Der «Arbeiterzmittag» auf der Bahnhofbrücke war nicht bewilligt

Die Unia hat die Zürcher Bahnhofbrücke mit einem Festbetrieb für den Verkehr gesperrt. Die Stadtpolizei prüft eine Verzeigung.

Grossprotest: Rund 2000 Bauarbeiter ziehen durch Zürichs Innenstadt. (Video: Tamedia)

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Den Demonstrationszug von mehreren tausend Bauarbeitern am Dienstagmittag in der Zürcher Innenstadt haben die Gewerkschaften Unia und Syna von langer Hand geplant und von der Stadtpolizei eine Bewilligung eingeholt.

Allerdings hat die Unia beim Verfassen des Gesuchs verschwiegen, dass sie plante, die Bahnhofbrücke zum Abschluss des Umzugs für zwei Stunden mit einem Festbetrieb für den Verkehr vollständig zu blockieren. Das hält Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei auf Anfrage fest. Man prüfe eine Verzeigung. Die Unia muss deshalb mit einer Geldbusse rechnen.

Die Gewerkschaft rechtfertigt das Verschweigen des «Arbeiterzmittags» auf der Bahnhofbrücke – es gab Kartoffelstock und Pouletgeschnetzeltes – mit dem Recht auf Spontanität. «Die lassen wir uns nicht nehmen», sagt Unia-Sprecher Lorenz Keller. Man hätte den Umzug auf der Brücke ja auch einfach anhalten können – ohne einen Zmittag zu servieren. Trotz der Aktion habe der bewilligte Zeitplan fast eingehalten werden können.

«Behinderung für rechtschaffende Angestellte»

Wegen der Verköstigung der Umzugsteilnehmer blieb die Brücke zwischen den wichtigen Verkerhsknotenpunkten Hauptbahnhof und Central für rund zwei Stunden gesperrt. Nicole Barandun-Gross, CVP-Kantonalpräsidentin und Präsidentin des Zürcher Gewerbeverbandes (GVZ), sprach sich in einer Mitteilung im Namen des GVZ gegen die Aktion aus. Es sei zu schwersten Verkehrsbehinderungen und somit auch zu Beeinträchtigungen «für alle rechtschaffende Angestellten in anderen Branchen» gekommen, die mit den Anliegen der Unia nichts am Hut hätten. Nicht akzeptieren könne man auch, dass zwei Dienstabteilungen der Stadt im Vorfeld des Streiktages die Baufirmen dazu aufgerufen hätten, ihre Arbeit niederzulegen. «Wir protestieren in aller Form gegen diese Parteinahme.»

Lorenz Keller von der Unia ist stolz darauf, dass es bei der Demonstration zu keiner einzigen Sachbeschädigung gekommen sei. Die Reaktion der Bevölkerung auf die Demo und die spontane Verköstigung sei zum allergrössten Teil positiv gewesen. «Und nicht zuletzt haben wir die Bahnhofbrücke kurz darauf besenrein an die Stadt übergeben können.»

Erstellt: 07.11.2018, 18:56 Uhr

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