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VCS: Volk soll über den Rosengartentunnel entscheiden

Der Zürcher Kantonsrat heisst das milliardenteure Bauprojekt gut – doch die links-grüne Gegnerschaft erhält Unterstützung vom VCS: Der Umweltverband ergreift das Referendum.

Liliane Minor
Zückerchen für die Städter: Die Rosengartenstrasse wird verkehrsberuhigt und mit dem Tram erschlossen.
Zückerchen für die Städter: Die Rosengartenstrasse wird verkehrsberuhigt und mit dem Tram erschlossen.
PD

Gestern war der Tag, der als Klimawahl in die Geschichte des Kantons eingehen dürfte - heute hat der Kantonsrat alle linksgrünen Bedenken in den Wind geschlagen und den geplanten Rosengartentunnel mit 102:64 Stimmen gutgeheissen. Zum 1,1 Milliarden Franken teuren Projekt gehört neben einem 2,3 Kilometer langen Tunnel auch eine neue Tramverbindung zwischen Hardbrücke und Bucheggplatz. Damit soll die 600 Meter lange Strecke zwischen Nordstrasse und Bucheggplatz vom Lärm entlastet werden.

Für die Befürworter - neben den Bürgerlichen auch die EVP - gibt es keine Alternative zum gut zwei Kilometer langen Tunnel. Der heutige Zustand sei desolat, sagte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon). Für Sonja Rueff (FDP, Zürich) gibt es «keinen vernünftigen Grund», das Projekt abzulehnen. Christian Schucan (FDP, Uetikon am See) betrachtet den Tunnel als umweltfreundliches Projekt: Auch Elektromobile brauchten Strassen, und Stau verursache mehr CO2 als fliessender Verkehr.

«Eine Bausünde durch eine neue ersetzt»

SP, Grüne und GLP sahen die Sache genau anders; der Rosengartentunnel sei rückwärtsgewandt statt zukunftsfähig. «Wie man bei diesem Projekt von einem vernünftigen Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen sprechen kann, ist mir ein Rätsel», fand Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon). Andrew Katumba (SP, Zürich) sagte, mit dem Tunnel werde eine Bausünde durch eine neue ersetzt und die Stadt mit Verkehr geflutet.

Mehrere SP-Redner betonten, das Quartier sei gegen den Tunnel. Ein Indiz dafür sei das Wahlresultat von Martin Neukom in Wipkingen, sagte Kathy Steiner (Grüne, Zürich): Im Kreis 10 erzielte der Grüne 5421 Stimmen und distanzierte damit die Volkswirtschaftsdirektorin und «Tunnel-Mutter» Carmen Walker Späh (FDP) um fast 2000 Stimmen.

VCS ergreift das Referendum

Neben den Kosten waren erneut die 56’000 Fahrzeuge ein Thema, die maximal durch den Tunnel fahren sollen. Die Bürgerlichen hatten es in der ersten Lesung abgelehnt, die Zahl ins Gesetz zu schreiben. Der Zürcher Stadtrat hatte daraufhin angekündigt, sein Ja zum Tunnel allenfalls zu überdenken. Inzwischen haben sich Stadt- und Regierungsrat zusammengesetzt, wie Carmen Walker Späh (FDP) sagte. Sie kündigte eine Betriebsvereinbarung mit der Stadt an, in der unter anderem die Modalitäten des geplanten Verkehrsmonitorings festgeschrieben werden sollen.

Das letzte Wort ist mit dem heutigen Ja des Kantonsrats allerdings noch nicht gesprochen. Der Zürcher Gemeinderat strebt ein Gemeindereferendum gegen den Bau an. Und der VCS kündigte kurz nach dem Entscheid zudem an, das Referendum gegen das «teure und stadtzerstörerische Tunnelprojekt» zu ergreifen. Kommen 3000 gültige Unterschriften zusammen, kommt das Projekt also an die Urne.

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