Einblicke in das neue Luxushotel am Zürichsee

In diesen Tagen wurde ein besonderes Hotel eröffnet. Es bietet einen kostenlosen Jacht-Service und hält einen augenfälligen Rekord.

Direkt am Ufer des Zürichsees: Das neue Hotel Alex Lake in Thalwil.

Direkt am Ufer des Zürichsees: Das neue Hotel Alex Lake in Thalwil. Bild: Andrea Zahler

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Das neue Hotel Alex Lake in Thalwil ist einzigartig: Kein anderes Gästehaus am Zürichsee steht so direkt am Ufer. Einzig ein Holzsteg führt Fussgänger vor dem Haus übers Wasser, einige Boote sind daran verankert. Sitzt der Gast im Restaurant, sieht er vor sich nur Wasser und die Häuser und Hügel der Goldküste. Schläft die Besucherin in ihrem Zimmer bei offenem Fenster, hört sie nur das Plätschern des Wassers und wird am Morgen von Möwen in den Tag gerufen. Sie nimmt den Lärm der Autos, die die Strasse hinter dem Hotel befahren, nicht wahr. Alle Suiten und Penthäuser haben Sicht auf den See.

Ein Holzsteg führt über das Wasser. Bild: Andrea Zahler

Fast zwei Jahrzehnte hats von der ersten Planung an gedauert, bis das neue Boutique-Hotel in diesen Tagen eröffnet werden konnte. Es unterteilt sich in einen Neubau und einen Bau, der auf den Strukturen und Mauern des alten Hotels beruht. «Nur damit konnte das Hotel so nah am See bleiben. Wäre alles abgerissen und neu erstellt worden, hätten die Architekten Marazzi+Paul nur bis 20 Meter ans Ufer hin bauen können», sagt Hoteldirektor Olivier Gerber. Die Freude und der Stolz an seinem neuen Job ist ihm anzusehen. Er selber wohnt seit fünf Jahren in Thalwil, bis gegen Ende des letzten Jahres aber arbeitete er nicht in der Region. Er war Verkaufs- und Marketingchef für das renommierte Badrutt's Palace Hotel in St. Moritz.

Das Alex, wie es die Mitarbeitenden nach wenigen Arbeitstagen bereits liebevoll nennen, hat die Zimmerzahl gegenüber früher verdoppeln können. Nun bietet Gordon Campbell Gray, die weitere Luxushotels in Städten wie Beirut und Ammann führt, 44 elegante Studios und Penthäuser an. Sie sind zwischen 34 und 60 Quadratmeter gross. Die Suiten kosten für zwei Personen um 350 Franken pro Nacht (inkl. Frühstück), die Penthäuser ab 600 Franken. Es gehört damit zu den günstigsten Luxushotels in der Region, die Betreiber rechnen damit, dass das Alex auf 5-Stern-Hotel geratet wird. Preisanpassungen nach oben schliesst Hoteldirektor Gerber aber nicht aus.

Eingerichtet auch für Langzeitgäste

Alle Zimmer sind mit einer kleinen Küche ausgerüstet. Das Hotel will sich so nicht nur an Privat- und Geschäftstouristen richten, sondern sucht auch Gäste, die für ein oder zwei Monate bleiben – beispielsweise Expats, die für ein paar Wochen in der Region arbeiten. Für sie gibt es ein kleines Spa und einen Fitnessraum. Wer im See schwimmen will, kann gleich vor dem Hotel ins Wasser springen. Zudem bietet das Alex seinen Gästen einen exklusiven und kostenlosen Service an: Die hoteleigene Jacht fährt morgens und abends jeweils zweimal in die Stadt Zürich – die Haltestelle befindet sich etwas unterhalb des Bauschänzli.

Das Hotel kann auch Gäste aufnehmen, die Wochen bis Monate bleiben. Bild: Andrea Zahler

Die Sicht aus dem Restaurant The Boat House ist spektakulär – man wähnt sich auf einem Schiff. Gegen Norden öffnet sich der Blick Richtung Stadt Zürich, im Südosten sind bei guter Sicht weit entfernt hohe Berggipfel zu sehen. Beim Eindunkeln kann man beobachten, wie sich Licht und Farben im Himmel und auf dem See langsam und stetig verändern.

Offen ist das Restaurant mit seinem grossen Garten auch für die Öffentlichkeit. Es setzt auf eine hochstehende, mediterrane Küche. Die Bar verspricht zudem, in jedem Cocktail mindestens eine regionale Zutat zu verwenden. Im Gegensatz zum Vorgängerhotel besitzt das neue Alex keinen separaten Saal mehr. Damit sind grosse private Anlässe wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeste, die viele Einheimische im Alexander gefeiert haben, nicht mehr möglich.

Das Restaurant setzt auf mediterrane Küche. Bild: Andrea Zahler

Jahrelang ein Denner-Hotel

Viele Thalwiler zweifelten daran, dass an diesem attraktiven Ort je wieder ein Hotel gebaut werden würde. Bereits 2003 hatte die Gemeindeversammlung einer Erweiterung des 1958 erstellten Alexander zugestimmt. Anwohner bekämpften ohne Erfolg den Gestaltungsplan, der 2005 rechtskräftig wurde. Es kam zur Schliessung des Hotels und zur Wiedereröffnung. Es gab Gerüchte, anstelle eines Hotels werde eine luxuriöse Altersresidenz erstellt.

Bis 2006 gehörte das Hotel Alexander dem Denner-Konzern. Denner-Patron Karl Schweri hatte die Liegenschaft im Jahr 1962 gekauft. 1971, nach einem Um- und Ausbau zu einem Hotel mit einer Suite, sechs Einzelzimmern und dreizehn Doppelzimmern, schrieb die NZZ: «Erstmals wurde im Raum Zürich das Konzept des Luxushotels verwirklicht.» Alle Zimmer verfügten über Radios und Fernseher, im Badezimmer gebe es eine besondere Leitung mit eisgekühltem Trinkwasser. Besonders erwähnt die Zeitung die Anstellungsbedingungen: Fünftagewoche für das gesamte Personal, Fixlöhne für alle, Arbeitszeitbeschränkung auf 48 Stunden pro Woche. Schon damals stand den Gästen eine mondäne Motorjacht zur Verfügung.

Die Sicht aus dem Restaurant The Boat House ist spektakulär – man wähnt sich auf einem Schiff. Bild: Andrea Zahler

Das Hotel selbst wurde über Jahre von einem Sohn von Karl Schweri geführt. Dieser hatte seinem Sohn Nicolas 1992 den Abgang bei Denner mit dem Hotel Alexander versüsst – der Patriarch hatte ihn zuerst in die Denner-Führung aufgenommen, nach drei Jahren aber bereits wieder rausgeworfen.

Die Geschichte des Hauses geht zurück bis ins Jahr 1589, Die Schützengesellschaft Thalwil baute damals am Seeufer einen Schiessstand sowie den Gasthof Schützenhaus. 1836 wurde eine Metzgerei mit Schlachthaus angebaut. Nach der Aufhebung des Schiessstands änderte der Name des Hauses in Krone. Diese wurde 1952 abgebrochen, 1958 das Hotel Alexander eröffnet.

Erstellt: 16.07.2019, 11:08 Uhr

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