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Der falsche Weg

Problematisch, wenn das Spital den Belegarzt nicht aus medizinischer Notwendigkeit engagiert, sondern einzig, damit er die Betten füllt.

MeinungSusanne Anderegg

Belegärzte haben im Schweizer Gesundheitswesen eine lange Tradition. Sie stehen für das Unternehmertum in der Ärzteschaft. Belegärzte heissen sie, weil sie mit den Patientinnen und Patienten aus ihrer Privatpraxis zum Operieren in die Spitäler – meist in Privatkliniken – gehen und deren Operationssäle und Betten belegen. Dass sie dies nun zunehmend auch in öffentlichen Spitälern tun, ist differenziert zu beurteilen.

Viele öffentliche Spitäler schliessen Belegarztverträge mit Spezialisten, die ein kleines Fachgebiet abdecken, für das es sich nicht lohnt, Ärzte einzustellen. Oft sind diese Spezialisten auch bereit, Pikettdienste zu leisten. Für das Spital ist das eine günstige Lösung, und der Belegarzt hat einen Ort seines Vertrauens, wo er operieren kann. Eine gute Sache für beide also.

Problematisch wird es, wenn das Spital den Belegarzt nicht aus medizinischer Notwendigkeit engagiert, sondern einzig, damit er die Betten füllt. Wenn es also lediglich darum geht, die Auslastung zu erhöhen. Sowohl das Spital wie der Arzt haben davon einen finanziellen Vorteil. Die Rechnung zahlen andere: der Staat und die Krankenkassen, das heisst die Prämienzahler. Die Gesundheitskosten steigen.

Das Gesundheitswesen ist ein Angebotsmarkt: Je mehr Ärztinnen und Spitäler es gibt, desto mehr wird behandelt – manchmal unnötigerweise. Spitäler, die zu gross gebaut haben, würden besser ihre Kapazität zurückfahren, statt Belegärzte zu akquirieren.

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