Dem Zauberpilz zum Verwechseln ähnlich – aber gefährlich

Im Zürcher Oberland wachsen psychoaktive Pilze, die bei Drogenkonsumenten sehr beliebt sind. Eine Fachärztin warnt die Sammler vor der Ähnlichkeit mit einem viel giftigeren und heimtückischen Pilz.

Halluzinogen: Die Magic Mushrooms haben eine ähnliche Wirkung wie die Droge LSD.

Halluzinogen: Die Magic Mushrooms haben eine ähnliche Wirkung wie die Droge LSD. Bild: Marco Candeago

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Im Oberland gedeihen Spitzkegelige Kahlköpfe, sogenannte Zauberpilze. Sie werden von den Pilzprüfern als giftig eingestuft. Im Vergleich zu einem anderen Artgenossen – dem Haarschleierling –, der ihnen zum Verwechseln ähnlich sieht, sind sie bei weitem nicht so gefährlich. Cornelia Reichert, Oberärztin beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum mahnt deshalb zur Vorsicht. Anders als die Kahlköpfe hat der Haarschleierling keine halluzinogene Wirkung, sondern kann zu einem Nierenversagen führen. «Tückisch ist dabei, dass dieses oft erst später auftritt. Es kann ein bis zwei Wochen dauern», sagt Reichert.

Die Wirkung der Kahlköpfe und der verwandten Düngerlinge ist mit LSD vergleichbar und tritt zwischen 15 Minuten und zwei Stunden nach der Einnahme ein. «Sie werden zur Bewusstseinserweiterung eingenommen», sagt Reichert. Manchmal stelle sich aber die erhoffte Euphorie nicht ein. Die halluzinogene Substanz Psilocybin könne auch Horrorvisionen und Angstzustände bewirken, die bis zur Todesangst und Panik reichen.

Flashback nach zwei Wochen möglich

Die Ärztin rät in solchen Fällen, den Trip in einer ruhigen Umgebung auszustehen. «Eine gesundheitliche Gefahr besteht wegen des Pilzes grundsätzlich nicht. Ausser jemand will sich im Delirium etwas antun.» Der Angst einflössende Zustand gehe vorüber. «Falls die negativen Auswirkungen aber zu stark sind, besteht die Möglichkeit, sich an einen Arzt oder an ein Spital zu wenden.» Unter medizinischer Aufsicht könne dort ein Beruhigungsmittel Abhilfe schaffen. Laut Reichert ist aber noch Tage oder Wochen nach dem Pilz-Trip ein sogenanntes Flashback möglich.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich jährlich zwischen zehn und zwanzig Personen wegen halluzinogener Pilze gemeldet. «Das ist wenig im Vergleich zu den Jahren zwischen 1998 und 2001.» Die Magic Mushrooms waren damals offenbar hoch im Kurs: 80- bis 100-mal wurde das Informationszentrum in dieser Zeitspanne pro Jahr wegen der Magic Mushrooms kontaktiert.

Kein Pilz bleibt ungeprüft

Während der Herbstmonate halten die Pilzsammler die toxikologischen Experten auf Trab. «Oft kontaktieren uns verunsicherte Personen, die Pilze gesammelt haben und dann über Magenschmerzen klagen», so Reichert. Haben die Pilzler ihre Beute aber bei einer Fachstelle kontrollieren lassen, gingen sie davon aus, dass kein tödlicher Pilz mit dabei war. «Um Klarheit zu schaffen, empfehlen wir dann den Betroffenen, einen Pilzkontrolleur beizuziehen.»

Grundsätzlich gelte: Alle selbst gesammelten Pilze müssen über den Tisch einer amtlichen Kontrollstelle. 2010 haben rund 300 Personen wegen Pilzvergiftungen beim Toxikologischen Informationszentrum Hilfe geholt. In diesem Jahr haben sich bereits rund 330 Menschen mit Pilzen vergiftet.

Erstellt: 14.10.2011, 13:59 Uhr

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Vorsicht beim Pilzen

Die wenigsten Pilze sind essbar, die meisten giftig oder mindestens ungeniessbar. Laut Schweizerischem Toxikologischem Informationszentrum sind Pilzvergiftungen verglichen mit anderen Vergiftungen (Medikamente, Haushaltprodukte) aber selten. Meist haben die Sammler ungeniessbare Pilze für essbar gehalten. Vergiftungen mit halluzinogenen Pilzen kommen während des ganzen Jahres vor.

Bei der Diagnose von Pilzvergiftungen schliessen die Experten vorderhand aus, dass der Betroffene einen Knollenblätterpilz verzehrt hat. Dieser hat entweder schwere Folgen oder ist gar tödlich. Die übrigen Pilzvergiftungen gehen in der Regel nur mit Magen- oder Darmbeschwerden einher. In der Schweiz kommt es jährlich zu höchstens acht Vergiftungen durch Knollenblätterpilze. (pia)

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