Zürcher Gemeinden im Vergleich (3)

Das Unterland ist besonders stark motorisiert

Auf zehn Einwohner kommen im Bezirk Dielsdorf sechs Autos – fast doppelt so viele wie in der Stadt Zürich. Die Gründe für die Differenz sind mannigfaltig.


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Wie viele Autos braucht man im Kanton Zürich? Offenbar nicht überall gleich viele, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Am ehesten aufs Auto verzichten können die Stadtzürcher. Sie fahren lieber mit dem öffentlichen Verkehr, dem Velo oder gehen zu Fuss. Auf 1000 Einwohner kommen in Zürich lediglich 355 Personenwagen. Auch Winterthur weist eine niedrige Autorate aus. Dort zählte das kantonale Strassenverkehrs­amt im vergangenen Jahr 416 Personenwagen pro 1000 Einwohner.

Entsprechend tiefblau erscheinen die beiden Stadtgebiete auf unserer Karte. Dasselbe gilt für weite Teile des linken Zürichseeufers, wo die Autorate ebenfalls relativ bescheiden ist. Anders am rechten Zürichseeufer: Zwar verzeichnet das Strassenverkehrsamt auch dort keine Höchstwerte, aber die Autorate ist an der Goldküste markant höher als an der Pfnüselküste. Das könnte daran liegen, dass am rechten Ufer mehr Geld vorhanden ist, um ein Auto zu kaufen.

Autophile Hüttiker

549 Personenwagen kommen im Bezirk Meilen auf 1000 Einwohner. Das ist zwar mehr als im kantonalen Durchschnitt (491), aber immer noch deutlich weniger als im Bezirk Dielsdorf. Dort hat das Strassenverkehrsamt im vergangenen Jahr 609 Personenwagen pro 1000 Einwohner gezählt. Und dort liegt auch das am besten motorisierte Dorf des ganzen Kantons: Hüttikon. Die flächenmässig kleinste Gemeinde bietet ein Zuhause für 508 Autos und 679 Menschen. Das ergibt eine Rate von 760 Personenwagen pro 1000 Einwohner. Die Hüttikerinnen und Hüttiker erstaunt das nicht. Es gibt in ihrem Dorf keinen Lebensmittel­laden, keine Post und keinen Bahnhof – dafür genügend Parkplätze und geräumige Garagen in den Einfamilienhäusern.

Zählt man lediglich die 538 Bewohnerinnen und Bewohner zwischen 20 und 80 Jahren, kommen in der Furttaler Gemeinde gar 0,944 Autos auf eine Person. Das reicht allerdings nicht für den ersten Platz in dieser Kategorie. Hier wird Hüttikon von Ellikon an der Thur knapp überboten, wo 0,946 Personenwagen pro Einwohner gezählt werden.

In Ellikon leben aber viele Kinder. So fällt die offizielle Autorate des Statistischen Amts nicht ganz so extrem aus. Mit 681 Personenwagen pro 1000 Einwohner belegt die Winterthurer Landgemeinde den siebten Platz. Nur halb so hoch ist die Autorate in Zürich. In der Stadt wohnen weniger Familien – dafür mehr Studierende, die sich in der Regel kein Auto leisten können. Auch sind die Parkplätze vor allem in der Innenstadt knapp. Dafür ist es meist nicht weit zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs.

Generell gilt die Regel: Je besser eine Gemeinde vom öffentlichen Verkehr erschlossen ist, desto geringer fällt die ­Autorate aus. In der Stadt Zürich ist dies besonders offensichtlich. Hier wohnen 99 Prozent der Bevölkerung entweder weniger als 750 Meter von einer Haltestelle der S-Bahn entfernt oder weniger als 400 Meter von einer Bus-/Tramhaltestelle. In Oberembrach hingegen trifft dies nur für 67 Prozent der Bevölkerung zu. Entsprechend ist die Unterländer Gemeinde mit 714 Autos pro 1000 Einwohner gut motorisiert.

Im landesweiten Vergleich tief

Die Regel gilt aber nicht überall. In Dielsdorf etwa sind 98 Prozent der Bevölkerung wie oben beschrieben vom öffentlichen Verkehr erschlossen. Trotzdem weist die Unterländer Gemeinde die fünfthöchste Autorate des Kantons aus. 686 Personenwagen kommen auf 1000 Einwohner. Deutlich weniger motorisiert ist die Winterthurer Landgemeinde Hofstetten (628). Dies, obwohl in der Gemeinde am Schauenberg nur 16 Prozent der Bevölkerung vom öffentlichen Verkehr erschlossen sind.

Ein Blick zurück zeigt, wo die Autorate in den letzten 20 Jahren wie stark gestiegen ist. Am extremsten legte Bertschikon zu, nämlich um 102 Prozent. Es gibt aber auch Gemeinden, die heute weniger gut motorisiert sind als noch 1993. Zum Beispiel Opfikon. Dort ist die Autorate um 16,6 Prozent gesunken. Auch in der Stadt Zürich ging sie um 7,6 Prozent zurück.

Der kantonale Durchschnitt ist bis zur Jahrtausendwende leicht angestiegen und bleibt seither stabil. Dennoch hat die absolute Zahl der Personenwagen im Kanton Zürich markant zugenommen – wegen des Bevölkerungswachstums. Zählte man 1993 noch 521'024 Autos, waren es im vergangenen Jahr 690'256 Personenwagen.

Im landesweiten Vergleich kommen die Zürcher aber mit relativ wenigen Autos aus. Nur in Basel-Stadt (356) und Genf (473) liegt die Rate noch tiefer. Am höchsten ist sie im Tessin (630), gefolgt vom Wallis (626) und von Zug (624). Insgesamt kommen in der Schweiz 537 Autos auf 1000 Einwohner.

Erstellt: 02.08.2014, 08:06 Uhr

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Autophiles Hüttikon: 508 Autos auf
679 Einwohner. Foto: PD

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