Zum Hauptinhalt springen

Das Volk gönnt sich einen Salon

Beim Entscheid für den neuen Sechseläutenplatz haben die Bürgerlichen zwar eine Schlappe erlitten. Den Streit ums Auto in Zürich hat Ruth Genner deswegen aber nicht gewonnen.

Edgar Schuler

Noch liegt der Sechseläutenplatz da wie eine schwärende städtebauliche Wunde. Aber mit seinem wuchtigen Ja hat das Volk den Weg freigemacht, die schmutzige Kiesfläche so bald als möglich in den grossstädtischen Salon zu verwandeln, den die Planer in schönen Visualisierungen versprechen. Das ist dem Volk viel wert: 17 Millionen Franken.

Damit ist – erstens – die Fundamentalopposition von SVP und Schweizer Demokraten abgeschmettert. Die beiden Parteien wollten am Bellevue die Wiese wieder haben, die der Sechsläutenplatz schon lange nicht mehr war und heute sinnvollerweise auch nicht mehr sein kann. Der geplante Boden aus Valser Quarzit ist vielfältig verwendbar und so auch «demokratischer» als die ohnehin meist entweder braune oder ganz gesperrte Grasnarbe. Mit Anbauschlacht-Romantik können SVP und SD heute in Zürich keine Mehrheit hinter sich scharen – höchstens in Schwamendingen.

Eine Niederlage einstecken muss – zweitens – auch die FDP. Sie wollte die Abstimmung über diesen hyperzentralen städtischen Standort zu einem Stellvertreterkrieg gegen die Verkehrspolitik des rot-grünen Stadtrats machen. Die FDP betonte stets, es gehe ihr nicht um den Platz an sich (dessen künftige Gestaltung auf die freisinnige Stadträtin Martelli zurückgeht), sondern um einen Abbau einer Autospur am Bellevue. So wurde die Abstimmung zum Kampf gegen Windmühlen.

Wer in Zürich wohnt und abstimmt, der nimmt den Autoverkehr schlicht als Problem wahr. Hier eine Mehrheit für eine Abbiegespur zu finden, ist somit ohnehin schwierig. Und selbst in der Minderheit von Gewerblern und Autopendlern, denen die autokritischen Politik der Stadt ein Gräuel ist, dürften sich viele gefragt haben, ob der Kampf für eine einzelne Spur es wert ist, die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes zu verzögern – zumal der Nutzen dieser Spur für die Automobilisten höchst umstritten ist.

Soweit war das Abstimmungsresultat absolut vorhersehbar. Die Absicht, die Ausmarchung zu einem Referendum über den Verkehr zu machen, ging nicht einmal bei jenen auf, die das grösste Interesse an einem funktionierenden motorisierten Privatverkehr haben. Das zeigten Stellungnahmen wie jene des Präsidenten der City-Verinigung im Vorfeld.

Umgekehrt kann aber auch nicht das rot-grüne Zürich aus dem Resultat herauslesen, dass in Zürich jeder Kapazitätsabbbau auf den Strassen höchstens als bescheidener Kollateralschaden einer generellen Stadtverbesserung anzusehen ist. Noch ist längst nicht ausdiskutiert, wie viel Autoverkehr und Parkplätze Zürich zum Leben und (wirtschaftlichen) Überleben braucht – und wie viel zu viel ist.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch