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Die 4 Hürden im Kasernenareal

Fürs Kasernenareal in Zürichs Stadtmitte braucht es eine neue Vision. Doch diese wird es schwer haben – egal, ob sie radikal ist oder langweilig.

Jüngster Plan: Nicht gerade ein grosser Wurf, aber die sanfte Entwicklung, die sich das Quartier für das Kasernenareal gewünscht hat.
Jüngster Plan: Nicht gerade ein grosser Wurf, aber die sanfte Entwicklung, die sich das Quartier für das Kasernenareal gewünscht hat.
Visualisierung aus dem Masterplan
Laut Masterplan wäre die Wiese zu einem grossen Park geworden ...
Laut Masterplan wäre die Wiese zu einem grossen Park geworden ...
Urs Jaudas
Geht es nach Andreas Diethelm, wäre ein Schulgarten an dieser Lage sinnvoll. Denn im Umkreis von nur einem Kilometer liegen ein Dutzend öffentliche Schulen und ebenso viele Kindergärten.
Geht es nach Andreas Diethelm, wäre ein Schulgarten an dieser Lage sinnvoll. Denn im Umkreis von nur einem Kilometer liegen ein Dutzend öffentliche Schulen und ebenso viele Kindergärten.
Andreas Diethelm
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Pärke, Gewerbe, Cafés und ganz viel Platz: Das Kasernenareal beim Zürcher Hauptbahnhof hätte zum freien Herzstück Zürichs werden sollen. Nun sind die Pläne zunichte, der Kantonsrat hat sie am gestrigen Montagmorgen beerdigt.

Was nun aus dem Areal wird, ist wieder so offen wie vor 40 Jahren. Damals hat man angefangen, über eine Zukunft zu fantasieren, die eintreten könnte, sobald das Areal von Militär und später Polizei freigeräumt ist. Diese Räumung ist nun so nah wie nie zuvor, sie sollte ab 2021 Realität werden. Und ausgerechnet jetzt steht Zürich vor einem Scherbenhaufen.

Um diesen zu beseitigen, braucht es Mut und Durchhaltewillen. Denn es wird neue Hürden geben auf dem Weg zu einem Areal, das «allen nützt, statt wenigen», wie es die FDP im Kantonsrat gefordert hat. Ihr war die von Stadt, Kanton und Quartierbevölkerung erwünschte Lösung zu wenig.

Hürde 1: Frust überwinden

Es wäre eine schlechte Lösung, jetzt beim Status quo zu verharren und dem geplatzten Traum nachzutrauern. Ein Teil der Zeughäuser bliebe geschlossen für die Bevölkerung, eine gesamtheitliche Entwicklung des Areals würde verhindert. Irgendwann müsste der Kanton die alten Zeughäuser, die die Stadt im Baurecht übernehmen wollte, sanieren. Kosten: geschätzt 55 Millionen Franken. Dazu kommen die geschätzten rund 130 Millionen Franken für die Sanierung der Militärkaserne, welche der Kanton sowieso zahlen muss.

Deshalb braucht es einen neuen Anlauf, am besten mit einem neuen kantonalen Bauvorsteher, der im Frühling gewählt wird. Der abtretende Markus Kägi (SVP) hat es nicht geschafft, seine bürgerliche Mehrheit hinter das Vorhaben zu scharen.

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Hürde 2: Missgunst gegen rot-grüne Stadt ablegen

SVP, FDP und EDU haben am Montagmorgen gewettert – gegen die rot-grüne Stadt, der sie nichts schenken wollen. Sie solle die Renovation der verlotterten Zeughäuser selbst bezahlen, wenn sie diese schon haben wolle. Keine Rolle spielte bei dieser Argumentation, dass es der Kanton und der bürgerliche Baudirektor Kägi die letzten 10 Jahre versäumt haben, die Gebäude zu unterhalten. Um dem Kasernenareal eine sinnvolle Zukunft zu ermöglichen, braucht es Einigkeit statt Missgunst. Die Kosten sind so oder so beträchtlich, und das Kasernenareal ist und bleibt ein attraktives Stück Land in der rot-grün regierten Stadt.

3. Hürde: Mutige neue Ideen entwickeln

Der gescheiterte Masterplan war kein Wurf. Die Stadt hätte die historischen Zeughäuser unter Auflagen der Denkmalpflege saniert und günstig vermietet. Künstlerinnen, Kulturschaffende, Gastronominnen und Gewerbler hätten davon profitiert. Der Zeughaushof wäre belebt und die Kasernenwiese zu einem Park geworden. Diese Vision ist das Resultat eines breit angelegten Prozesses.

Davor hat es bereits diverse Studien und Ideen gegeben: ein Hotel, ein Kongresszentrum, ein See, der Abriss der Militärkaserne zugunsten eines Parks. Sie alle scheiterten an den hohen Auflagen des Denkmalschutzes. So monierte 2001 ein Architekt, der eigene Vorstellung vom Umgang mit dem Areal hatte: «Die Stadt ruft nach Ideen und verbietet gleichzeitig jede Änderung.» Er wollte mit Ideenskizzen zeigen, was möglich ist. «Es braucht zuerst Bilder der Zukunft, die Enthusiasmus entfachen.» Da nun alles gescheitert scheint, ist es Zeit, wieder neu zu denken und zum Beispiel auch die denkmalgeschützten Bauten infrage zu stellen. Diese blockieren eine freie Entwicklung des Areals.

4. Hürde: Sich von der Europaallee abgrenzen

Für die Bürgerlichen heisst das Schreckensszenario «Rote Fabrik», für das Linksgrüne Quartier «Europaallee». Wie sich die Strasse mit ihren dichten Hochhäusern und teuren Ladenpassagen entwickelt hat, ist den Quartierbewohnerinnen ein Graus. Das wollen sie für die Zukunft des Kasernenareals auf jeden Fall verhindern. Dort braucht es deshalb eine andere, sanftere und stadtverträglichere Entwicklung. Sonst sind Rekurse aus dem Quartier garantiert.

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