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Der nächste Fall ist leider absehbar

Nach dem Ehedrama in der Tiefgarage in Dietlikon wird deutlich: Die absolute Sicherheit gibt es nicht.

Elektronische Fussfesseln, Zwangstherapien, die lückenlose Überwachung von Gewalttätern: Die Forderungen von Politikern und der Öffentlichkeit gleichen sich jeweils, wenn wieder ein krasser Fall von häuslicher Gewalt bekannt wird. Dabei zeigt das jüngste Beispiel in Dietlikon – ein Mann schiesst auf seine Frau und verletzt sie schwer, danach tötet er sich selbst –, dass es auch Beispiele gibt, bei denen es beim besten Willen und mit der grössten Anstrengung nicht gelingt, einen Täter zu stoppen, wenn dieser nur noch ein Ziel hat: seine Ehefrau zu töten.

Bei dem Täter in Dietlikon haben die Behörden das ganze Repertoire aus dem Bereich Gewaltschutzgesetz angewendet: Rayon- und Kontaktverbot, Festnahme und mehrwöchige Untersuchungshaft. Trotzdem konnten sie die Tat nicht verhindern. So effizient elektronische Fussfesseln in bestimmten Fällen auch sein mögen, im Beispiel Dietlikon hätte auch dieses Mittel nichts genützt. Dies ist die traurige Realität.

Der Kanton Zürich unternimmt einen weiteren Schritt, Gewalttäter frühzeitig zu erkennen: Mit der geplanten standardisierten Risikoanalyse sollen Behörden anhand von 16 Fragen relativ schnell prüfen können, ob eine Drohung ernst gemeint oder bloss dahergesagt ist. So lobenswert diese Bemühungen sind: Der nächste Fall tödlicher häuslicher Gewalt ist leider absehbar. Die absolute Sicherheit gibt es nicht.

Dies zu akzeptieren, fällt schwer – deshalb suchen Medien und Politiker nach jedem Fall nach Fehlentscheiden bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Sozialbehörden, kurz: nach Schuldigen. So brutal es klingt, solche Fälle können auch mit so einem ausgeklügelten Präventionssystem nicht immer vermieden, höchstens verringert werden. Wer eine Todesdrohung ausstösst, kann nicht präventiv jahrelang aus dem Verkehr gezogen werden. Und unsere Justiz kann auch nicht all jene 400 bis 500 Personen, die im Kanton Zürich jedes Jahr wegen Drohungen angezeigt werden, auf Vorrat wegsperren.

Einen – wenn auch schwachen – Lichtblick in der ganzen Problematik häuslicher Gewalt aber gibt es: Die Opfer gehen schneller zur Polizei. Zumindest trauen sie sich vermehrt, sich zu wehren.

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