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Multimillionär zieht weg: Dorf gerät ins Schleudern

In Hombrechtikon sind auf einen Schlag 20 Prozent des Haushalts weggebrochen. Die Gemeinde schnallt den Gürtel enger und hofft auf zahlungskräftige Neuzuzüger.

Der Unternehmer und Sportsponsor Andy Rihs. Bild: Reuters
Der Unternehmer und Sportsponsor Andy Rihs. Bild: Reuters

Eigentlich hätte 2017 für Hombrechtikon ein finanziell ruhiges Jahr werden sollen. Knapp 50 Millionen Franken Einnahmen, gut 50 Millionen Ausgaben. Doch dann häuften sich Ende 2016 die Hiobsbotschaften für Finanzvorstand Daniel Wenger (parteilos). Da waren unerwartete Verluste von Firmen, und vor allem kamen noch die Wegzüge von mehreren sehr guten Steuerzahlern hinzu. Einer davon ist gemäss mehreren Quellen der 74-jährige Multimillionär und Sportsponsor Andy Rihs, der von der «Bilanz» als einer der 100 reichsten Schweizer geführt wird. Rihs war für den TA gestern nicht erreichbar.

Wenn einer wie er wegzieht, geht das nicht spurlos an einer Gemeinde vorbei. Im Budget fürs laufende Jahr hatte die Hombrechtiker Finanzverwaltung mit Steuereinnahmen von gut 29 Millionen Franken gerechnet. Doch die provisorische Übersicht zeigte Ende August, dass die Schätzung der Steuererträge, vor ­allem jene aus früheren Jahren, viel zu hoch ist. Nur 20 Millionen Franken, also 9 Millionen weniger als erwartet, werden in diesem Jahr eingehen.

«Das kann passieren»

Gemäss Wenger sind etwa 70 Prozent der Steuerausfälle auf die Wegzüge der Privatpersonen zurückzuführen, der Rest auf Steuerausfälle bei den Unternehmen. Diese ausserordentliche Situation veranlasste den Finanzvorstand, die Bevölkerung im Anschluss an die Gemeindeversammlung vom 27. September zu orientieren. Man werde jetzt den Gürtel enger schnallen müssen und ­geplante Investionen, wenn sie nicht dringend nötig seien, um mindestens zwei Jahre zurückstellen.

Wenger betonte gestern auf Anfrage, dass die Lage zwar ernst sei, er aber nicht auf Panik machen wolle: «Nicht ­beeinflussbare Umstände sind eingetreten, das stimmt, doch das kann anderen Gemeinden auch passieren.» Man werde in Hombrechtikon an allen Leistungen festhalten.

Steuerfuss bleibt unverändert

Ebenfalls festhalten will Hombrechtikon an seinem Steuerfuss, der seit 2003 unverändert bei 119 Prozent liegt – wie in der Stadt Zürich. Die Steuerausfälle von 9 Millionen Franken werden künftig – so die Berechnungen der Gemeinde – aus dem Finanzausgleich beglichen werden, allerdings erst mit zwei Jahren Verzögerung im Jahr 2019. Bis dahin muss Hombrechtikon das Konto Eigenkapital anzapfen, auf dem gegenwärtig noch gut 23 Millionen Franken liegen. Für die ­Zukunft bleibt Finanzvorsteher Daniel Wenger zuversichtlich. Erstens könne die Gemeinde beim Verkauf der frei gewordenen Luxusliegenschaften mit Grundstückgewinnsteuern rechnen, und zweitens «folgen auf die Wegzüger auch Zuzüger, die kaum mittellos sein werden».

Kirche am stärksten betroffen

Noch stärker betroffen als die Gemeinde sind die Kirchen, wie der reformierte Kirchenpflegepräsident René Schmid bestätigt. Die reformierte Kirche plante in diesem Jahr mit einem Budget von gut 1,4 Millionen Franken. Jetzt fallen 430'000 Franken weg. Was besonders schmerzhaft ist: Einen Teil davon hat die Kirche bereits erhalten und muss das Geld nun ans kantonale Steueramt beziehungsweise an die Steuerpflichtigen zurückzahlen – aus dem Eigenkapital, wie Schmid sagt. Zudem kann die Kirche ab 2019 auch nicht mit dem Finanzausgleich rechnen, denn der ist nur für die Haushalte von Politischen und Schulgemeinden gedacht. Darum ist für René Schmid klar: «Wir müssen uns auf ein deutlich kleineres Budget einstellen.»

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