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Der sehr wichtige Mario Fehr

Der Regierungsrat lässt sich von Kantonspolizisten direkt zum Flugzeug bringen. Das befremdet.

MeinungDavid Hesse

Der Vorfall ist etwas untergegangen, aber nacherzählenswert. Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) ist am Mittwochnachmittag am Flughafen Zürich ins falsche Flugzeug gestiegen. Dies berichtete der «Blick» unter Berufung auf einen Augenzeugen.

Mario Fehr sass bereits in der Easyjet-Maschine, als die Passagiere per Durchsage auf dem Flug nach Berlin begrüsst wurden, geplanter Abflug 16:25 Uhr. Fehr sei dann, berichtet der Augenzeuge auch dieser Zeitung, nach vorn gestürmt und habe gerufen, er müsse «unbedingt nach London». Da sei die Treppe wieder herangerollt worden, Fehr konnte aussteigen, wechselte das Flugzeug, offenbar zu Fuss. Die Passagiere der Berliner Maschine seien informiert worden, dass es bei einem VIP zu einer Verwechslung gekommen sei.

Und tatsächlich: Eigentlich kann Fehr nichts dafür. Der Politiker ist nicht mit dem gewöhnlichen Volk durch Pass- und Gepäckkontrolle und dann vom Weg abgekommen, sondern von professionellen Begleitern übers Rollfeld und direkt zum Flugzeug gebracht worden. Nur eben zum falschen. Gegenüber dem «Blick» bestätigte Fehrs Sprecher Urs Grob den Zwischenfall: «Damit Regierungsrat Fehr trotz seiner sehr engen Agenda den gebuchten Flug erreichen konnte, begleiteten ihn zwei Einsatzkräfte der Kapo durch den Einsteigeprozess bis zum Flugzeug.»

«London ist nach Zürich meine Lieblingsstadt.»

Mario Fehr

Interessant. Der Zürcher Sicherheitsdirektor hat sich also zwecks Zeitersparnis von Kantonspolizisten durch alle Schleusen und bis zum Flieger bringen lassen. Zweifellos wird diese Reise wichtiger geschäftlicher Natur gewesen sein, denkt man als Steuerzahler. Oder war sie es etwa doch nicht? Der «Blick» spekulierte, Fussballfan Fehr habe in London wohl «der Stadioneröffnung seines Lieblingsclubs Tottenham Hotspur» beiwohnen wollen. In der Tat ist Fehr ein erklärter Anhänger der Londoner Mannschaft, das Trikot von Tottenham Hotspur sei sein liebstes Kleidungsstück im Schrank – «für Nordlondoner Derbies», beschied er dem TA 2017 weltmännisch. In London ist er offenbar oft, wie er auch der NZZ anvertraute: «London ist nach Zürich meine Lieblingsstadt.»

Kann das sein? War es ein Fussballspiel, das Fehr die Dienste der Kantonspolizei in Anspruch nehmen liess? Sein Sprecher Urs Grob wollte dem TA nicht beantworten, was Fehr genau in London tat, und ob es eine Geschäftsreise war. Nur so viel: Regierungsrat Fehr beanspruche das Sicherheitsgeleit am Flughafen «nur dann, wenn regierungsrätliche Verpflichtungen unmittelbar vor einem gebuchten Flug dessen rechtzeitiges Besteigen unmöglich machen. Dies war auch am Mittwoch für den Flug in einen mehrtägigen Auslandaufenthalt der Fall.»

Eins ist klar. In Zeiten des Klimawandels ist jeder Flug nach London erklärungsbedürftig. Wenn sich ein Kantonspolitiker dazu wie ein WEF-VIP von der Polizei zum Flieger eskortieren lässt, steigt der Erklärbedarf. Die Schweiz ist zu recht stolz darauf, ein Land der nahbaren Politiker zu sein, in dem selbst Bundesräte Tram und Bus fahren. Es zeugt von eher robustem Selbstvertrauen, sich eine wenig dringlich scheinende Reise von Polizeibeamten annehmlicher machen zu lassen. Sollte die Reise auch noch ein Privatvergnügen gewesen sein, wird das Befremden zu Ärger. Kantonspolizisten haben vielfältige Aufgaben, um die sie oft nicht zu beneiden sind. Die VIP-Beförderung von Fussballfans gehört nicht dazu.

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