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Wo der Zürcher Wolf zuletzt unterwegs war

Ein Wolf tappte vor rund einer Woche in eine Fotofalle in Gossau. Er zog aber auch durch andere Oberländer Gemeinden. Die Bauern sind auf der Hut.

Ertappt: Ein Wolf streifte vor wenigen Tagen durch die Zürcher Wälder. (pd)
Ertappt: Ein Wolf streifte vor wenigen Tagen durch die Zürcher Wälder. (pd)

Eine Fotofalle erwischte Ende August einen Wolf im Wald der Zürcher Oberländer Gemeinde Gossau. Das ist aber nicht der einzige Ort, wo sich das Tier aufhielt. Jürg Zinggeler, Jagdadjunkt bei der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, sagt auf Anfrage: «Wir können dank dem Foto nun mehrere Sichtungen definitiv zuordnen.» Der Wolf war demnach auch in den Gemeinden Uster, Hombrechtikon und Grüningen unterwegs. Zuletzt gesehen wurde er in Egg. Seither ist das Tier wieder von der Bildfläche verschwunden.

Weil es in der Regel die Männchen sind, die das Rudel verlassen, vermuten die Experten der Jagdverwaltung, dass es sich beim gesichteten Tier um ein Männchen handelt. Da aber keine DNA-Spuren gesichert werden konnten, steht das nicht mit letzter Sicherheit fest. «Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um ein Tier handelt, das sich ein neues Territorium sucht», sagt Zinggeler. Wölfe ziehen vornehmlich in der Dämmerung oder Dunkelheit. Sie können in einer Nacht bis zu 60 Kilometer zurücklegen.

«Mit dem Wolf leben lernen»

Urs Altorfer, Präsident des örtlichen Bauernvereins, hält selbst Schafe. Er nimmt die Meldung zwar ernst, gibt sich aber gelassen. Er hat gegen den Wolf aber noch keine Massnahmen ergriffen. «Die Sichtung ist eine Woche alt. Wir wissen deshalb nicht, ob sich das Tier überhaupt noch in der Region befindet.» Der Bauernvereinspräsident weiss aber, dass der Widerstand gegen den Wolf unter den Landwirten gross ist. «Er gefährdet unsere Tiere.»

Er könne nicht für alle Bauern reden, sei aber persönlich überzeugt, dass die Rückkehr der Wölfe unaufhaltbar sei. «Und wir müssen lernen, mit ihnen zu leben.» Die Landwirte müssten in die Zäune investieren, von den flexiblen, grossmaschigen Kunststoffnetzen auf massivere Umfriedungen wechseln und diese allenfalls stärker unter Strom setzen. Anders als in den Bergregionen könnten die Landwirte in den Niederungen ihre Herden kaum mit Hirtenhunden schützen. «Weil es in den Wohngebieten zahlreiche Hunde gibt, käme es unweigerlich zu Konflikten zwischen den Schutzhunden und den Haustieren.»

Zwei anerkannte Hunderassen

Einer, der sich mit diesen Hunden besonders gut auskennt, ist Bruno Zähner. Er ist Herdenschutzberater des Kantons Zürich und hält auf seinem Betrieb fünf dieser Hunde. Er appelliert an die Toleranz der Bevölkerung für die grossen Vierbeiner: «Die grosse Akzeptanz der Grossraubtiere in der Schweiz bedingt ein grösseres Verständnis für die schützenden Hunde.» Das bedeute etwa, dass ein Hundehalter beim Gassigehen einen anderen Weg einschlägt, wenn eine geschützte Herde in der Nachbarschaft gastiert.

Das Bundesamt für Umwelt anerkennt offiziell zwei Rassen zum Schutz der Herden: den Maremmano Abruzzese und den Montagne des Pyrénées. Diese Hunde stammen aus traditionellen Wolfsgebieten in Italien und Frankreich. 200 solcher Tiere sind in der Schweiz als Herdenschutzhunde registriert. Die Hunde müssen in ihrer Herde geboren werden und haben zu ihr eine stärkere Bindung als zu ihrem Halter. «Müssen sie beispielsweise zwischen Schaf oder Mensch wählen, sollten sie sich für das Schaf entscheiden», weiss Zähner.

In ihrer zweijährigen Ausbildung lernen die Vierbeiner, dass die Schafe ihr Rudel, aber nicht ihre Spielkameraden sind. «Sie werden zudem möglichst vielen Reizen ausgesetzt, damit sie zwischen guten und bösen Eindringlingen differenzieren können. Alle Risiken können wir damit aber nicht ausschliessen.» So komme es in der Schweiz jährlich zu acht bis zwölf Vorfällen, bei denen Passanten von Herdenschutzhunden gebissen werden. «Eine kleine Zahl, verglichen mit den Zwischenfällen mit anderen Hunden.»

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