Das linksufrige Gymi wird in Horgen oder Wädenswil gebaut

Noch vier Standorte sind für die Kantonsschule Zimmerberg im Rennen. Eines der Areale gehört Financier Martin Ebner.

Die roten Punkte zeigen die vier möglichen Standorte für die Mittelschule am linken Zürichseeufer: 1 Grob-Areal in Horgen, 2 Allmend Horgen, 3 Au-Park Au/Wädenswil, 4 Blattmann-Areal Wädenswil. Die schwarzen Punkte bezeichnen die SBB-Bahnhöfe in der Nähe: 1 Bahnhof Horgen, 2 Bahnhof Horgen Oberdorf, 3 Bahnhof Au, 4 Bahnhof Wädenswil.


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Gerade hat der Regierungsrat beschlossen, die eine der ursprünglich drei neuen Zürcher Kantonsschulen auf dem Areal der «Chemischen» in Uetikon am See zu bauen. Schon früher hatte er die Pläne für eine Kantonsschule Knonaueramt in Affoltern sistiert und will stattdessen jene in Urdorf auszubauen. Ausstehend ist der Entscheid am linken Seeufer. Trotz Sparprogramm bleibt es der Wille der Kantonsregierung, das Gymnasium Zimmerberg zu bauen – schliesslich werden bis zum Jahr 2027 kantonsweit 4000 zusätzliche Mittelschüler erwartet.

Das linksufrige Gymi soll wie in rechtsufrigen Uetikon gut 1000 Schüler aufnehmen können. Das würde die Nachfrage zwar nicht ganz decken – 2013 besuchten 1349 Schülerinnen und Schüler aus den Gemeinden der Pfnüselküste eine Kantonsschule in Zürich und 14 jene in Pfäffikon SZ. Dennoch brächte es grosse Entlastung.

28 Grundstücke überprüft

Bis Februar 2015 konnten die Gemeinden mögliche Standorte melden, ursprünglich wollte der Kanton Ende 2015 einen Entscheid treffen. Doch es gab Verzögerungen, die Sache ist komplex. Insgesamt 28 Grundstücke in sechs Gemeinden hat der Kanton nun überprüft. Darunter waren auch solche, die ihm nicht gemeldet worden waren. Von den 28 sind nun vier übrig geblieben, wie Wolfgang Annighöfer, Leiter Finanzen und Bauten der Bildungsdirektion, bestätigt.

Je zwei befinden sich auf dem Gebiet von Horgen und von Wädenswil. Deren Vertreter sind ganz glücklich mit der Ausgangslage. Horgens Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) sagt: «Die Hauptsache ist, dass überhaupt eine Kantonsschule am linken Seeufer gebaut wird. Dass diese südlich von Thalwil zu stehen kommt, ist richtig.» Auch der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) ist zufrieden mit der Auswahl. Drei der vier Standorte sind erwartet worden, einer ist eine Überraschung.

Das sind sie mit ihren Vor- und Nachteilen:

  • Allmend Horgen: Das riesige Areal hat eine einschlägige Vorgeschichte. Der Kanton bemühte sich bereits in den 1980er-Jahren um das Land, um eine Mittelschule zu bauen. Die Landeigentümerin, die Allmend-Korporation, wollte es aber nur im Baurecht abgeben. Der Kanton erstritt sich den Kauf vor Bundesgericht, verzichtete aber auf den Bau. Im Richtplan ist die nördliche Hälfte der Allmend gleichwohl als Mittelschulstandort eingetragen. Auf den 65'000 Quadratmetern könnte grosszügig angerichtet werden. Das wollen die Horgner Sportclubs ausnützen. Jüngst haben die Präsidenten des Fussball-, Handball- und des Schwimmvereins in der «Zürichsee-Zeitung» die Idee lanciert, auf dem gesamten Gebiet einen Campus mit Gymnasium und Sportstätten zu erstellen. Gemäss dem Kantonsvertreter Annighöfer ist das eine «interessante Vision», der Horgner Gemeinderat stoppte darauf sofort die Planung des neuen Hallenbads. Er will abwarten, wie sich die Vision entwickelt. Der Vorteil ist also, dass das Gebiet bereits als Kantonsschule eingezont ist und es dem Kanton gehört. Nachteilig wirkt, dass die Allmend nicht optimal mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen ist. Die Bahnhöfe Horgen und Horgen-Oberdorf sind ein paar Busstationen weit weg. Horgen hat gemäss Gemeindepräsident Leuthold aber Ideen zur besseren Erschliessung. Das geht vom verdichteten Busfahrplan über grössere Busse bis zu einem Schräglift oder gar einer Schwebebahn.

  • Grob-Areal Horgen: Die ehemalige Fabrik, in der Teile für Webmaschinen hergestellt wurden, ist von allen Arealen am besten erschlossen und liegt wenige Meter neben dem Zug- und Busbahnhof Horgen. Die Gebäulichkeiten gehören der Immobiliengesellschaft Mobimo und stehen seit geraumer Zeit leer. Zwischenzeitlich war darin das Oldtimerzentrum «Meilenwerk» mitsamt Hotel und Restaurant geplant, doch das Projekt zerschlug sich. Gegenüber den beigen Gebäuden steht das Bildungszzentrum Zürichsee, das bald für 61 Millionen Franken saniert, erweitert und mit einer Dreifachturnhalle ausgestattet wird. Vorteile also: Gute Erschliessung, Synergien mit Berufsschule. Nachteile: Eher knapp bemessen, wenig Aussenraum.

  • Au-Parc in Au/Wädenswil: Das ehemalige Industrieareal des Telekom-Geräteherstellers Alcatel, auf dem einst 2000 Personen arbeiteten, gehört heute der Intershop Holding von Financier Martin Ebner und ist wenig belebt. Die Intershop plant den Au-Parc mit 300 Wohnungen und Gewerberäumen. Wie Geschäftsleitungsmitglied Christian Baldinger sagt, hat Intershop zwei Varianten im Köcher: eine mit und eine ohne Mittelschule. Der bei der Stadt Wädenswil in Prüfung gegebene private Gestaltungsplan berücksichtigt beide Möglichkeiten. Auch der Antrag zur Umzonierung liege bereits beim Stadtrat. Gemäss Baldinger hat sich die Intershop selbst beim Kanton beworben und würde sich auf die Mittelschüler freuen. Die Immobiliengesellschaft ist offen für alle Möglichkeiten: Verkauf eines Teils des Lands an den Kanton, Abgabe im Baurecht oder Vermietung. Das Areal liegt 500 Meter vom Bahnhof Au weg und wäre wie die zwei obigen sofort verfügbar.

  • Blattmann-Areal Wädenswil: Diesen Standort hatte zunächst niemand auf der Rechnung. Das Areal mit dem stillgelegten Schlot liegt an der Seestrasse zwischen dem Ortsteil Au und Wädenswil und gehört der Hiag Immobiliengesellschaft. Hier sollten Luxuswohnungen entstehen, doch das Stimmvolk lehnte die Umnutzung vor ein paar Jahren ab. Der Kanton ist auf die Hiag zugegangen. Die Traditionsfirma Blattmann produziert in der Fabrik Bio-Produkte und Stärkederivate für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie und hat noch einen für viele Jahre gültigen Mietvertrag.

Das Blattmann-Areal ist kaum unter den Favoriten, die beiden angefragten Gemeinde- und Stadtpräsidenten setzen auf die anderen drei. Für den Horgner Leuthold sind die Allmend und der Au-Parc zu favorisieren. Die Allmend bezeichnet er als «realistische Lösung», da viele Vorzeichen stimmen und auch ein Sport-Gymnasium möglich wäre. Für den Wädenswiler Kutter haben das Grob-Areal und der Au-Parc die Nase vorn, weil sie gleich bei SBB-Bahnhöfen liegen. Bezüglich Au-Parc bemerkt Kutter, dass das Areal sehr flexibel gestaltet werden kann und Synergien mit den nahen Primar- und Sekundarschulhäusern möglich sind, etwa bezüglich einer Aula, Sporthallen oder Schwimmbecken.

Entscheid im Sommer

Laut Wolfgang Annighöfer vom Kanton werden derzeit vertiefte Machbarkeitsstudien für die vier Areale erstellt. In zwei oder drei Monaten werden diese der Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) und dem Baudirektor Markus Kägi (SVP) vorgestellt, worauf geplant ist, dass der Gesamtregierungsrat im Sommer den Standortentscheid fällt.

Geplant ist, dass aufs Schuljahr 2019/20 auf dem gewählten Areal zunächst ein Provisorium für 500 bis 600 Schülerinnen und Schüler erstellt wird. Wann die definitive Schulanlage stehen wird, ist noch offen.

Erstellt: 25.03.2016, 18:30 Uhr

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