupt nicht. Coop und Migros haben unseren Pak Choi in ihr Sortiment aufgenommen.

Wie viel produzieren Sie denn?

Als wir anfingen, waren es nur 500 Kilogramm pro Woche. Jetzt, vier Jahre später, sind es schon über 5 Tonnen.

Weiss man, wie gross der Anteil der inländischen Produktion ist?

Zum Pak Choi gibt es keine genauen Zahlen, weil das ein relativ neues Geschäftsfeld ist. Ich schätze aber, dass im Sommer etwa die Hälfte aus einheimischer Produktion stammt.

Im Sommer? Ich kann also nicht das ganze Jahr über asiatische Gerichte mit Schweizer Zutaten kochen?

Nein, für die Gewächshausproduktion haben wir in der Schweiz zu wenig Licht. Das ist genau wie bei den Tomaten. Da finden Sie im Winter auch keine aus der Region. Aber wenn es heiss ist, wächst bei uns das meiste auch, was es in Asien an Gemüse gibt.

Gilt das für alle Gemüse, oder gibt es Ausnahmen?

Es gibt bestimmte Thaiprodukte, die Sie nicht aus Schweizer Produktion bekommen – oder die viel zu teuer sind. Etwa frischer grüner Pfeffer oder Babymais.

Und Ihr Pak Choi? Der ist doch sicher viel teurer als der Kohl aus dem Ausland.

Nein, unser Pak Choi kostet vielleicht zehn bis zwanzig Prozent mehr als solcher aus Spanien oder Holland. Wie wir im Vergleich mit den Asienimporten dastehen, weiss ich nicht. Aber ich kann mir echt nicht vorstellen, dass das viel günstiger ist, denn Luftfracht ist extrem teuer.

Sind Sie konkurrenzfähig genug, dass Restaurants Ihre Ware kaufen?

Ja, wir verkaufen sogar an mehrere Firmen, die Restaurants beliefern.

Auch jene günstigen Asia-Lokale, die stark auf die Preise achten?

Durchs Band alle, soweit ich das von unseren Kunden höre. Ausser die wirklich spezialisierten Restaurants – aber nicht wegen des Preises. Denen ist der Schweizer Pak Choi zu gross.

Wie steht es mit Pestiziden: Müssen Sie auch Kontrollen machen?

Ja, wir sind verpflichtet dazu und machen zusätzlich eigene Kontrollen.

Und was kommt dabei heraus?

Ich sage nicht, dass wir gar nie ein Problem haben. Aber wenn, dann ist es geringfügig im Vergleich mit dem, was ich in den Berichten über die Tests von Importen aus Asien lese.

Kann ich einheimisches Asiengemüse bedenkenlos essen?

Ich kann Ihnen, wie gesagt, nicht garantieren, dass der Höchstwert gar nie überschritten wird, da würde ich mich zu weit zum Fenster rauslehnen. Aber Sie können davon ausgehen, dass es kein Problem ist.

Warum nicht?

Weil wir sonst den eigenen Ruf beschädigen würden. Zudem gäbe es von den Grossverteilern harte Sanktionen. Migros und Coop wollen keine schlechte Presse. Wenn wir Blödsinn machen würden, müssten wir damit rechnen, von ihrer Liste gestrichen zu werden.

Asiatische Produzenten sind doch auch auf Abnehmer angewiesen.

Ich sage auch nicht, dass die es schlecht machen. Aber es fehlt dort an Kontrollen, Schulung und Wissen. Das ist in Spanien, Holland oder bei uns in der Schweiz ganz anders.

Wie schätzen Sie die Zukunft der einheimischen Produktion von Asiengemüse ein?

Ich bin zuversichtlich. Die asiatische ­Küche wächst, gleichzeitig hat sich der Anteil ausländischer Produkte reduziert. Es gibt keinen Grund, warum sich das ändern sollte.

Haben Sie konkrete Pläne, Ihr Sortiment auszuweiten?

Entschuldigung, das will ich der Konkurrenz jetzt nicht in der Zeitung auf die Nase binden. Aber klar: Wir sind immer an Neuem interessiert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch