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Der Schneekönig - die Geschichte eines unbelehrbaren Drogenhändlers

Am Montag wird in St. Gallen einem der grössten Schweizer Drogendealer der Prozess gemacht. Nachdem Reinhard Lutz fast 25 Jahre im Gefängnis sass, wurde er in Stäfa erneut mit Kokain erwischt.

Der «Schneekönig» Reinhard Lutz war jahrelang eine Drehscheibe des organisierten Kokainhandels. Mehr als 20 Jahre sass der 56-Jährige deswegen bereits im Gefängnis. Weshalb wird der Mann immer wieder rückfällig? In der Anklageschrift sind nicht weniger als sieben Verurteilungen aufgelistet, am Montag sitzt er abermals vor Gericht. Die Tochter des 56-Jährigen versteht nicht, weshalb der Vater die Finger nicht vom Drogenhandel lassen kann. Sie hat den Kontakt abgebrochen.

Lutz habe es nie geschafft, dem Milieu den Rücken zu kehren, mutmasst ein Radiojournalist, der ihn Anfang 2010 im Gefängnis besucht. «Ich habe gelebt, in der Zeit wo ich draussen war, ich habe alles gesehen und viele Frauen gehabt», sagt die Zürcher Milieugrösse im Beitrag.

Schmuggel per Auto

Als 16-Jähriger kommt Lutz erstmals mit dem Drogenhandel in Kontakt. Ein Freund bringt einige Kilo Haschisch aus Indien mit in die Schweiz und verkauft sie locker weiter. Zwei Jahre später stirbt die Mutter bei einem Unfall. Er beginnt eine Lehre, heiratet und bekommt eine Tochter. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden.

Um die «Notlage zu überbrücken», habe er als 21-Jähriger damit angefangen, Haschisch und Kokain von Holland im eigenen Auto in die Schweiz zu schmuggeln. Irgendwann fliegt der Deal auf, die Ehe zerbricht und Lutz landet 1977 für zweieinhalb Jahre im Gefängnis.

In der Strafanstalt Saxerriet habe er die grossen Namen vom Kreis 4 in Zürich kennengelernt und wichtige Kontakte in die Unterwelt geknüpft. Nach der Entlassung beginnt Lutz zwar eine Malerlehre, als ihm Rechnungen von über 30'000 Franken ins Haus flattern, sind die guten Vorsätze vergessen.

Anwalt ins Gefängnis gebracht

Er steigt vom Haschischverkäufer zum Kokaindealer und Beizenbesitzer auf und wird eine feste Grösse in der Halbwelt. «Wo man hinkam, lag Kokain auf dem Tisch» erzählt er. Zum Aufhören ist es zu spät. Zu verlockend ist die Aussicht, mit wenig Aufwand viel Geld zu verdienen.

«Legal etwas haben, ohne Krämpfe zu machen», dieses Ziel verfolgt Lutz auch nach der Verbüssung einer erneuten Haftstrafe. Wegen Drogendelikten verurteilte ihn das Zürcher Obergericht 1988 zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus. Im Vollzug verhält sich er sich mustergültig. Im Juli 1990 wird er bedingt entlassen.

Milieuanwalt Valentin Landmann ist überzeugt von der Resozialisierung des Dealers und will ihm beim Einstieg in den Auto- und Immobilienhandel helfen. Dieser dealt munter weiter und zahlt mehrere Millionen schmutziges Geld auf ein Zürcher Bankkonto ein. Landmann kommt in Untersuchungshaft und wird wegen mehrfacher Geldwäscherei zu einem Jahr Gefängnis bedingt und einer Busse von 15'000 Franken verurteilt.

Flucht nach Brasilien

Als die Drogenschiebereien auffliegen, folgt die Flucht nach Brasilien. Noch keine Dreissig wird Lutz in «Aktenzeichen XY ungelöst» gesucht. Mit Casinobesuchen hält er sich über Wasser, Alt-Nazis verhelfen ihm in Südamerika zu einem neuen Pass.

1991 wird der Gesuchte zusammen mit einem Komplizen während eines Kokaintransports verhaftet. Über 100 Kilo haben die beiden aus Brasilien in die Schweiz zu schmuggeln versucht. Der «Schneekönig» wird 1993 vom Zürcher Bezirksgericht zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Auch im Gefängnis laufen die Geschäfte weiter. Er bekommt noch einmal zweieinhalb Jahre Gefängnis aufgebrummt. Im November 2004 wird er bedingt aus dem Vollzug entlassen. Bei einer Reststrafe von 2474 Tagen und einer Probezeit von vier Jahren.

Im Juni 2010 steht der «Schneekönig» mit zwei Mitangeklagten vor Kreisgericht Werdenberg-Sargans. Rund ein Jahr zuvor hat die Polizei bei einer Razzia in seinem Haus in Stäfa ZH knapp ein Kilo Kokain und über ein halbes Dutzend Waffen gefunden.

Koffein oder Kokain

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Angeschuldigte der Drahtzieher der Kokaingeschäfte ist. Er muss erneut für 12 Jahre ins Gefängnis. Für die Begleichung einer Ersatzforderung von 300'000 Franken soll auch ein Wohnung in Mallorca verkauft werden.

Am 30. Mai steht der «Schneekönig» erneut vor Gericht. Er bestreitet den Handel mit Kokain vor Ablauf der Probezeit. Bei der Ware soll es sich um Koffein, das häufig als Streckmittel verwendet wird, gehandelt haben. Sein Verteidiger plädiert auf höchstens vier Jahre Gefängnis.

Für die Staatsanwaltschaft ist dagegen erwiesen, dass Reinhard Lutz von 2007 bis November 2008 mindestens sechs Kilo Heroin verkauft hat und beantragt eine Erhöhung der Strafe auf 13 Jahre.

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