Der Robodoktor kommt

Ein Roboter checkt die Handhygiene, ein anderer versiegelt Blutgefässe: Das Unispital Zürich gewährt an den Informatiktagen Einblick in neue Techniken.

Im Universitätsspital werden Krebstumore mithilfe des Da-Vinci-Roboters operiert. Video: Lea Koch

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Daniel Eberli sitzt leicht vornübergebeugt am Steuergerät. Den Blick auf das Geschehen auf dem Operationstisch gerichtet. Am Bildschirm des Operationsroboters Da Vinci sieht der Leitende Arzt des Universitätsspitals Zürich (USZ) den Arbeitsplatz bis zu zehnmal vergrössert und dreidimensional. Seine Daumen und Zeigefinger halten virtuelle Instrumente. Dreht der Urologe daran, bewegt er sie im Raum oder drückt sie zusammen, führen die Arme am Roboter über dem Operationstisch nebenan die exakt gleichen Bewegungen aus. Eberli nimmt eine Nadel auf, sticht ins Gewebe. Heute, zu Demonstrationszwecken, ist es ein Stück grauer Schaumstoff. Er zieht den Faden durch, verknotet ihn geschickt.

Knüpfen geht leichter und mindestens so schnell wie von Hand. Auch weil der Roboter seinen Arm dreimal im Kreis drehen kann. Zudem hat Da Vinci – anders als Eberli – vier Arme. Per Fusskick wechselt der Chirurg zwischen den Instrumenten. Mit einem Pedal kann er den Strom für ein elektrisches Messer regulieren oder ihn zum Veröden von Blutgefässen einschalten. «Am Roboter wird deshalb in Socken operiert.» Fröhlich weisse, mit grossen, farbigen Punkten sind es heute in Eberlis Fall. In den OP-üblichen Gummischlüpfern hätte er schlicht zu wenig Gefühl.

Es fliesst kaum Blut

Die grösste Entlastung für Eberli und seine Kollegen am Roboter: Sie können im Sitzen operieren und ermüden so bei langen Operationen weniger schnell. Der grösste Vorteil für den Patienten: der geringe Blutverlust. Die drei oder vier Ärmchen des Roboters können durch kleine Schnitte in die Bauchhöhle eingeführt werden. «Das führt meistens auch zu einer schnelleren Heilung», sagt Eberli.

Die beiden Roboter am Unispital sind täglich im Einsatz. Daniel Eberli sitzt mehrmals in der Woche an einem Gerät. In den meisten Fällen sind es Prostataoperationen und Tumorentfernungen an den Nieren. «An den Nieren kann der Roboter sein Potenzial so richtig ausspielen», sagt Eberli. Mit dem Elektromesser wird ein Tumor herausgeschnitten und das verbleibende Nierengewebe wieder zusammengenäht. «Konventionell ist das nur mit grösserem Blutverlust möglich.»

Siri mit Medizinstudium

Wie komfortabel und natürlich es sich mit Da Vinci operiert, können Besucher am Freitag und Samstag im Unispital selbst ausprobieren. Das USZ nimmt dieses Jahr zum ersten Mal an den Informatiktagen teil und öffnet wie viele IT-Firmen und -Abteilungen im Raum Zürich seine Türen für Interessierte. Organisatorin Annina Bentele, IT-Projektleiterin am USZ, kann aus dem Vollen schöpfen. Denn Informatik am Krankenbett ist längst Alltag. Umstritten zum Teil, für manche beängstigend, für viele sehr bequem. Die elektronische Praxishilfe Spea King zum Beispiel. Eine Siri mit Nachdiplom in Medizin: Dank Fortschritten in der Spracherkennung diktieren die Ärztinnen und Ärzte ihren Befund statt auf ein Band für die Praxisassistentin in ein Gerät, welches das Gesprochene in Text umwandelt und direkt in die Krankenakte schreibt. Auch das kann im Unispital ausprobiert werden.

Am Parcours durch die Hörsäle im Gebäude Nord 1 am USZ erhält jeder Besucher ein Patientenarmband. Dann geht es zur Desinfektionsstation, Benteles Steckenpferd. Die automatisierten Kontrollen mittels UV-Licht sollen das Bewusstsein für Hygiene bei Ärzten und Pflegenden erhöhen. Im Diagnoseraum werden Computertomografieschnitte zu dreidimensionalen Modellen zusammengesetzt, im Operationssaal kann per Roboter operiert werden, und sogar eine Reanimation kann man versuchen. Das obligatorische Protokoll wird einmal von Hand notiert wie früher und gleichzeitig automatisch aus den beteiligten Geräten in die Akte geschrieben.

Erstellt: 15.06.2017, 13:25 Uhr

Informatiktage 2017

Freitag, 16., und Samstag, 17. Juni.

Drohnen-Fliegen und Roboterrennen bei der Swisslife, Programmieren lernen mit Csico, das Innenleben eines Computers studieren mit der Zürcher Kantonalbank. Konkrete Beispiele, statt grauer Theorie: An den Informatiktagen vom kommenden Wochenende ermöglichen Informatikfirmen- und Abteilungen, Hochschulen und Bildungsinstitute im Raum Zürich, einem breiten Publikum spannende Einblicke in die Welt der Informatik und Digitalisierung. 11'000 Personen haben die erste Ausgabe im vergangenen Jahr besucht, weshalb sich Kanton und Stadt Zürich eine Fortsetzung ins Auge fassten.
Programm : informatiktage.ch

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