Der Outdoormarkt ist ein hartes Pflaster

Der Zürcher Zelthersteller Spatz gibt auf. Für Branchenkenner ist klar, woran die Firma gescheitert ist.

Sport und Spass im Freien: Wandern ist bei den Schweizern besonders beliebt – auch im Schnee.

Sport und Spass im Freien: Wandern ist bei den Schweizern besonders beliebt – auch im Schnee. Bild: Keystone

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Die Nachricht vom Ende des Zeltherstellers Spatz hat bei den Leserinnen und Lesern von Tagesanzeiger.ch vor allem eines ausgelöst: Bedauern. Für viele sind die markanten, rehbraunen Zelte der Inbegriff von Campingferien und Jugendlagererinnerungen. «Spatz-Zelte haben mich seit Anfang der Siebziger begleitet», schreibt beispielsweise Ernst Gabathuler, und Martin Lienert erinnert sich daran, wie er 1975 mit dem Geld seiner Pfadi-Gruppe Biber das erste eigene Spatz-Vorzelt fürs Lager im Bündnerland gekauft hat.

Für Mischa Lauffenburger geht mit dem Spatz-Aus eine Ära zu Ende. «Ach, was war das für ein Wunderladen. Was sie nicht hatten, konnten sie organisieren.» Auch Julia Marti lobt die «einmalige Spitzenqualität» der Zelte. «Sie halten ein Leben lang.»

Gut für die Kunden und schlecht fürs Geschäft

Genau darin liegt gemäss Outdoor-Bloggerin und Buchautorin Natascha Knecht das Problem. Die Hersteller haben mit der guten Qualität der Materialien den Kunden zwar einen Gefallen getan. Für die Umsätze ist dies aber schlecht. «Eine wetterfeste Jacke kostet 600 Franken und hat eine Lebensdauer von zehn Jahren. Da muss man sich nicht jeden Winter eine neue kaufen.»

In der Branche heisst es laut Knecht denn auch, dass der Höhepunkt im Verkauf erreicht sei, weil sich potenzielle Kunden seit dem Beginn des Outdoorbooms vor einigen Jahren bereits mit allem ausgerüstet haben. Der Markt reagiere nun mit ständig neuen Kreationen und versuche, neue Kreise zu erreichen, so Knecht. «Es geht nicht mehr nur um den klassischen Bergsport, sondern um den Breitensport für die Masse.»

Generell stellt sie «eine gewisse Übersättigung auf dem Markt» fest. Zu viele Geschäfte würden dasselbe anbieten. «Schlussendlich entscheidet man sich dann aufgrund der Preise, der Beratungskompetenz und der Lage des Ladens für den einen oder anderen Anbieter.»

Wichtig: Die zentrale Lage der Läden

Den Standort der Geschäfte erachtet auch Nicole Schenker, Mediensprecherin der Transa Backpacking AG, als enorm wichtig. Das Outdoorunternehmen, das Ende der 70er-Jahre in einer Wohngemeinschaft an der Spiegelgasse in Zürich ins Leben gerufen wurde, verfügt heute über sechs Filialen in der ganzen Schweiz. Anders als die Firma Spatz, die vor zwei Jahren ihre Zelte in Zürich abgebrochen und sie danach in einem Ladenlokal auf dem Richti-Areal in Wallisellen wieder aufgestellt hat, befinden sich die Transa-Geschäfte alle in städtischen Zentren und dort jeweils in der Nähe der Bahnhöfe. «Sie sind auch ohne Auto gut zu erreichen», sagt Schenker.

Noch wichtiger als die zentrale Lage der Läden sei aber die fundierte Beratung. «All unsere Mitarbeiter sind ausgesprochen outdoorbegeistert und haben unsere Materialien selbst auf Touren oder Reisen getestet. Sie wissen also, wovon sie sprechen.»

Beständigkeit der Produktepalette

Ein weiteres Schweizer Outdoorunternehmen, das sich trotz grosser Konkurrenz auf dem Markt behaupten kann, ist die Bächli Bergsport AG. Wie die Transa Backpacking AG und das einstige Familienunternehmen Spatz hat auch Bächli Bergsport seinen Ursprung in Zürich. Heinz und Margrit Bächli haben die Firma 1974 in Volketswil gegründet. Seither hat sich das Filialnetz laufend vergrössert. Das jüngste Geschäft wurde vor zwei Jahren in Thun eröffnet.

Moreno Zmak, Sprecher des Unternehmens, führt ein weiteres Element ins Feld, das bei der Kundenbindung im hart umkämpften Markt entscheidend ist: die Beständigkeit der Produktepalette. Während Spatz sein Sortiment unter anderem mit Outdoorbekleidungen erweitert hat, konzentriert Bächli das Geschäft auch nach über 40 Jahren auf den Bergsport. Im breiten Angebot sowohl für Vollblutbergsteiger als auch für Einsteiger liege die Stärke der Firma, so Zmak.

Dass sich die Firma Spatz mit ihrem Kerngeschäft, der Herstellung und dem Verkauf von robusten, aber auch schweren und teuren Stoffzelten, auf dem Markt hätte halten können, ist allerdings unwahrscheinlich. Zelten ist zwar gemäss Zmak nach wie vor kein Auslaufmodell. Die Materialien hätten sich aber stark verändert. Der Trend gehe immer mehr in Richtung ultraleichte und einfach zu pflegende Bestandteile, sagt Transa-Sprecherin Schenker. «Die Produkte werden laufend weiterentwickelt, sodass diese Entwicklung auch ohne Qualitätseinbussen möglich ist.»

«Es muss auch stylisch sein»

Die Ansprüche der Kunden an die Materialien hätten sich laut Zmak im Verlaufe der Zeit generell verändert. Funktionalität alleine genüge längst nicht mehr. «Es muss auch stylisch sein.» Hinzu komme, dass der Service nicht nur während des Kaufs, sondern auch danach immer wichtiger werde. Angesprochen auf die Outdoorsportarten, die bei den Bächli-Kunden am beliebtesten seien, nennt Zmak klar das Wandern, gefolgt vom Skitourenfahren. Bei den Jüngeren stehe zudem Klettern hoch im Kurs.

«Das Bedürfnis, sich im Freien aufzuhalten, ist nach wie vor sehr gross», sagt auch Schenker. Bei den Schweizer Kunden stagniert die Nachfrage nach Outdoorprodukten jedenfalls nicht. «Im Gegenteil. Ich persönlich habe den Eindruck, dass der Ausgleich durch Bewegung in der freien Natur in der heutigen Leistungsgesellschaft immer wichtiger wird.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.01.2016, 11:35 Uhr

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