Das Polizei- und Justizzentrum ist trotz Aufstockung nicht gross genug

Die Projektierungsphase ist abgeschlossen. Fest steht: Ein Teil der Kantonspolizei verbleibt in der Kaserne.

Laut den Verantwortlichen «gross wie ein Dorf»: Im PJZ werden 1600 bis 1800 Menschen arbeiten. Visualisierung: PD

Laut den Verantwortlichen «gross wie ein Dorf»: Im PJZ werden 1600 bis 1800 Menschen arbeiten. Visualisierung: PD

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Für die Kantonsregierung war gestern ein glücklicher Tag. Baudirektor Markus Kägi (SVP), Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) und Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) vermeldeten zufrieden, dass es beim geplanten Polizei- und Justizzentrum (PJZ) auf dem Areal des einstigen Zürcher Güterbahnhofs im Kreis 4 einen Schritt vorwärts gehe. Die Projektierungsphase ist abgeschlossen, jetzt folgt die Ausschreibung für den Generalunternehmer. Im Jahr 2020 soll das «Kompetenzzentrum für die Bekämpfung der Kriminalität», in dem unter anderem die Kantonspolizei, die Staatsanwaltschaften und das Polizei- und Justiz­gefängnis untergebracht sein werden, seinen Betrieb aufnehmen.

Anlässlich der ersten Volksabstimmung 2003 war versprochen worden, dass gleichzeitig das Kasernenareal komplett frei wird. Im Juni letzten Jahres kam der Dämpfer: Die Regierungsräte gaben bekannt, dass das PJZ schon vor dem Bezugstermin 2020 wieder zu klein sein wird. Darum könne das Kasernenareal doch nicht wie versprochen vollständig freigespielt werden, das Polizeikommando bleibe dort.

Der Grossbau ist komplett gefüllt

Leise Hoffnungen keimten auf, die Regierung komme auf ihren Entscheid zurück. Neue Regierungsräte versprachen vor der Wahl, sich für eine komplett freie Kaserne einzusetzen. Doch die Erwartungen erfüllen sich nicht. Die Oberjugendanwaltschaft, die Oberstaatsanwaltschaft wie auch das Kommando der Kapo bleiben an ihren Standorten.

Für diese Abteilungen ist im neuen Polizei- und Justizzentrum laut Hans-Rudolf Blöchlinger, PJZ-Projekt-Delegierter, kein Platz mehr übrig. «Das Haus ist ausgenutzt.» Der Grossbau zwischen Hohlstrasse, SBB-Gleisen und Hardbrücke bietet eine Gesamtfläche von über 55 000 Quadratmetern. Das Volumen entspricht rund 500 Einfamilienhäusern. Die Kantonspolizei Zürich, die künftige Hausherrin, beansprucht am meisten – 57 Prozent der Fläche. Polizei- und Justizgefängnis benötigen 15 Prozent, die Staatsanwaltschaften 11 Prozent der Flächen. Der Rest verteilt sich auf andere Abteilungen, darunter etwa die Polizeischule.

Da hilft es auch nichts, dass der 280 Meter lange Bau statt der ursprünglich geplanten vier Stockwerke nun doch fünf Etagen hoch wird. Durch die Auf­stockung kann vorerst auf einen Ergänzungsbau verzichtet werden. An den Kosten ändert sich nichts: Das PJZ bleibt wie geplant 570 Millionen Franken teuer.

Kaserne: Zäune verschwinden

Jacqueline Fehr hatte sich vor der Wahl in den Regierungsrat für eine totale Freigabe der Zürcher Kaserne ausgesprochen. Sie wolle sich als Regierungsrätin dafür einsetzen, «dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist», sagte sie an einer Wahlveranstaltung im März. Konnte sie sich bei ihren Regierungs­kollegen kein Gehör verschaffen? «Das ganze Kasernenareal wird frei zugänglich, die Zäune verschwinden. Sogar das Parterre der Polizeikaserne wird für öffentliche Nutzungen frei.» Das sei, was für die Bevölkerung zähle. Die Büros in den oberen Stockwerken nutze vorderhand die Kantonspolizei. Ob das langfristig so bleiben müsse, sei zu prüfen.

Für Markus Kägi ist es vor allem wichtig, dass das provisorische Polizeigefängnis auf der Kasernenwiese verschwindet. Die Stadt Zürich könne die Zeughäuser übernehmen und selber betreiben und die Kasernenwiese in Gebrauchsleihe erhalten. «Ich habe darüber bereits mit Stadtrat André Odermatt Gespräche geführt.» Wie erklärt Mario Fehr dem Bürger, dass die Kasernenwiese nicht frei wird? «Ich kann die Enttäuschung der Bevölkerung verstehen.» Es sei darum gegangen, zwischen Kosten, freier Kaserne und einer Kaserne mit Staatsanwaltschaft abzuwägen. «Wir haben das gemacht, was am Ende am sinnvollsten ist.» Zudem sei erst nach der PJZ-Abstimmung klar geworden, dass die Polizeischule zusammengelegt wird und das forensische Institut in der jetzigen Grösse in den Neubau kommt.

An der Pressekonferenz zeigte sich, wie aufwendig der Grossbau wird. Hans-Rudolf Blöchlinger sprach von einem Pionierprojekt und einem komplexen Bau, der sich nicht mit einem herkömmlichen Verwaltungsgebäude vergleichen lasse. Da es weltweit kein ähnliches Gebäude gebe, mussten alle Grundlagen erarbeitet werden. Im Frühling erfasste die Kantonspolizei alle Sitzungen und Einvernahmen akribisch. Aus den Daten leiteten Blöchlinger und seine Mitarbeiter den Raumbedarf für die Einvernahmen ab, die im PJZ von Bedeutung sind. Mario und Jacqueline Fehr bezeichneten Blöchlinger wegen seiner Arbeit als Helden.

Zentral ist das Thema Sicherheit. Beim Haupteingang müssen die Be­sucher ein ähnliches Prozedere wie am Flughafen über sich ergehen lassen. 1600 bis 1800 Menschen werden im PJZ arbeiten, das Blöchlinger wegen seiner Grösse als «Dorf» bezeichnete.

Das Zürcher Volk stimmte 2003 erstmals über die Zusammenlegung von Polizei und Justiz an einem einzigen Standort ab. Dabei bewilligte es einen Kredit von 490 Millionen Franken. In der Detailplanung verteuerte sich das Projekt allerdings auf 700 Millionen. Auf Geheiss des Kantonsrates wurde das Projekt verkleinert. Das Volk sprach sich daraufhin erneut für das PJZ aus.

Erstellt: 10.09.2015, 23:13 Uhr

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Kommentar

Politisches Patt

Die politische Situation um das PJZ ist fast so verworren wie das Projekt selber. Mit drei Versprechen waren die Stimmenden für das Riesengebäude gewonnen worden: 1. Das Kasernen­areal wird komplett freigeräumt. 2. Staatsanwaltschaften und Polizei werden komplett zusammengelegt. 3. Das Ganze kostet nicht mehr als 570?Millionen Franken.

Die jetzige Lösung des Regierungsrats verletzt die Versprechen 1 und 2. Politisch stösst sie auf breiten Widerstand. Wenn der Regierungsrat sie durchdrückt, widersetzt er sich dem Willen des Parlaments. Und die Zürcher könnten den Wahlbroschüren ihrer Regierung nicht mehr trauen.

Am einfachsten wäre, die Flächen im PJZ noch besser zu nutzen, sodass alle darin Platz finden. So würde jedes Versprechen erfüllt. Nur hält der
Regierungsrat dies für unmöglich.
Ob es wirklich nicht geht oder ob hohe Ansprüche und schlechte Planung das verhindern, lässt sich von aussen schwer beurteilen. Eine dritte Variante bringt die SP: Sie will den fehlenden Platz mit einem Zusatzgebäude auffangen, das etwa 50 Millionen Franken kosten würde. Versprechen 1 und 2 wären eingehalten, Versprechen 3 würde gebrochen. SVP und FDP wollen das verhindern.

Momentan herrscht ein politisches Patt. Entweder gibt jemand nach, wofür es kaum Anzeichen gibt. Oder der Stärkste setzt sich durch, in diesem Fall wohl der Regierungsrat.

Irgendwann wird das PJZ trotzdem stehen. Hoffentlich funktioniert es dann besser, als seine 20-jährige ­Planung und Umsetzung gelaufen ist.

Beat Metzler

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