Der Kanton testet Mehlwurm-Burger

Das Kantonale Labor hat zum ersten Mal Lebensmittel aus Insekten genauer untersucht. Zu beanstanden hatte es dabei nichts.

Auch Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken gehören neu zum Arbeitsbereich der Lebensmittelinspektoren. Foto: Kantonales Labor

Auch Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken gehören neu zum Arbeitsbereich der Lebensmittelinspektoren. Foto: Kantonales Labor

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit vergangenem Jahr sind Mehlwürmer, Wanderheuschrecken und Hausgrillen als Lebensmittel zugelassen. Folgerichtig unterstehen sie auch der Lebensmittelkontrolle. Dafür hat das Kantonale Labor neue Analyseverfahren entwickelt, mit denen zum Beispiel überwacht werden kann, ob nur die zugelassenen Insektenarten verarbeitet wurden. Wie das Kantonale Labor in seinem gestern veröffentlichten Bericht aufzeigt, haben die von ihm vorgenommenen Stichproben eines Mehlwurm-Hamburgers, von Mehlwurm-Fleischbällchen und eines Sportriegels aus Grillenmehl keinen Anlass zu Beanstandungen gegeben.

Es handelte sich um die besagten Insekten, und mikrobiologisch waren die Produkte tadellos. Was allerdings nicht überprüft werden konnte, sei, ob bei der Aufzucht die strengen lebensmittelrechtlichen Vorgaben eingehalten wurden.

Weniger positiv fällt die Bilanz bei gekochtem Schinken und Aufschnitt aus. Das Labor titelt in seinem Bericht: «Schinken macht Bakterien froh . . . und der Aufschnitt ebenso.» In vier von vierzehn Schinkenproben wurden zu viele schädliche Keime festgestellt, eine davon war verdorben. Auch vier von fünfzehn Aufschnittproben genügten den Anforderungen nicht.

Giftiges Gemüse

Das Kantonale Labor hat letztes Jahr über 19'000 Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände und Wasserproben untersucht. Leicht mehr als im Vorjahr. Von 18 500 lebensmittelrechtlich beurteilten Proben wichen 8,5 Prozent von den gesetzlichen Vorgaben ab. Das liegt im üblichen Rahmen – im Vorjahr waren es 9,3 Prozent. Allerdings hat das im letzten Jahr eingeführte neue Schweizer Lebensmittelrecht einen Systemwandel gebracht: Neu ist nicht mehr alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist, sondern alles erlaubt, was nicht explizit untersagt wird. Das gewähre den Betrieben zwar mehr Raum für Kreativität, bringe aber auch mit sich, dass diese stärker in die Pflicht genommen seien, führt der Kantonschemiker Martin Brunner aus. Für die Arbeit seines Teams bedeute das, dass neben den eigentlichen Kontrollen der Produkte die Überprüfung der Prozesse und der Selbstkontrollkonzepte wichtiger würden.

Schwierig oder gar unmöglich ist dies allerdings bei importiertem Gemüse aus Asien. Hier lautet das Fazit des Kantonalen Labors: «Nach wie vor giftiges Gemüse aus Asien.» Die Lebensmittelinspektoren entnahmen 257 Proben von aus Asien eingeführten Früchten und Gemüsen, 30 Prozent waren zu beanstanden, einige davon mussten gar klar als giftig eingestuft werden. In diesen Fällen erfolgte Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Nicht gesundheitsschädlich, aber geschmacklich negativ verändert war die Hälfte der vierzehn überprüften Proben, welche die Tester von Olivenölen entnahmen, welche in Restaurants auf dem Tisch stehen, damit die Gäste ihren Salat selbst anmachen können. Licht und Sauerstoff lassen Olivenöl schnell ranzig werden. Das Labor rät den Restauratoren daher, die geöffneten Flaschen kühl und dunkel zu lagern, wenn sie nicht gebraucht werden.

Mehr Fett als angegeben

435 der rund 4500 Gastronomiebetriebe wurden genauer unter die Lupe genommen. Drei Viertel bestanden die Prüfung, die anderen mussten mindestens einmal nachkontrolliert werden. Dieser Wert ist leicht schlechter als 2016, wo in acht von zehn Betrieben nichts zu beanstanden war. Das Kantonale Labor überprüft aber nicht nur die Qualität der Produkte, sondern auch die Deklarationen wie etwa Nährwert und Zutaten: Bei rund einem Drittel der Proben war die Kennzeichnung mangelhaft. «Dabei scheinen die Grenzen zwischen kreativem Marketing, Täuschung und Betrug zu verwischen», heisst es im Bericht.

So wurden beispielsweise 225 Proben auf ihren Fettgehalt hin untersucht, in zehn Fällen wich der deklarierte Wert über Gebühr stark vom Messresultat ab – neunmal war er klar zu niedrig. Gleich acht von elf getesteten Nahrungsergänzungsmitteln entsprachen nicht den Anforderungen – bei vieren stimmte die Deklaration nicht, was zu falschen Dosierungen führen kann. In einem Produkt überschritt sowohl der gemessene wie auch der angegebene Iodgehalt die zulässige Tageshöchstmenge bereits mit einer Portion – empfohlen wurden zwei bis drei Portionen täglich.

Auch Tattoo-Studios im Fokus

Untersucht werden jeweils auch Trink- und Badewasser. Das Trinkwasser sei gut ausgebaut, zuverlässig und sicher, heisst es im Bericht. Die Schwimmbäder jedoch schnitten gegenüber den Vorjahren schlechter ab, weil neu ein Höchstwert für das Desinfektionsnebenprodukt Chlorat gilt. Das Wasser aus 246 Hallenbad- und 195 Freibadbecken wurde überprüft: Der Chloratwert war in 54 (Hallenbad) beziehungsweise 113 (Freibad) Becken zu hoch. In den Hallenbädern wiesen 30, in den Freibädern 15 Prozent der getesteten Becken zu viel Harnstoff auf.

Neuerdings müssen sich auch Tattoo-Studios beim Kantonalen Labor zur Kontrolle melden, was offenbar noch nicht bei allen registriert wurde. Erste Inspektionen stellen ihnen aber ein gutes Zeugnis aus. Die Hygiene werde ernst genommen, heisst es im Bericht. Problematischer sei aber teilweise die Qualität der Farben, die ohne Zertifikate im Ausland bestellt würden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2018, 21:44 Uhr

Artikel zum Thema

Mehlwürmer in der Falafel

Die Mensa der Universität Basel bot am Dienstag ihr erstes Gericht mit Insekten an. Mehr...

Die Mission der Insektenfreunde

Dass in der Schweiz Würmer und Grillen nun als Lebensmittel zugelassen sind, ist ein Lehrstück für effektives Lobbying. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Neue Perspektiven der Schweiz erleben

Die Air Zermatt AG und der Autovermieter Hertz sorgen für eine sichere und erlebnisorientierte Mobilität, die neue Perspektiven eröffnet.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Täuschung: Der Roboterandroid Totto ist der japanischen TV Ikone Tetsuko Kuroyanagi nachempfunden. Er wurde im Rahmen des Weltroboterkongresses in Tokio präsentiert. (17.Oktober 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...