«Da scheint die Gefahr unnötiger Eingriffe doppelt gross»

Zürcher Coiffeure vermitteln Schönheits-OPs. Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger nimmt den Ärzteverband in die Pflicht.

Der Verband ist nun gefordert: FDP-Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger.

Der Verband ist nun gefordert: FDP-Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger. Bild: Urs Jaudas

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Manche Coiffeure erhalten von Schönheitschirurgen und Schönheitskliniken Provisionen, wenn sie ihre Kundinnen an diese vermitteln. Ist das illegal?
Nein, es gibt kein Gesetz, das es verbietet, Provisionen zu zahlen. Der Arzt darf dem Coiffeur etwas zahlen, und dieser darf es entgegennehmen. Aber der Arzt selbst darf keine Provision für sich nehmen. Wenn er Vorteile bekommt, muss er diese weitergeben an die Patienten oder die Versicherung.

Dass einige Ärzte und Schönheitskliniken Provisionen zahlen, ist also aus Sicht der Behörden nicht zu beanstanden?
Ja, in diesem Fall ist das so. Doch die Standesregeln der Ärztevereinigung FMH verbieten es! Nicht nur das Entgegennehmen, sondern auch das Versprechen von Vorteilen ist den Ärzten laut FMH verboten. Also sind die Standesorganisationen gefordert.

Der Präsident der Fachgesellschaft für plastisch-rekonstruktive und ästhetische Chirurgie forderte im TA mehr Kontrollen durch die Behörden. Sie spielen nun den Ball zurück. Was müsste die Ärzteschaft konkret tun?
Jetzt, da es öffentlich bekannt ist, dass Ärztinnen und Ärzte Vorteile versprechen, muss die FMH vorstellig werden, den Sachverhalt abklären und allenfalls die nötigen Schritte einleiten. Für den Staat sehe ich keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.

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Und mittelbar?
Wir machen etwas unter dem Titel Gesundheitsförderung und Prävention. Gerade kürzlich haben wir eine Veranstaltung durchgeführt mit einem Podium zum Thema «Schönheitsoperationen – ein problematischer Trend?».

Wie gross war das Interesse?
Es kamen über 200 Personen. Ich finde Prävention wichtig und setze mich dafür ein. Diese Trends muss man thematisieren.

Gibt es in Zürich ein Überangebot an Schönheitschirurgen und Schönheitskliniken?
Die Ärzte brauchen von uns zwar eine Berufsausübungsbewilligung; welche und wie viele Eingriffe sie vornehmen, wissen wir im Detail nicht. Denn sie rechnen nicht über uns ab, der Staat zahlt da nichts mit.

In der Schönheitsmedizin mischen Ärztinnen und Ärzte der verschiedensten Fachgebiete mit. Ist das überhaupt erlaubt?
Wenn jemand die Zulassung als Arzt hat, darf er die Eingriffe machen. Grundsätzlich ist es Aufgabe der Patienten, sich zu informieren, bei wem sie sich unters Messer begeben. Ein Arzt ohne Facharzttitel für plastische Chirurgie bietet sicher weniger Garantie für eine hochstehende Behandlung als einer mit diesem Titel. In der Schönheitsmedizin geht es um Luxusgüter, nicht um Heilen. Da scheint mir die Gefahr unnötiger Eingriffe doppelt gross zu sein. Deshalb ist auch die Aufklärung durch den Arzt doppelt gefordert. Seine Verantwortung, unnötige von hilfreichen Eingriffen zu trennen, ist doppelt gross. Er muss auch über die Risiken aufklären, die jede Operation und jede Spritze birgt. Das erwarte ich von jedem Arzt und jeder Ärztin. Das darf nicht übersteuert werden von ökonomischen Überlegungen.

Erstellt: 18.07.2017, 14:19 Uhr

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