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Der sensationelle Afghane

Es gebe keine Flüchtlinge auf Zürcher Bauernhöfen, hiess es gestern. Falsch: Es gibt sie, aber selten. Zum Beispiel auf dem Spargelhof Rafz.

Bald wird wieder geerntet, ein Afghane hilft dabei in Rafz: Arbeiter auf einem Spargelfeld.
Bald wird wieder geerntet, ein Afghane hilft dabei in Rafz: Arbeiter auf einem Spargelfeld.
Arno Balzarini, Keystone

Gestern las man auf Twitter folgendes Statement: «Zürcher Bauern wollen keine Flüchtlinge anstellen – Stimmt nicht!» Ein Beweisfoto zeigte einen dunkelhäutigen Mann bei der Hofarbeit, und ein Link verwies auf die Homepage der Juckerfarm, von der der Tweet kam.

Die Juckerfarm in Seegräben: ein Riesenbetrieb samt florierendem Laden und Aussenstellen; weitum bekannt sind die Kürbisausstellungen. Bauer Martin Jucker reagierte mit seinem Tweet auf eine Meldung zu einem Projekt des Schweizer Bauernverbandes. Dieser vermittelt anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene an Schweizer Bauernhöfe.

Bloss hat der Verband festgestellt: Zürcher Höfe machen bisher nicht mit. Die Zürcher Regierung hat gestern eine GLP-Anfrage zu dem Manko so beantwortet: Zürcher Landwirte setzten in erster Linie auf osteuropäische Arbeitskräfte. Da habe sich über die Jahre eine gute Zusammenarbeit eingespielt. Zusätzliche Hilfe werde nicht benötigt.

Der Eritreer ist weg

Gross ist das Projekt nicht, bei dem der Bauernverband mit dem Staatssekretariat für Migration zusammenspannt. Im ersten Projektjahr wurden schweizweit 13 Flüchtlinge vermittelt. Vergleichszahl: Jährlich arbeiten in der Erntezeit 25'000 bis 35'000 ausländische Leute auf Schweizer Höfen.

Juckers Ausländer stammt auch nicht aus dem Projekt des Bauerverbandes. Den Eritreer auf dem Tweet-Foto hatte eine Integrationsstelle in Rapperswil-Jona vermittelt. Allerdings ist das zeitlich begrenzte Praktikum mittlerweile vorbei. Der Eritreer, ein anerkannter Flüchtling, ist nicht mehr auf dem Juckerschen Bächlihof in Jona SG tätig.

Harte Arbeit am Spargel

Der Tweet stimmt grundsätzlich trotzdem. Denn zu Juckers Reich gehört auch der Spargelhof Rafz. Dort arbeitet ein Afghane. «Er ist, soweit ich höre, sensationell», sagt Jucker. Drei andere Asylbewerber seien allerdings ziemlich unregelmässig erschienen, sie hätten Mühe mit dem Arbeitsrhythmus gehabt. «Fairerweise muss man beifügen, dass auch mancher Schweizer nicht mithalten könnte.»

Für einen grossen Betrieb sei das mit den Leuten, die mal kämen und mal nicht, verkraftbar. Man könne improvisieren. Schlecht sei es für einen kleinen Betrieb, der vielleicht bloss einen einzigen Helfer braucht, denn aber ganz fest. «Wenn er dann nicht erscheint, haben Sie ein Problem.»

Selbstwertstärkend

Vermittelt hat den Afghanen und die anderen Asylbewerber Rolf Sigg, der dafür in Rafz und Eglisau bei den Gemeinden zuständig ist. Es handle sich um Personen im laufenden Asylverfahren, sagt Sigg. Für ihren Einsatz bekämen sie kein Geld, so sei das gesetzlich festgelegt.

Trotzdem sei es sinnvoll, dass Asylbewerber arbeiteten, findet Sigg. Das gebe ihnen Struktur in den Tag, eine Beschäftigung, Sinn. Auch lernten sie die Schweizer Arbeitswelt kennen, was zum Beispiel hilfreich sei, falls sie am Schluss bleiben dürfen. Und ganz prinzipiell handle es sich um eine gute Sache: Wenn jemand in einem Betrieb gut arbeite, werde er geschätzt, sagt Sigg. «Das ist gut für den Selbstwert.»

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