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Der Gratwanderer

Pavel Lüthi (22) ist Kleinkinderzieher und geht deswegen nicht mehr bei Rot über die Strasse.

Traumjob gefunden: Pavel Lüthi im Hort des Schulhauses Milchbuck.
Traumjob gefunden: Pavel Lüthi im Hort des Schulhauses Milchbuck.
Sophie Stieger

Herr Lüthi, wie lautet Ihr Rezept gegen schlechte Montagslaune?

Ich habe selten schlechte Laune, nur schon deshalb, weil mein Wecker erst um neun Uhr klingelt.

Wo wären Sie gerade lieber als hier?

In Peru. Mein Vater ist vor ein paar Monaten nach Lima gezogen und lebt jetzt wenige Meter vom Strand entfernt. Ich vermisse ihn, die Kultur und die tolle Küche.

Worauf kommt es an in Ihrem Job?

Man muss den Kindern etwas mitgeben wollen, der Job braucht Hingabe und wohl etwas Talent, mit Kindern umzugehen. Dazu sollte man theoretisches Wissen über kindliche Entwicklung und Didaktik mitbringen. Trotzdem wird man immer wieder überrascht: Einmal habe ich auf dem Pausenplatz eine buhende Versammlung von Schülern beobachtet. Zwei Knaben dieser Gruppe rauften sich. Ich trennte sie und lief mit dem einen mit, den ich vom Mittagstisch kannte. «Mann, Pavel, du Totsch, jetz meined alli, dass ich s Weichei bin!», klagte der. Es ist oft eine Gratwanderung, zum Wohle des Kindes zu entscheiden.

Ist das Ihr Traumjob?

Ich habe das KV begonnen, dann aber gemerkt, dass das Büro nichts für mich ist. Ich wollte draussen sein, etwas Sinnvolles tun. Das Schulhaus Milchbuck ist pädagogisch gesehen eine sehr moderne Schule. Und das Klima im Team gefällt mir. Also ein Traumjob. Auch ein wenig, weil ich jetzt auf die Dachterrasse darf, die nur den Lehrern vorbehalten ist.

Was bevorzugen Sie: städtische Horte oder Privatkrippen?

Ich habe früher in einer privaten Kinderkrippe gearbeitet. Man kann die beiden Arten von Institutionen nicht wirklich vergleichen. In Krippen sind die Kinder zwischen 24 Monaten und 4 Jahren alt. Der Hort ist für die Betreuung von Kindergartenkindern und Schülern vor und nach der Schule zuständig.

Was ist das Schlimmste, was in Ihrem Job passieren kann?

Eine tiefe Geburtenrate würde mir zu schaffen machen. Im Ernst, es wäre für mich schwer zu verdauen, wenn sich ein Kind schwer verletzen würde, weil ich unaufmerksam war.

Erkennen Sie an sich Anzeichen einer Deformation professionelle?

Ist ein Kind in meiner Umgebung, bin ich aufmerksamer als früher. Nähert sich ein Kind einer befahrenen Strasse, sehe ich das sofort und bin dort, bevor es den Randstein erreicht hat. Weil ich eine Vorbildfunktion habe, gehe ich auch nicht bei Rot über die Strasse, wenn gegenüber ein Kind wartet.

Welche Anekdote werden Sie noch im Altersheim erzählen?

An einem meiner ersten Arbeitstage fragte mich eines der Mädchen, ob ich eine Freundin hätte. Ich schüttelte den Kopf. Es musterte mich, nickte wissend, und sagte: «Dann bist du also schwul.» So schnell geht das.

Zürich wäre eine bessere Stadt wenn . . .

. . . es günstigeren Wohnraum gäbe.

Pavel Lüthi beendet diesen Sommer im Schulhaus Milchbuck seine Ausbildung zum Fachmann für Betreuung im Fachbereich Kinder.

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