Zum Hauptinhalt springen

Das Messer abgewischt und noch einmal zugestochen

Der heute 17-jährige Thailänder, der an der Street Parade 2007 einen 18-Jährigen erstochen hatte, stand gestern vor dem Jugendgericht Bülach. Ein Motiv konnte er nicht nennen.

Drei Mal innert 30 Minuten übte der 17-Jährige an der Street Parade vom 11. August 2007 massive Gewalt gegen ihm völlig unbekannte Personen aus. Der dritte und folgenschwerste Vorfall ereignete sich um 21.20 Uhr beim Rathaus: Während eines Streits zog der Thailänder sein Springmesser und rammte dieses dem 18-jährigen J. aus Baden mit voller Kraft und unter Einsatz seines Körpergewichts – der Angeklagte wog um die 100 Kilogramm – fünf bis sechs Zentimeter tief in die linke Brust. Das Opfer verstarb innert weniger Augenblicke. Um den sterbenden J. kümmerte sich der Angeklagte nicht.

Der Messerattacke ging ein Streit zwischen einer Jugendbande aus Kloten, welcher der Thailänder angehörte, und der Gruppe um J. voraus. Ein Kollege des Angeklagten hatte J.s Freundin sexuell belästigt, worauf zwischen den Jugendlichen erst eine verbale Auseinandersetzung, später eine Schlägerei entbrannte.

Nur wenige Minuten bevor er mit seinem Springmesser J. erstach, hatte der Thailänder dieselbe Waffe gegen einen weiteres Opfer eingesetzt: Gegen 21 Uhr rammte er im Niederdorf sein Messer einem als Steinzeitmenschen verkleideten Franzosen in den Rücken. Auch dieser Tat ging eine Pöbelei voraus, die von der Gang des Angeklagten angezettelt worden war. Das Opfer erlitt eine acht Zentimeter tiefe Stichwunde und musste während dreier Tage im Uni-Spital behandelt werden. Nach der Tat wischte ein Kollege des Angeklagten das Blut vom Messer und gab es ihm zurück. Noch vor diesen beiden Angriffen hatte der Angeklagte einem Jugendlichen eine Bierflasche an den Kopf geworfen; wieder aus nichtigem Grund. Wegen vorsätzlicher Tötung, versuchter Tötung und einfacher Körperverletzung stand der geständige 17-Jährige aus Kloten gestern vor dem Jugendgericht Bülach. Zu verantworten hatte er sich auch wegen achtfachen bandenmässigen Raubes – in einem Fall wegen versuchten Raubes. Die Delikte beging er zusammen mit einer Jugendbande zwischen November 2006 und Frühling 2007 im Zürcher Unterland und an der Zürcher Seepromenade.

Grillieren mit Kollegen am Tag darauf

Weshalb er am Street-Parade-Samstag erst eine Flasche warf und später zweimal mit dem Messer auf Menschen einstach, konnte der Angeklagte den Richtern nicht erklären. «Weiss auch nicht» oder «nichts überlegt», lauteten seine Antworten auf die meisten Fragen. Mit monotoner Stimme schilderte er, wie er vor dem Rathaus das Messer aus der Hosentasche herausgenommen und zugestochen hatte. Am Tag darauf ging er zusammen mit seinen Kollegen in Kloten grillieren. Niemand habe ihn auf seine Taten angesprochen. Keiner von der Gang verriet ihn. Die Tatwaffe entsorgte er im Nägelimoos-Weiher. Der Thailänder war 2003 im Alter von 12 Jahren mit seiner Mutter in die Schweiz eingewandert. Er habe sich alleine gefühlt und Mühe gehabt, sich zu integrieren. Er sei immer der Aussenseiter gewesen und ausgelacht worden.

Jugendanwalt Rolf Meier forderte, dass der Angeklagte in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht und ambulant therapiert wird. Zusätzlich sei er mit vier Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen. Der Angeklagte habe die Todesfolge beabsichtigt, als er auf J. eingestochen habe. Auch beim andern Opfer habe er dessen möglichen Tod in Kauf genommen. Es sei ihm geradezu egal gewesen, ob jemand sein Leben lasse. Der Verteidiger des 17-Jährigen verlangte eine Freiheitsstrafe von dreieinviertel Jahren. Der Anordnung einer geschlossenen Unterbringung sowie einer ambulanten Behandlung schloss er sich an.

Das Schlusswort nutzte der Angeklagte, um den Eltern von J. – sie nahmen nicht an der Verhandlung teil – zu sagen, dass es ihm unendlich leid tue. Darauf, dass er J.s Familie eine Genugtuung von total 150’000 Franken bezahlt, haben sich die Parteien schon vor dem Prozess geeinigt. Das Urteil wird kommende Woche eröffnet.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch