Diese Offroader fahren die Zürcher

114'000 SUVs gibt es im Kanton. Unsere Auswertung zeigt: An der Goldküste zahlen die Leute doppelt so viel für ihre Karosse wie im Oberland.

Weit über 100'000 Geländewagen sind allein im Kanton Zürich angemeldet. Foto: Keystone

Weit über 100'000 Geländewagen sind allein im Kanton Zürich angemeldet. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seestrasse Herrliberg, kurz nach 18 Uhr. Um diese Zeit geht man hier nicht zu Fuss, man fährt. Die meisten Lenker sitzen alleine im Auto, viele in einem grossen: BMW X3, Hummer, Jeep Cherokee. Jedes fünfte Fahrzeug ist ein sogenanntes SUV, ein «Sport ­Utility Vehicle».

Die hohe Dichte an Geländewagen falle auch ihm täglich auf, sagt Gemeindeschreiber Pius ­Rüdisüli. Morgens bildeten sich regelrechte Schlangen vor den Schulen. Herrliberg liege zwar am Hang – doch für diesen brauche es eigentlich keine solchen Offroader. «Das sind Statussymbole», sagt Rüdisüli.

Statussymbole, die in Goldküstengemeinden besonders beliebt sind. In Herrliberg sind im kantonalen Vergleich pro Einwohner am meisten SUV und Geländewagen der Luxusklasse gemeldet. Auch in Erlenbach, Küsnacht, Zollikon und Meilen sind sie häufig. Das zeigt eine Auswertung von Daten des Bundesamts für Strassen.

Speziell populär ist die Marke BMW. Der mindestens 80'000 Franken teure X5 führt die Rangliste in Herrliberg an, gefolgt von X3 und X1. Diese Modelle würden am stärksten nachgefragt, bestätigt ein Mitarbeiter von Auto Graf in Meilen, dem bekanntesten BMW-Händler in der Region. «Unsere Kunden fragen explizit danach», sagt er.

In der Gegend könnten sich viele diese Autos leisten. «Für sie ist der Verbrauch oft sekundär», sagt der Verkäufer. Er hebt aber auch das Sicherheitsgefühl und den Stauraum als Kaufgrund hervor. Und das etwas kleinere Modell X1 sei bei älteren Menschen beliebt, weil sie leichter einsteigen könnten und aus erhöhter Position eine gute Übersicht hätten.

Beliebt sind Geländewagen aber nicht nur in Herrliberg. Insgesamt sind im Kanton 114'000 Fahrzeuge dieses Typs angemeldet, was rund 16 Prozent aller Autos ausmacht. Schaut man nicht nur die luxuriösen Modelle an, liegt die Unterländer Gemeinde Bachs an der Spitze: Auf 580 Einwohner kommen 83 Stück.

Gemeindepräsident Emanuel Hunziker hat dafür eine Erklärung: «Die Häuser liegen in Bachs im Tal, rundherum ist Hang», sagt er. Auch gebe es zahlreiche Bauernhöfe in der Gegend. Hier zeigt sich auch: Offroader ist nicht gleich Offroader. In Bachs dominiert kein BMW, sondern ein mit 38'000 Franken günstigeres Auto: der Subaru Forester. Geländewagen, das seien hier in erster Linie Nutzfahrzeuge, sagt Hunziker. «Einen Porsche Cayenne habe ich in Bachs jedenfalls noch nie gesehen.»

Auch in der Oberländer Gemeinde Fischenthal ist die Geländewagendichte hoch. Auf 2500 Einwohnerinnen und Einwohner kommen 353 SUV. Und auch hier stünden sie für Zweckmässigkeit statt für Lifestyle, sagt Gemeindepräsidentin Barbara Dillier. «Man sieht es vielen dieser Autos hier an, dass sie das Gelände schon gesehen haben.»

Und dieses sei häufig unwegsam und bergig. Mit dem Schnebelhorn liegt die höchste Erhebung des Kantons auf Gemeindegebiet. Und gerade in höheren Lagen seien einige Strassen nicht asphaltiert. Damit die zahlreichen Landwirte, Handwerker, Jäger und Forstwarte sich in jedem Terrain und bei jedem ­Wetter fortbewegen könnten, brauchten sie stabile, leistungsfähige Autos mit Vierradantrieb, sagt Dillier. Aber auch die Menschen, die in Aussenwachten lebten, seien auf geländegängige Fahrzeuge angewiesen. Oft ­seien es aber auch nicht mehr die neuesten Modelle.

Das bestätigt Patric Güntensperger, Mitinhaber der Oberhofgarage in Fischenthal und einziger offizieller Subaru-Händler im Gebiet. Der Verkauf an Neu­wagen sei überschaubar. Trotzdem leuchtet ihm ein, dass der Subaru Forester dominiere: «Ein währschaftes Auto», sagt er.

Erstellt: 03.12.2019, 22:46 Uhr

Artikel zum Thema

Wo es in der Schweiz am meisten SUV gibt

850'000 Geländewagen zählt das Land. Unsere Auswertung zeigt, in welchen Gemeinden die SUV-Dichte am grössten ist. Finden Sie auch Ihren Ort! Mehr...

SUV-Debatte: «Sie wollen uns die Freiheit nehmen»

Interview Wieso brennen in Deutschland Luxuswagen? Wird der Fetisch Auto zum Hassobjekt? Dazu Automagazin-Chefin Birgit Priemer. Mehr...

Sollten SUVs verboten werden?

Pro & Kontra Die Leitung des Ressorts Kultur & Gesellschaft ist sich in der Angelegenheit völlig uneinig. Ein Pro und Kontra. Mehr...

Zur Methodik

Das Tamedia-Datenteam hat die Fahrzeugdatenbank des Bundesamts für Strassen(Astra) mit insgesamt 4,6 Millionen registrierten Fahrzeugen ausgewertet - und dabei erstmals alle Sport Utility Vehicles (SUV) in der Schweiz klassifiziert. Berücksichtigt wurden sowohl moderne SUV als auch klassische Geländewagen.

Da es in der Schweiz keine offizielle Definition gibt, welche Modelle als SUV gelten, griff das Team auf eine Liste des deutschen Kraftfahrt-
Bundesamts zurück. Das Bundesamt führt eine Liste mit den 117 häufigsten SUV und Geländewagen. Letztere wiederum werden von den Herstellern selbst in aller Regel als SUV vermarktet - daher wurden sie in der Auswertung ebenfalls berücksichtigt.

Mit Hilfe der Liste konnten in der Datenbank des Astra für jedes Fahrzeug überprüft werden, ob es sich um ein SUV handelt oder nicht. Es ist möglich, dass es wegen falschen Schreibweisen von Typenbezeichnungen oder Modell-Namen, die sich im Laufe der Zeit geändert haben, zu kleineren Fehlern in der Auswertung gekommen ist. Bei einer Datenmenge von 4,6 Millionen Fahrzeugen sind solche Fehler aber vernachlässigbar.

Zusätzlich wurden SUV und Geländewagen, die gemeinhin mit Luxus in Verbindung gebracht werden als «luxuriöse SUVs» kategorisiert. Grundlage dieser Kategorisierung sind Händler-Bezeichnungen und Listen in einschlägigen Branchenmagazinen.

Weitere Informationen zur Methodik finden sich auf unserem Github Account. Abgelegt sind dort auch die Listen der Autotypen, die als SUV und als luxuriöse SUV klassifiziert wurden.

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ein Märchen aus Lichtern: Zum ersten Mal findet das Internationale Chinesische Laternenfestival «Fesiluz» in Lateinamerika, Santiago de Chile statt. Es dauert bis Ende Februar 2020. (3. Dezember 2019)
(Bild: Alberto Walde) Mehr...