Das Wunder von Höngg und seine Geldgeber im Hintergrund

Die Anwohner, die die Siedlung Ringling verhindert haben, konnten auf das Geld von zwei mächtigen Vorsorgestiftungen zählen. Und auf einen bekannten Kunstmäzen.

Sah seine Investitionen durch die Überbauung gefährdet: Rudolf Bechtler, hier in seinem Kunsthotel Castell im Oberengadin.

Sah seine Investitionen durch die Überbauung gefährdet: Rudolf Bechtler, hier in seinem Kunsthotel Castell im Oberengadin. Bild: Nicola Pitaro

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Überraschend hat das Bundesgericht am Donnerstag die Pläne der Stadt Zürich für die Grossüberbauung Ringling in Höngg zunichtegemacht. Die höchste Instanz des Landes gibt damit über 80 Anwohnern recht. Rund 150'000 Franken habe sie der Kampf gekostet, sagt Jean E. Bollier, Präsident der Interessengemeinschaft «Pro Rütihof – contra Ringling». Das Geld kam jedoch nicht von engagierten Kleinsparern aus dem Quartier, sondern zum grössten Teil von zwei vom Projekt betroffenen Vorsorgestiftungen.

90 Prozent der Kosten haben die Vorsorgeeinrichtung des Winterthurer Industrieriesen Sulzer sowie die Gemeinschaftsstiftung der Zellweger Luwa AG aus Uster übernommen. Beide besitzen Liegenschaften in der Nachbarschaft des bis zu 650 Meter langen Ringlings, sagt Bollier. Sie befürchteten massive Werteinbussen, weil der Blockrand mit seiner bis zu 20 Meter hohen, geschlossenen Fassade die Sicht beeinträchtigt und Schatten auf die umliegenden Gebäude geworfen hätte.

Der Künstlerhotelier vom Zuoz

Zu den Gegnern gehören auch vermögende Private. Allen voran Rudolf C. Bechtler, der zusammen mit seinem Bruder Thomas W. Bechtler die Walter-Bechtler-Stiftung der Unternehmerfamilie Bechtler leitet und Werke zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum oder in Museen platziert. So geht das «Sheep Peace» von Henry Moore am Hafen Riesbach auf die Initiative der Familie Bechtler zurück, ebenso die «Heureka» von Tinguely am Zürcher Seeufer.

Rudolf Bechtlers Herzensprojekt ist jedoch das Hotel Castell in Zuoz: Mit seinem Engagement hat der Künstlerhotelier den Ort zum Kunstmekka gemacht. Das auffälligste Projekt der Stiftung im Kanton Zürich ist der Zellwegerpark in Uster, mit seiner an Schwemmholz erinnernden Brücke von Tadishi Kawamata. Im Park fand auch der umstrittene «Cube» von Sol LeWitt Platz, den Walter A. Bechtler ursprünglich der Stadt Zürich schenken wollte. Der «Betonklotz» löste jedoch einen Kunststreit aus, weshalb er seinen vorgesehenen Standort am Zürichhorn nie erreichte.

ETH-Professoren als Berater

Rudolf Bechtler ist sowohl über die Vorsorgestiftung des Familienunternehmens Zellweger Luwa in den Kampf gegen den Ringling involviert als auch als Privatperson. So gehört ein Teil der Wohnungen im nahen Stelzenacker Bechtler und seiner Tochter persönlich, weshalb beide als Beschwerdeführer auftraten.

Die Ringling-Gegner können auf weitere einflussreiche Zürcher in ihren Reihen zählen: Auch Jakob Maurer, pensionierter ETH-Professor für Raumordnung, gehört zu den betroffenen Liegenschaftenbesitzern, ebenso der ETH-Chemiker Walter Giger. Beide engagieren sich als Delegierte im Quartierverein Höngg und vertreten dort die Interessen der Anwohner gegenüber Stadt und Ämtern.

Erstellt: 26.08.2016, 13:14 Uhr

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