Das bringt die Nachwuchsförderung im Fussball

In Zürich werden bereits 11-jährige Fussballjunioren selektioniert. Aber wie wirkt sich das aus?

Bilanz zum Projekt Footeco: Beteiligte sind zufrieden mit der Nachwuchsförderung im Fussball.

Bilanz zum Projekt Footeco: Beteiligte sind zufrieden mit der Nachwuchsförderung im Fussball. Bild: Reto Oeschger

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Viele junge Mädchen und Knaben träumen davon, einst Profifussballerin oder Profifussballer zu werden. Oftmals bleiben es Träume. Damit es dennoch möglichst viele schaffen, gibt es das Projekt Footeco, das seit 2013 die Nachwuchsförderung der 11- bis 14-jährigen Fussballerinnen und Fussballer des Fussballverbands Region Zürich (FVRZ) gestaltet. Sportdirektor Mario Fehr (SP) lud heute Donnerstag zur Präsentation der Evaluation des Projekts ein.

Ein externes Büro hat analysiert, wer von der Neuerung profitiert hat und wie zufrieden die Akteure damit sind. Im Projekt Footeco geht es im Kern darum, dass in der Fussballregion Zürich die drei Spitzenclubs FCZ, GC und Winterthur in drei fest aufgeteilten regionalen Zonen möglichst viele «potenzielle Talente» identifizieren und betreuen können. Der Kanton unterstützt das Projekt jährlich mit 250'000 Franken. Das Motto: Spitze durch Breite. Die Vereine und der Kanton wollen verhindern, dass durch eine zu frühe Selektion durch die Spitzenclubs jene Talente verloren gehen, die etwas länger Zeit brauchen, um sich zu entwickeln.

Das funktioniert so: Wer es in eine Footeco-Auswahl schafft, behält die Lizenz bei seinem Stammverein, geniesst aber an Footeco-Stützpunkten in den Regionen besondere Trainings und bestreitet die Spiele zusammen mit dieser Auswahl. Längere Anfahrtswege an die Trainingsorte entfallen dadurch, und gleichzeitig soll dies die Rückkehr in eine Mannschaft des Stammvereins erleichtern, sollte es in einer Selektionsstufe nicht mehr reichen.

So sind die Regionen auf die Clubs verteilt: Zum Vergrössern, klicken Sie hier. Bild: Kanton Zürich

Gemäss der Evaluation funktioniert diese Rückführung gut. 4100 Jugendliche spielen für die Teams in drei altersbedingten Stufen, FE12 bis FE14. Von den 1800, die in der untersten Stufe beginnen, schaffen es aber vier von fünf nicht bis in die U-18 eines Spitzenvereins. Zirka 90 Prozent jener, die in der ersten Stufe ausscheiden, kehren zum Stammverein zurück, nach der zweiten sind es noch 80, nach der dritten noch 70 Prozent. Damit ist man zufrieden. Insbesondere deswegen, weil die Angst da war, dass selektionierte Spieler eventuell durch das Ausscheiden frustriert dem Fussball den Rücken kehren würden. Dies ist aber nicht der Fall. «Footeco-Spieler hören seltener mit Fussball auf als andere», sagt Rahel Bürgi, die für das Büro Lamprecht & Stamm die Analyse durchgeführt hat. In Zahlen heisst das: Nur ein Prozent der FE14 Spieler hat mit dem Fussball aufgehört. Zum Vergleich: Bei den Junioren D und C liegt die Quote bei 6 Prozent respektive 12 Prozent.

Kritische Breitenfussballvereine

Sportdirektor Fehr und die Vertreter der drei Fussballclubs sind zufrieden mit dem Projekt und sehen ihr Gefühl durch die Resultate der Studie gestützt. Die fixe regionale Aufteilung schaffe Klarheit und verringere den Aufwand beim Scouting. Es gibt auch bereits erste Spielerinnen und Spieler, die in der ersten Mannschaft des FCZ gespielt haben. Bei den Frauen zum Beispiel Torhüterin Elvira Herzog oder bei den Männern Simon Sohm.

Am kritischsten stehen die Breitenfussballvereine dem Projekt gegenüber, zeigt die Studie. Sie sehen die Qualität ihrer Mannschaften in Gefahr, weil die besten Spieler jeweils abwandern. «Die Breitenvereine sind nicht ganz zufrieden, sie wünschen sich mehr Rückkehrer und eine bessere Kommunikation», sagt Bürgi und spielt den Ball (um beim Fussball zu bleiben) gleich an die Vereine zurück. Sie müssten sich auch darum bemühen, dass ihre Spieler zurückkommen würden, müssten sie während der Footeco-Zeit betreuen und vermehrt sogenannte Footeco-Botschafter ausbilden. «Nur ein Drittel der Vereine hat einen solchen Botschafter, aber drei Viertel von diesen Vereinen sprechen ihm eine wichtige Funktion zu», sagt sie. Neben der Kommunikation und den Footeco-Botschaftern ortet Bürgi besonders bei den Trainern Verbesserungspotenzial. Es braucht mehr gut ausgebildete Trainer.

Relationen nicht aus den Augen verlieren

Und dann fiel am Schluss der Pressekonferenz trotzdem noch die unbequeme Frage: «Hat sich die Studie auch mit der Bestechungsproblematik im Juniorenfussball auseinandergesetzt?» Also mit Fällen, wie jüngst einer bei GC publik wurde? Nein, hat sie nicht. Das seien aber Einzelfälle, die nicht zu tolerieren seien, waren sich die Clubvertreter einig. Verhindern wolle man dies insofern, als das Entscheidungen jeweils von mindestens drei Personen und nie von Einzelpersonen gefällt würden. Roman Hangarter, technischer Leiter bei GC, sagte zudem, dass man versuche, die Erwartungshaltung herunterzuschrauben: «Der Schritt in die Footeco-Auswahl hat noch nichts mit einer Profikarriere zu tun.» Das müsse man noch besser kommunizieren. Zum konkreten Fall äussern wolle er sich nicht.

Damit schloss auch Sportdirektor Fehr. Es seien Einzelfälle, Vorkehrungen seien getroffen. Es sei ein riesiges Projekt, Tausende Menschen involviert. «Die Relationen dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.» Im Fussballverband Region Zürich gibt es 176 Vereine, über 47'000 lizenzierte Fussballerinnen und Fussballer und 1900 Juniorenteams.

Erstellt: 07.03.2019, 14:56 Uhr

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