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Den Flugpassagieren ist die Lust am Shopping vergangen

Pro abfliegenden Passagier wird am Flughafen Zürich weniger Geld ausgegeben. Der Grund: die vielen Vielflieger. To-go-Produkte sollen es nun richten.

Vor allem Duty-free-Shops und Kioske leiden unter den veränderten Fluggewohnheiten. Bild: Keystone
Vor allem Duty-free-Shops und Kioske leiden unter den veränderten Fluggewohnheiten. Bild: Keystone

Im Juni dieses Jahres gab ein Passagier, der die Sicherheitskontrolle am Flughafen Zürich passiert hat, durchschnittlich 22.50 Franken aus. Vor einem Jahr waren es noch 23.50 Franken gewesen. Ein Trend, wie «20 Minuten» berichtet. Dem Blatt liegen die monatlich erfassten Zahlen vor. Die Ausgaben pro abfliegenden Passagier sind demnach dieses Jahr im Vergleich zu 2018 rückläufig.

Flughafensprecherin Raffaela Stelzer führt mehrere Gründe dafür auf. Einen Auslöser für den Rückgang sieht sie in der Vielzahl an Umbauten im ersten Halbjahr 2019 im Bereich nach der Sicherheitskontrolle – im Fachjargon «luftseitig». «Geschäfte wurden teilweise oder komplett geschlossen, was zu entsprechenden Umsatzeinbussen geführt hat. Betroffen waren insbesondere Duty-free-Shops und Kioskbetriebe.»

«Retail- und Gastrobereich ist ein gesättigter Markt»

Ebenso habe die Eröffnung neuer Shops wie Bottega Veneta und Moncler mehrwöchige Schliessungen zur Folge gehabt. Zudem gab es drei Gastronomie-Neueröffnungen, die ebenfalls mit Komplettschliessungen verbunden waren.

87'000 Passagiere am Tag, 126 Geschäfte: Fakten und Zahlen zum Flughafen Zürich 2018. Video: Tamedia

Stelzer sagt aber auch, dass der Retail- und Gastronomiebereich luftseitig ein gesättigter Markt sei – sprich ein Marktwachstum ist nicht mehr möglich. «Ein Grossteil des Passagierwachstums kommt von Passagieren, die öfter fliegen, und nicht unbedingt von Passagieren, die das erste Mal fliegen. Wenn jemand also mehr als einmal pro Jahr fliegt, kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass jedes Mal im gleichen Umfang konsumiert wird.»

Verstärkter Fokus auf To-go-Produkten

Der Flughafen Zürich wolle wegen der rückläufigen Ausgaben pro Passagier den Geschäftsmix nicht verändern. «Luftseitig konzentrieren wir uns auf Partner im Duty-Free- und Luxusbereich.» Trotzdem wird reagiert, wie Stelzl sagt: «2019 wurde der Fokus auf Gastronomie ‹zum Mitnehmen› mit den oben genannten Neueröffnungen verstärkt.»

Detailhandels-Experte Gotthard F. Wangler sieht im Rückgang der Ausgaben pro Passagier noch einen anderen Grund: «Im Luxussegment haben Preissenkungen stattgefunden. Passagiere müssten also mehr kaufen, um den Vorjahresumsatz zu erreichen.»

«Nur für Passagiere mit Kurzstreckenflug»

Wangler setzt ein grosses Fragezeichen hinter den möglichen Erfolg aufgrund des verstärkten Fokus auf To-go-Produkte: «Solche Produkte kommen sowieso nur für Passagiere infrage, die einen Kurzstreckenflug antreten. Auf Mittel- und Langstrecken ist die Verpflegung im Flugpreis inbegriffen.»

Ob mit To-go-Produkten Umsätze, wie sie früher im Luxusbereich erzielt worden seien, kompensiert werden können, sei fraglich. «Zudem frage ich mich, ob Kurzstreckenpassagiere neben ihrem Handgepäck noch Artikel zum Mitnehmen mit sich herumschleppen wollen.» Der Experte sagt aber auch, dass man zuerst eine Idee prüfen müsse, um sie zu verwerfen oder tatsächlich umzusetzen.

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