Dem beliebtesten Zürcher Ausflugsbad droht der Abriss

Die Schwimmanlage Fohrbach in Zollikon könnte schon bald geschlossen werden. Nun formiert sich Widerstand.

Die Tage des Piratenschiffs im Aussenbecken des Schwimmbads Fohrbach könnten bald gezählt sein.

Die Tage des Piratenschiffs im Aussenbecken des Schwimmbads Fohrbach könnten bald gezählt sein. Bild: Andrea Zahler

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Sie gehört an Regentagen zu den bevorzugtesten Ausflugsdestinationen von Stadtzürcher Eltern: die Schwimmanlage Fohrbach in Zollikon direkt an der Grenze zur Stadt. Ein Piratenschiff im Aussenbecken, Rutschen und Kletter-Parcours drinnen, das findet man in der Stadt nicht. Deshalb ist das Bad insbesondere an Wochenenden für viele urbane Eltern eine willkommene Alternative zu den Hallenbädern Altstetten oder Oerlikon.

Diese Ausweichmöglichkeit könnte es aber schon bald nicht mehr geben. Das Bad ist in die Jahre gekommen, ihm droht die Schliessung und der Abriss. Doch das will ein Teil der Zolliker nicht einfach so hinnehmen. Am Samstag hat sich ein Verein formiert, der für den Erhalt der Anlage kämpft.

Baufällige Decke

Einen ersten Schritt auf dem Weg zur Fohrbach-Schliessung machte Zollikon vergangenen Dezember. An der Gemeindeversammlung korrigierte eine Mehrheit der 140 Anwesenden das Budget. Sie strich 1,5 Millionen Franken heraus, die der Gemeinderat für die Projektierung der Sanierung vorgesehen hatte. Sie liessen sich vom Antrag der Rechnungsprüfungskommission überzeugen. Diese rechnete vor, dass die Sanierung und der defizitäre Betrieb die verschuldete Gemeinde in den nächsten 30 Jahren etwa 120 Millionen Franken kosten werde. Da sei es billiger, das Schulschwimmen auszulagern. Somit ist die Sanierung vorläufig aufgeschoben.

Doch die Zeit drängt, denn das 1972 erbaute Bad genügt den gesetzlichen Anforderungen bald nicht mehr. Spätestens ab 2020 müssen die Decke, Heizung und Badewassertechnik erneuert werden. Mit den Sanierungsmassnahmen sollen die Attraktivität der Anlage erhalten bleiben und der Kostendeckungsgrad optimiert werden.

Rund 35 Millionen Franken dürfte eine Sanierung nach ersten Schätzungen kosten. Die Kosten sind abhängig davon, wie umfassend saniert wird. Zur Debatte stehen eine Instandstellung, eine Sanierung mit Ausbau oder eine Reduktion der Anlage auf den Schwimmbadbetrieb. Die Varianten basieren auf einer Vorstudie, welche die Gemeinde in Auftrag gegeben hatte. Neben der Sanierung stehen auch ein Abriss oder ein Neubau zur Diskussion.

Wasserfläche für die Stadt

Für eine Sanierung setzt sich der neu gegründete Verein Pro Fohrbach ein. Er zählt über 300 Mitglieder aus Zollikon und den angrenzende Gemeinden. Marco Pilloud, ehemaliger Präsident des Schwimmklubs Zollikon, ist der Kopf des Vereins. Er sagt: «Eine zweckmässige, umfassende Sanierung wird zwar kurzfristig etwas mehr kosten, aber langfristig werden die laufenden Kosten sinken.» Besonders in den betrieblichen Abläufen und in der Energieeffizienz sieht der neue Präsident grossen Handlungsspielraum.

Der Schwimmklub Zollikon träumt gar von einem noch attraktiveren Bad – mit einer Traglufthalle über dem 50 Meter langen Olympia-Becken im Aussenbereich. Pilloud sagt: «So könnten wir die Wünsche von alle Schwimmbegeisterten erfüllen und die heutigen Kapazitätsprobleme ohne Neubau lösen. In den Wintermonaten könnten wir so eine Verdopplung der Wasserfläche schaffen.» Ein Abriss kommt die Gemeinde aus seiner Sicht ebenso teuer zu stehen wie eine Sanierung. Das Bad sei noch nicht abgeschrieben, der Rückbau koste.

Parteien äussern sich

Traut man den Gerüchten, die im Ort derzeit für Unsicherheit sorgen, wird es gar nie zu einer Sanierung kommen. Das Bad werde Ende 2020 abgerissen, heisst es, später sollen auf dem Areal Eigentumswohnungen entstehen. Darüber soll auch das Bad-Personal bereits informiert sein. Man munkelt auch, dass das Bad an der Gemeindeversammlung im Juni, obwohl nicht traktandiert, wieder Thema sein werde.

Diese Gerüchte dementiert der Gemeinderat. «Es ist noch gar nichts entschieden», sagt André Müller (FDP), Vorsteher Sicherheit und Umwelt, in ruhigem, sachlichem Ton. «Es gibt keinen Projektierungskredit und kein entsprechendes Traktandum für die Versammlung.» Ende März hat Müller Parteien und Verbände zu einer Informationsveranstaltung über alle Varianten eingeladen und Interessierte durch das Bad geführt. Bis gestern konnten diese im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens ihre Stellungnahmen zu den Varianten einreichen. Der Gemeinderat will aufgrund der Stellungnahmen in den nächsten Wochen entscheiden und einen Antrag an die Gemeindeversammlung formulieren.

Wertvolles Land

Ob das Areal dereinst überhaupt für die Wohnnutzung zur Verfügung stehen könnte, stellten die Studienverfasser infrage. Der Standort ist für eine öffentliche Nutzung vorgesehen, das Land müsste entsprechend umgezont werden. Könnte die Gemeinde das Land als Bauland verkaufen, wäre das lukrativ. Nach Schätzungen der Gemeinde hat es einen Wert von 50 Millionen Franken.

Das Geld könnte die Gemeinde gut gebrauchen. Sie verzeichnet derzeit ebenso hohe Nettoschulden. Zudem stehen weitere Investitionen an, etwa die Überbauung des Beugi-Areals mit bezahlbaren Wohnungen, der Neubau von Kindergärten und die Weiterentwicklung des ehemaligen Pflegeheims am See. Das Beugi-Areal und das Pflegheim am See erachtet der Gemeinderat als denkbare Standorte für ein kleineres Hallenbad mit Schulschwimmbecken.

Erstellt: 16.05.2019, 17:01 Uhr

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