Der Mann, der den Weihnachtsstern erfand

Den Schweifstern über dem Jesuskindlein kreierte vor 700 Jahren ein Italiener, erklärt Walter Krein. Der Winterthurer Astronom über den Dezemberhimmel und seine Mysterien.

Schaut Walter Krein durchs Teleskop, staunt er. Und er verspürt Ehrfurcht. Video: Stadt-Mensch.ch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Walter Krein ist seit 55 Jahren ein begeisterter Astronom. In Winterthur zu Hause, verbringt der pensionierte Elektroingenieur viel Zeit im Engadin. An Weihnachten wird er wieder einmal vom Dach der Sternwarte in Samedan den Himmel betrachten. Selbst wenn die Temperatur unter 20 Grad minus fallen sollte.

Was prägt derzeit das Firmament? Hauptsternbild sei in diesen Wochen der Orion, sagt Krein. Er erzählt vom Pferdekopfnebel, der zum markanten Orion gehört. Der Pferdekopfnebel, der wirklich so aussieht, wie der Name es besagt, widerspricht dem, was wir normalerweise mit «Himmel» assoziieren.

Ein Stern wird geboren

Ruhig ist in dem Nebel gar nichts. Vielmehr handelt es sich um eine gewaltige Turbulenz von Gasen und Sternenstaub. In dem kosmischen Wirbel kann es geschehen, dass sich ein Punkt verdichtet, schwerer wird, andere Masse anzieht – so wird ein Stern geboren.

Genau diese Dynamik fasziniere ihn am Himmel immer wieder; die Grösse, die Schönheit, die Abgründigkeit und Monstrosität der Sterne sei in einem Menschenleben nicht zu erfassen, findet Krein. Seine Gefühle als Beobachter beschreibt er so: «Extremes Staunen und extreme Ehrfurcht im Wechsel, das hört nie auf.»

Giotto und der Komet

Und wie ist das jetzt mit dem Stern von Bethlehem, der einst die Magier aus dem Morgenland zum Jesuskind führte? Astronomisch nachweisbar sei der Stern nicht, sagt Krein. Allenfalls hätten die Menschen damals eine grosse Konjunktion gesehen: ein paar sich für eine gewisse Zeit nahe stehende Planeten. Einen hellen Fleck.

Den Weihnachtsstern mit dem drastischen Schweif, wie wir ihn im Kopf haben, schuf ein Italiener. Giotto, der Künstler aus Florenz, erblickte vor sieben Jahrhunderten den Halleyschen Kometen, es war ein ergreifendes Schauspiel. In seiner berühmten «Anbetung der Könige» malte er die Krippenszene mit einem Halley-artigen Schweifstern.

Mehr über Walter Krein und den Weihnachtshimmel lesen Sie morgen im gedruckten Tagi. Das Filmporträt zu diesem Beitrag entstand in der Semper-Sternwarte der ETH Zürich. In ihr ist heute die Forschungseinrichtung Collegium Helveticum untergebracht.

Erstellt: 18.12.2016, 13:02 Uhr

Artikel zum Thema

Weisse Weihnachten bleiben ein Traum

Die Wahrscheinlichkeit, dass es ordentlich Schnee an Weihnachten gibt, beträgt dieses Jahr fünf Prozent. Schuld ist das stabile Hochdruckgebiet. Mehr...

Weihnachten macht auch vor Stararchitektur nicht halt

Das Landesmuseum und sein neuer Erweiterungsbau in Zürich werden abends festlich beleuchtet. Das gefällt nicht allen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fliegende Körner: Ein Bauer erntet Reis auf einem Feld in Nepal. (15. November 2019) A farmer harvests rice on a field in Lalitpur, Nepal November 15, 2019.
(Bild: Navesh Chitrakar ) Mehr...