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Der Kebab-König glaubt nicht mehr an den Döner

Der einst zweitgrösste Kebab-Produzent im Land schliesst sein Restaurant am Hirschenplatz – und eröffnet ein Steakhouse. «Weil die Zeit des Döners vorbei ist.»

Ausverkauf: Der Food-Point am Hirschenplatz schliesst Ende Monat und soll bald als Steakhouse neu eröffnet werden.
Ausverkauf: Der Food-Point am Hirschenplatz schliesst Ende Monat und soll bald als Steakhouse neu eröffnet werden.
Lorenzo Petrò

14 Jahre lang hat Keyfo Iscen auf zwei Etagen an der Köngengasse im Niederdorf Kebab verkauft. Doch Ende März ist Schluss damit: Zum Aktionspreis von 7 Franken gehen derzeit die letzten gefüllten Brottaschen und Fladenbrote über die Theke. «Die Zeit des Kebabs ist vorbei», ist Iscen überzeugt. Diese Aussage aus dem Mund von Iscen ist bemerkenswert. Nach der Jahrtausendwende verarbeitete Iscens Unternehmen Kings Kebab über 1000 Tonnen Kalbfleisch pro Jahr zu Kebab-Spiessen und belieferte 350 Stände mit seinen Produkten. Er war damit der zweitgrösste Produzent im Land.

Nun also will Kebab-König Iscen dem Döner ganz entsagen und auf den zwei unteren Etagen seiner Liegenschaft etwas «Edleres» eröffnen. Ein Imbiss passe nicht mehr an den «neuen» Hirschenplatz, sagt Iscen. Im April wird umgebaut, Anfang Mai neu eröffnet. Was es denn genau werden soll, möchte der Inhaber nicht verraten. Doch in der Nachbarschaft haben sich die Gerüchte bereits zur Gewissheit verdichtet: Ein Steakhouse soll es sein. Iscen hat in den letzten Jahren die oberen Geschosse seiner Liegenschaft zum Hotel umgebaut. Im Restaurant, so seine Idee, würden sich auch seine Hotelgäste eher verpflegen.

Auch das New-Point-Imperium serbelt

Iscens Absage an den Kebab hat handfeste wirtschaftliche Gründe: Das Geschäft mit Kebab-Buden wird in der Innenstadt immer schwieriger. Die New-Point-Kette, einst der Zürcher Platzhirsch, ist von einst acht Restaurants in der Stadt auf fünf zusammengeschrumpft: Er wolle sich auf kleine Imbisse mit zahlbarer Miete konzentrieren, sagte Inhaber Erdogan Gökduman, dem Redaktion Tamedia vor einem Jahr. Die letzte Filiale hat er in Dietikon eröffnet. Gökduman, einst gefeierter Selfmade-Millionär, ist für den Redaktion Tamedia derzeit nicht zu sprechen.

Das Problem der Branche: Übersättigung, gerade im Niederdorf. Mehr Touristen, weniger Einheimische, weniger Schüler, sagt Imbissbesitzer Sahin Kara. Zudem ist Kalbfleisch, die Grundlage eines klassischen Plätzchen-Döners, in den letzten Jahren stetig teurer geworden. Von 35 Franken das Kilo im Jahr 1995 stieg der Preis auf 50 Franken im Jahr 2015. «Auch die Saucen sind nicht gratis und die Zubereitung aufwendig.» Über 15 Franken müsste ein qualitativ guter Kebab seiner Berechnung nach kosten. So etwas für 9.50 zu verkaufen, sei ein Verlustgeschäft. Auch wenn der Kebab nicht verschwinde, und ausserhalb der Stadt durchaus noch Wachstumspotential vorhanden sei, so würde Kara keinem empfehlen, heute noch mit Döner anzufangen, sonder neue Konzepte auszuprobieren.

Pasta bringt bessere Margen

Kara hat schon vor Jahren seinen Drehspiess abmontiert und seine kleine Bude am Stauffacher zur Pasta-Station umgebaut. Auf diesen Zug sind inzwischen einige umgestiegen. Am Stauffacher wurde inzwischen auch eine Filiale der Pastakette Tschingg eröffnet. Sahin setzt auf eine Vielzahl von Pastagerichten, die frisch zubereitet und nicht bloss mit Sauce vermischt werden wie bei der Konkurrenz. Und neuerdings verkauft er im angrenzenden Kiosk – wie künftig der Kebab-King Iscen – Burger und Steaks.

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