Was für ein Murks!

Wenn es um die Fliegerei geht, ziehen die Anwohner regelmässig den Kürzeren. So auch in Dübendorf.

Das Siedlungsgebiet grenzt in Dübendorf direkt an den Flugplatz an. Bild: Urs Jaudas

Das Siedlungsgebiet grenzt in Dübendorf direkt an den Flugplatz an. Bild: Urs Jaudas

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Es klingt schon ziemlich peinlich. Da beschliesst der Bundesrat, auf dem Militärflugplatz Dübendorf künftig Geschäftsflieger anzusiedeln. Er macht eine Ausschreibung und erteilt danach der Flugplatz Dübendorf AG eine Betriebsbewilligung. Und jetzt, fünf Jahre später, stellt er fest: Oha, es gibt da ein paar Probleme mit den Überflugrechten. Was dem Militär erlaubt ist, das ist nicht einfach auf eine Privatfirma übertragbar. Die Folge sind mindestens vier bis fünf Jahre Verzögerung.

Das hätten die Verantwortlichen früher merken können. Ja, vielleicht hätten sie es sogar merken müssen. Dasselbe gilt für die Erkenntnis, dass ein Flugbetrieb in Dübendorf doch mehr Einfluss auf den Betrieb am Flughafen Zürich haben könnte als gedacht. Dennoch: Von einem Pfusch zu reden, wie das die Grünen tun, ist überspitzt.

Ein ungutes Gefühl

So grosse Projekte, die unzählige Akteure auf allen staatlichen Ebenen involvieren, die x Ämter betreffen und bei denen wer weiss wie viele Gesetze und Vorschriften zu berücksichtigen sind, haben es an sich, dass mitunter solche Stolpersteine auftauchen. Und die Fliegerei ist in dieser Hinsicht erfahrungsgemäss eine besonders komplizierte Materie. Es ist so gesehen bezeichnend, dass derjenige, der sich am meisten über die Verzögerung ärgern müsste, die Sache gelassen nimmt. Es sei richtig, dass der Bund alle offenen Fragen sauber kläre, sagt Urs Brütsch, Chef der Flugplatz Dübendorf AG.

Der Bund und die Flugindustrie drücken ihre Interessen durch – selbst wenn das Resultat ein Murks ist.

Trotzdem hinterlässt die Sache ein ungutes Gefühl, weil sie bezeichnend ist für das, was die Anwohner in Dübendorf, aber auch am Flughafen Zürich immer wieder erleben: dass der Bund und die Flugindustrie ihre Interessen durchdrücken – selbst wenn das Resultat ein Murks ist. Das Eingreifen von Simonetta Sommaruga sorgt nun immerhin dafür, dass alles in korrekten Bahnen läuft. Für die Anwohner ist das aber keine wirklich gute Nachricht: Erhält der Flugplatz eine Konzession, so müssen sie die Überflüge künftig widerspruchslos dulden. Wenn auch später als befürchtet.

Erstellt: 28.11.2019, 16:08 Uhr

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