Zum Hauptinhalt springen

Kilchberger Pfarrerin greift höchsten Reformierten an

Die #MeToo-Debatte erreicht die Reformierten: TV-Pfarrerin Sibylle Forrer thematisiert eine heikle Aussage von Gottfried Locher.

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Pfarrerin Sibylle Forrer.
Nimmt kein Blatt vor den Mund: Pfarrerin Sibylle Forrer.
Tom Kawara

Sibylle Forrer ist 37-jährig und reformierte Pfarrerin in Kilchberg. Dass ihre Worte Gewicht haben und gehört werden, hat damit zu tun, dass sie bis vor kurzem das «Wort zum Sonntag» am Schweizer Fernsehen sprach. Und dies nach weitverbreiteter Meinung von Journalisten «unerschrocken und erfrischend». Wobei diese wohl das Gesamtbild der jungen Pfarrerin vor Augen hatten. Vor allem gefiel, dass Forrer kein Blatt vor den Mund nehme und Klartext spreche.

Nicht immer aber ist ihr selber der Klartext anderer genehm. So stösst sie sich gewaltig daran, dass Gottfried Locher, der höchste reformierte Schweizer, 2015 kein Blatt vor den Mund nahm. Er, der im Juni zum dritten Mal an die Spitze des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds gewählt werden soll, wird von der eigenen, in einem Buch geäusserten Aussage verfolgt: «Befriedigte Männer sind friedliche Männer. Darum sage ich: Wir sollten den Prostituierten dankbar sein.» Der drei Jahre alte Ausspruch sorgt bis heute, frisch genährt von der #MeToo-Debatte, für Kritik und Empörung bei Feministinnen.

Forrer jedenfalls wetterte in der «Rundschau» vom Mittwoch in einem Beitrag vor Lochers Wiederwahl: Konsequent weitergedacht, heisse das für Frauen, «dass sie den Männern zur Verfügung stehen müssen, wenn wir eine friedliche Welt und friedliche Männer wollen». Das sei nicht nur verletzend für Frauen, sondern auch frauenverachtend, nehme den Frauen die Würde. Als Wortführerin der Verunglimpften setzte Forrer auf Twitter ironisierend einen drauf: «Der IS, der sich zur Befriedigung der Männer Sexsklavinnen hält, ist eine äusserst friedliche Organisation.»

Die Debatte wird auf den sozialen Medien weiterdrehen, genregerecht aggressiv und gereizt.

Als hätte Gottfried Locher mit seinem saloppen Ausspruch das alles mitgemeint. Der Berner Pfarrer ist gerade bekannt dafür, Worthülsen zu meiden und den politisch korrekten Mainstream in der Kirche schon mal zu kitzeln. Leider mag er sich jetzt nicht mehr zur beanstandeten Aussage äussern.

Darum twittert Forrer, es sei ein «Armutszeugnis», dass der Mann, der die Stimme der reformierten Kirche sein wolle, sich nicht stelle. Das müsse er tun vor der Wiederwahl ins Spitzenamt seiner Kirche, die sich zur Geschlechtergerechtigkeit bekenne. Es sei viel Angst da, weshalb kein Gegenkandidat zu Locher portiert werde.

Die Debatte wird auf den sozialen Medien weiterdrehen, genregerecht aggressiv und gereizt. Da wünscht man sich den erfrischenden Ton Forrers zurück, den sie als Pfarrerin, Religionslehrerin, Jugendarbeiterin und «Wort zum Sonntag»-Predigerin anzuschlagen pflegte. Als sie beim Thema «Ehe für alle» sagte, die Hauptsache sei die Liebe, egal, ob in heterosexuellen oder gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, heimste sie viel Sympathie ein und einen Rekord von 8500 Klicks.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch