Das Gymi ist streng genug

Weshalb soll den Gymnasiasten ein Recht vorenthalten werden, das an der Volksschule seit Jahren gilt?

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Erfolg für eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Zürcher Unterland: Ausser SVP und BDP unterstützten alle Fraktionen ihr Anliegen, auch an den Gymnasien Jokertage einzuführen. Gut so. Denn es gibt kein einziges vernünftiges Argument, weshalb den Jugendlichen am Gymnasium ein Recht vorenthalten werden soll, das an der Volksschule seit acht Jahren gilt.

Die Schulleitungen der Gymis sehen das freilich anders. Sie warnen davor, die Schüler würden die zwei Jokertage pro Jahr exzessiv ausnützen, sogar für völlig unnötige Aktivitäten. Das sei ein falsches Signal. Welch eine beschämende Argumentation. Es zeigt, wie die Rektoren einer Schule für die künftige Elite über ihre Zöglinge denken.

Die allermeisten Gymischülerinnen und -schüler nehmen die Schule sehr wohl genügend ernst und sind motiviert. Anders ist die Mittelschule heute nämlich gar nicht mehr zu bewältigen. Zwei Jokertage pro Jahr werden Ernst und Motivation nicht zerstören – und wenn, dann hat der betreffende Schüler am Gymnasium nichts verloren. Kommt hinzu, dass nicht einzusehen ist, warum Volksschülern zuzutrauen ist, eigenverantwortlich mit Jokertagen umzugehen, Gymnasiasten aber nicht.

Natürlich werden Jokertage bisweilen für so «sinnlose» Vergnügen wie einen Besuch im Europapark eingesetzt. Na und? Das ist genau der Sinn dieser Tage. Die Rektoren verweisen an dieser Stelle gern darauf, dass wer eine gute Begründung habe, ja eine Absenz beantragen könne. Nur ist das eben genau kein Ersatz für die Jokertage. Denn im Grunde ist das Absenzenwesen diskriminierend. Dispensiert wird nur, wer etwas vorhat, was die Schulleitung als «sinnvoll» ansieht. Also zum Beispiel, wer begabt genug ist, um an einem grossen Sportwettkampf oder einem Musikanlass mitzutun. Die meisten Schüler kommen nie in den Genuss einer solchen Absenz.

Letztlich zeigt das Nein der Schulleiter eins: Sie neigen dazu, sich selbst und ihre Bildung zu ernst zu nehmen. Das schadet der Schulmotivation mehr als die Möglichkeit, mal einen Tag frei zu nehmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2015, 21:57 Uhr

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