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Der Raser, der noch einmal auf die Tube drückte

Statt mit höchstens 80 km/h raste er mit seinem Töff mit 172 km/h über Land. Warum? Das wüsste er auch gerne.

Auf einem solchen Töffmodell war der Raser unterwegs: Eine Honda CBR 900
Auf einem solchen Töffmodell war der Raser unterwegs: Eine Honda CBR 900
Wikimedia Commons

So muss man sich wohl einen Menschen vorstellen, der «in Sack und Asche» vor Gericht steht. Er anerkennt die Anklage, er weiss, wie gefährlich sein Tun war. Auf den Punkt gebracht: «Es war eine idiotische Verhaltensweise.» Das sieht im Andelfinger Gerichtssaal niemand anders.

Anfang August 2016 war der heute 36-jährige Facility Manager mit einer Kollegin auf dem Sozius unterwegs nach Stein am Rhein. Auf der langen geraden Strasse zwischen Waltalingen und Unterstammheim, auf welcher die Polizei gerne und erfolgreich Geschwindigkeiten kontrolliert, nervte ihn ein Automobilist, der knapp unterhalb der 80-km/h-Grenze abwechselnd Gas und Bremse betätigte. Da dreht der 36-Jährige seine Honda CBR 900 auf, überholte, wurde geblitzt und kurz darauf von der Polizei von der Strasse gewinkt.

«Auf dieser Monstermaschine»

Er sei davon ausgegangen, dass er mit etwa 110 bis 120 km/h überholt habe, sagt er vor Gericht. Er habe es erst gar nicht glauben können, als ihm der Beamte das wahre Tempo genannt habe: 172 km/h. «Ich sagte dem Polizisten, er solle die Maschine gleich behalten.» Die Bemerkung war nicht nötig. Die Maschine wurde ohnehin eingezogen und verwertet. Ertrag, nach Abzug aller Kosten: 58.70 Franken - ein mehr als bescheidener Beitrag an die Verfahrenskosten.

Die Raserstrecke: Auf dieser Strasse zwischen Waltalingen und Unterstammheim drückte der Töfffahrer auf die Tube. (Bild: Google Maps)

Dass sich auf der geraden Überlandstrasse «eine gute Gelegenheit zum Überholen» bot, ist natürlich kein Grund, ein mit gut 70 km/h fahrendes Auto gleich mit 172 km/h zu überholen. Dass er der Dame auf dem Sozius imponieren wollte, ist auch nicht anzunehmen. Naheliegender ist, dass er, der bekennende Schönwetterfahrer mit einer jährlichen Fahrleistung von eher bescheidenen 2000 bis höchstens 3000 Kilometern, der Frau mit dem Raserexzess eher einen Schrecken einjagte.

Also, warum? «Ich hatte noch einmal zwei Jahre Zeit, mir Gedanken zu machen», sagt er. Seine Erkenntnis: «Ich muss die Finger davon lassen.» Er werde nie mehr auf eine solche Maschine steigen. Er besuche eine verkehrspsychologische Therapie. Dort hat er offenbar gelernt, dass ein Adrenalinkick zu einem Tunnelblick führt, der die Wahrnehmung trübt. Mit dem Auto habe er noch nie ein Problem gehabt, sagt er, «da steig ich zweimal auf diese Monstermaschine . . .».

Freiheitsstrafe von 18 Monaten

Eben. Es war das zweite Mal. Im Juli 2014 war er im 50-km/h-Bereich bei Egerkingen mit 108 km/h erwischt worden. Auch das ein Rasertatbestand. Der Ausweis war für zwei Jahre weg. Er erhielt ihn Anfang Juli 2016 zurück. Anfang August 2016 war er auf dem Weg nach Stein am Rhein.

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Dass es das Bezirksgericht Andelfingen mit einem rückfälligen Raser zu tun hat, zeigte sich im Strafmass. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Davon muss er sechs Monate unbedingt absitzen. Dazu kommt der Widerruf einer bedingten Geldstrafe, die zusammen mit den Gerichts- und Untersuchungskosten über 11 000 Franken beträgt. Die Höchstgeschwindigkeit wurde in «massivster Weise überschritten, wie man es selten sieht», hielt das Gericht fest.

Der Ausweis ist auf unbestimmte Zeit weg. Und kommt so lange nicht zurück, bis der 36-Jährige weiss, weshalb er zu «idiotischen Verhaltensweisen» neigt.

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