Cyberangriff legt Zürcher Firma lahm

Attacken auf IT-Systeme nehmen zu. Nun hat es die Firma Meier Tobler aus Schwerzenbach erwischt.

Verwaltungsratspräsident Silvan G.-R. Meier spricht an einer Medienkonferenz von Meier Tobler. (Foto: Keystone/Alexandra Wey)

Verwaltungsratspräsident Silvan G.-R. Meier spricht an einer Medienkonferenz von Meier Tobler. (Foto: Keystone/Alexandra Wey)

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Beim Schweizer Gebäudetechnik-Unternehmen Meier Tobler geht seit Mittwoch nichts mehr. Cyberkriminelle hatten in der Nacht die gesamte IT-Infrastruktur lahmgelegt. Dies berichtete gestern die TV-Sendung «SRF Börse». Auf ihrer Website wies Meier Tobler Kunden auf den Ausfall hin. Betroffen seien neben der Festnetz-Telefonie und allen E-Mail-Adressen auch das zentrale SAP-System sowie das Lagerleitsystem.

Die Firma informiert die Besucher ihrer Website über die Cyberattacke. Screenshot: meiertobler.ch

Woher der Angriff kam und ob Daten gestohlen worden sind, war gestern Abend noch nicht bekannt. «Dies ist Gegenstand von laufenden Ermittlungen», sagte der Pressesprecher von Meier Tobler, Martin Schäppi. Forensische IT-Spezialisten sicherten Spuren und werten diese nun aus. Auch zum Motiv der Täter konnte Schäppi nichts sagen. In der Regel werden solche Cyberangriffe durchgeführt, um Lösegeld zu erpressen. Der Bund rät jedoch davon ab, diesen Forderungen nachzukommen, da so Kriminelle unterstützt würden. Er warnte im Mai vor Cyberangriffen, die sich in diesem Jahr gehäuft hätten. Betroffen waren sowohl kleine und mittlere Unternehmen als auch grosse Firmen.

Mensch als Schwachstelle

Auf diesen Angriff war Meier Tobler nicht gänzlich unvorbereitet. Das Unternehmen leitete sogleich einen Notfallplan ein. Dieser greife, sagt Schäppi. Wie wichtig solche Notfallpläne sind, betont auch Ivano Somaini, Regionalmanager Zürich bei Compass Security. Jede Firma müsse individuell auf einen entsprechenden Angriff reagieren. «Je nachdem, ob die Vertraulichkeit der Daten oder die Verfügbarkeit der Dienstleistung wichtiger ist, muss man andere Massnahmen treffen», sagt Somaini. Die grösste Schwachstelle sei meist der Mensch – Mitarbeiter, die ein Phishing-E-Mail nicht als solches erkennen und dann auf einen Link klicken oder einen Anhang öffnen, die den Kriminellen Zugang ins System verschaffen.

Angestellte arbeiten weiter

Meier Tobler ist ein Händler und Serviceanbieter von Gebäudetechnik (Heizen, Kühlen, Lüften, Sanitär). Das Unternehmen ging 2017 aus der Fusion von Walter Meier und Tobler Haustechnik hervor. Im vergangenen Jahr verlegte es seinen Sitz nach Nebikon LU. Zuvor befand sich der Hauptsitz in Schwerzenbach, wo Meier Tobler noch eine Zweigniederlassung betreibt. Nach wie vor befindet sich hier der grösste Teil der Verwaltung.

Vom Cyberangriff betroffen waren alle Standorte. Das Unternehmen erzielte 2018 einen Umsatz von rund 520 Millionen Franken und beschäftigt heute 1300 Angestellte. Die meisten arbeiteten gestern unter erschwerten Bedingungen weiter.

Am Montag werde man die 46 Marchés in der ganzen Schweiz wieder beliefern können, sagte Schäppi. Mit Direktlieferungen an die Kunden rechnet Meier Tobler am Dienstag wieder.

Erstellt: 26.07.2019, 21:38 Uhr

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